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Heinz Meier: Loriots „Lottogewinner“ ist tot

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Heinz Meier (links) als Rentner Erwin Lindemann in dem legendären Sketch „Der Lottogewinner“ von Loriot. Foto: dpa
Als überforderter Lottogewinner Erwin Lindemann, der eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnen will, wurde er zur Kultfigur. Am Sonntag starb Loriots Ensemblemitglied Heinz Meier im Alter von 83 Jahren.
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Freiburg

Er blickte beim Warten auf Godot in den Abgrund der Sinnlosigkeit, zerlegte als Doktor in Thomas Bernhards „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ genüsslich eine Leiche mit Worten und wurde in Gogols „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ schließlich selber irre. Aber die Menschen sahen in Heinz Meier stets nur den Lottogewinner Erwin Lindemann. Den kleinen Mann, den unverhofft das Glück getroffen hat und der seine kleinen Träume jetzt nicht sinnvoll zusammenhalten kann.

Am Sonntag ist Heinz Meier, neben Evelyn Hamann sicher der Lieblingsschauspieler Loriots, im Alter von 83 Jahren in Freiburg gestorben. Hier hatte er 1953, noch als Student, das Wallgraben-Theater mitgegründet, mit Holzbänken im Zuschauerraum und Marmeladeneimern als Scheinwerfern. Mittlerweile ist es eines der ältesten Privattheater Deutschlands. Vor einem Monat stand Meier hier zum letzten Mal in seinem Leben auf der Bühne, zur 60-Jahr-Feier spielte er „Ach was! Loriot!“.

Das mag er sich oft gedacht haben. Denn die meisten Menschen mögen Heinz Meier nicht gekannt haben und auch nicht die Stücke der absurden Dramatiker, die ihm so viel bedeuteten. Aber sie kannten Erwin Lotte-äh-Lindemann. Von 1976 bis 1979 hat Meier unter der Regie Vicco von Bülows gespielt, nur sechs Folgen der Serie „Loriot“ wurden produziert. Aber die prägten sich ins kollektive Gedächtnis der Deutschen ein, tiefer als Glocken und Erlkönige. Kalbshaxe Florida. Ein Klavier, ein Klavier. Eine Herrenboutique in Wuppertal. Und wo ist das Zitronencremebällchen?

Man kann Heinz Meier in Fassbinders „Welt am Draht“ entdecken, in einem alten Zollfahnder-Kressin-Tatort oder als Hausmeister im „Kommissar“ und verstehen, warum Loriot für seine Sketch-Show genau so einen gesucht hat. Einen möglichst unprätentiösen Schauspieler. Einen, der ganz normal „Ja“ und „Nein“ sagen kann, ohne großes Getue. Das konnte Meier, der bemerkenswerterweise genauso aussah, wie man sich so einen Heinz Meier vorstellt. Er konnte seinen Blick bis zur völligen Verständnislosigkeit leeren, jeden Anflug von Humor aus seiner Stimme entfernen und in Schockstarre verharren, weil so einen kleinen Mann ja die geringste Verschiebung des Ist-Zustandes umhauen kann.

Loriot wusste, was er an Heinz Meier hatte, und verpflichtete ihn selbstverständlich auch für seine beiden Spielfilme, „Ödipussi“ und „Pappa ante Portas“. Seinem Wallgraben-Theater überließ er jahrelang exklusiv die Bühnenrechte an seinen Sketchen. Da spielte Heinz Meier nun eben Loriots absurde Dramen, im bürgerlichen Ambiente statt auf leer gefegter Existenzialisten-Bühne. Und er war wahnsinnig komisch.

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