25.08.2016
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Jan Josef Liefers im Interview: „Ich möchte nicht tauschen“

Jan Josef Liefers als detektivischer Anwalt Joachim Vernau

Jan Josef Liefers als detektivischer Anwalt Joachim Vernau

Foto:

ZDF

Köln -

Herr Liefers, in Ihrem neuen Joachim Vernau-Film „Die 7. Stunde“ kommen Schüler in einem Gymnasium auf mysteriöse Weise ums Leben. Warum faszinieren uns solche Geschichten so sehr?

Weil wir alle auch etwas vom Bösen in uns haben und froh sind, wenn es uns verschont. In der Regel leben wir ja ein zivilisiertes Leben, aber hier und da stoßen wir doch mal auf unsere dunklen Seiten. Es gibt sie, wir wissen das. Wir sagen Dinge, wie: Ich lauf gleich Amok!!

Aber wir wollen uns nur Luft machen, es sind nur Worte, denen keine Taten folgen. Was, wenn doch? Dann fällt schon mal die 7. Stunde aus...

In der Geschichte überschreitet jemand diese Grenze. Warum?

Es geht um eine komplizierte und gequälte Seele. Wie oft kann man über jemanden Witze machen, und er lacht mit? Wann ist der Punkt erreicht, an dem er durchdreht? Wir können oft nur erahnen, was hinter der Fassade abgeht. Im Film geht es um Schüler eines Elite-Gymnasiums, auserkoren von ihren Eltern für große Karrieren. Aber wurden sie je gefragt?

Von außen betrachtet glaubt man, diese Kids haben das große Los gezogen, aber schaut man hinter die Fassade, denkt man nur: Oh Gott, mit denen möchte ich nicht tauschen.

Eine Besonderheit an dieser Schule ist, dass Schüler in sogenannten Teen Courts bei Verfehlungen ihrer Mitschüler über deren Bestrafung entscheiden. Ist das gerecht?

Nein, aber was ist Gerechtigkeit? Das Thema würde den Rahmen unseres Gesprächs sprengen, ist aber superspannend. Darüber hab ich im Zusammenhang mit dem Film viel nachgedacht. Ist Gerechtigkeit, wenn dem Gesetz genüge getan wird? Und wie gerecht sind Gesetze? Wer hat sie gemacht, wurden alle gefragt? Die Rechtsprechung durch Gerichte, so fortschrittlich, liberal und intelligent sie auch urteilen mögen, befriedigen nicht immer das Gerechtigkeitsgefühl der Bevölkerung.

Wir verfolgen manchmal Prozesse und können das Urteil nicht fassen! Da wurden dann zwar die Gesetze streng befolgt, aber es bleibt das zornige Gefühl, dass etwas Ungerechtes dabei herausgekommen ist. Und darum geht es in dem Film. Ein Mensch will seine eigene Gerechtigkeit herstellen.

Sie haben mal gesagt, Amerikaner seien hemmungsloser, wenn es um das Böse in Filmen geht.

Sie erzählen Geschichten einfach hemmungsloser, ohne sich mit viel Psychologie aufzuhalten. Wie in Märchen. Da gibt es den Guten, es gibt einen Bösen und es wird nicht erklärt, warum der Böse böse ist. Er ist es einfach. In Deutschland wollen wir immer verstehen, wie der Mann so ein Bösewicht werden konnte.

Wie konnte es so weit kommen? Wer hat Schuld daran? Das macht es manchmal interessanter, aber manchmal auch etwas öde. In Hollywood reicht es oft, wenn wir den Helden kennenlernen und verstehen, es muss nicht auch noch der Gegenspieler auserzählt werden.

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