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Karmeliterinnen-Opernstück: Ruhige Bilder kühler Abstraktion

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Dialogue des Carmélites
Die Nonnen von Compiègne starben für ihren Glauben. (Bild: Hans Jörg Michel)

In der Oper sind Klöster meist Orte des Schreckens. Peter Eötvös' unlängst in Köln gezeigtes Opus „Love and Other Demons“ beschreibt die Zerstörung eines zwölfjährigen Mädchens durch die katholische Kirche, und Puccinis „Suor Angelica“ von 1918 zeigt die Klosterwelt als Hölle der Bigotterie und böser Intrigen. Knapp vierzig Jahre nach Puccini hat Francis Poulenc ein ganz anderes Bild entworfen. Seine 1957 uraufgeführten „Dialogues des Carmélites“ sind in jeder Hinsicht ein Ausnahmefall. Während anderswo die serielle Musik exerziert wurde, während Luigi Nono agitierte und John Cage mit dem Zufall experimentierte, komponierte Poulenc tonal süffige, eingängige Musik. Auch das Sujet seiner Oper scheint aus der Zeit gefallen. Denn es erzählt die verbürgte Geschichte der Nonnen von Compiègne, die im Gefolge der Revolutionswirren 1794 freiwillig aufs Schafott gingen, weil sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten.

Tod, Nihilismus und Martyrium

Gertrud von le Fort erfand 1931 in ihrer Novelle „Die Letzte am Schafott“ zur wahren Begebenheit die Figur der Adeligen Blanche hinzu, Georges Bernanos machte aus dem Stoff ein Drehbuch, das Poulenc zum Libretto wurde. Die über weite Strecken gänzlich undramatische Handlung dieser Oper ohne Liebesgeschichte kreist um das existenzielle Thema der Angst - verkörpert in der Gestalt der seit einem Geburtstrauma von Panik beherrschten Blanche -, um den Glauben in Zeiten politischer Bedrängnis, um Revolution und Religion, aber auch um Tod, Nihilismus und Martyrium.

Vor allem Letzteres ist heute, seitdem das Märtyrertum vom Selbstopfer zum mörderischen Attentat geworden ist, ein überaus heikles Thema. Glücklicherweise tappt Regisseur Guy Joosten nicht in diese Aktualisierungsfalle, sondern sucht sein Heil in ruhigen Bildern kühler Abstraktion.

Gertrud von le Fort wollte den Blutrausch der Schreckensherrschaft als Chiffre für die heraufziehende braune Gefahr verstanden wissen. Joosten nimmt dies zum Anlass, den Revolutionspöbel als Bürokratenschemen wimmeln zu lassen und die Schergen mit dezenten Nazi-Verweisen auszustatten.

Im ersten Bild ist noch eine alte Bibliothek aufgebaut und Blanches Vater und Bruder tragen Kostüme des späten 18. Jahrhunderts, aber bereits für das zweite Bild hat Johannes Leiacker einen nüchtern leeren Raum gebaut und das Farbspektrum auf das Gegensatzpaar Schwarz-Weiß und das Braun der Nonnenkutten reduziert. Drohend hängt ein riesiges Kruzifix schräg in den Raum, später liegen dessen verkohlte Reste auf dem Boden. Joosten gruppiert statische Bilder und versucht erst gar nicht, Licht in die Tiefen der Angststörungen und Fanatismen der Protagonistinnen zu werfen, er zeigt sie nur.

Grausame Schlussszene, unblutig umgesetzt

Generalmusikdirektor Axel Kober vermeidet im Graben allzu Süßliches, betont die dramatischen Momente und die Vielschichtigkeit der zwischen Debussy, archaischen Gesängen und Tristans Englischhorn changierenden Partitur. Die Sängerschar wird angeführt von der blutjungen Anett Fritsch, die der Sopranpartie der Blanche leuchtend intensive Farben gibt. Ihr zur Seite Alma Sadés frisch klingende Soeur Constance, herausragend auch Jeanne Piland als strenge Mère Marie, während Sabine Hogrefe als neue Priorin in der Höhe Schärfen zeigt. Die große Anja Silja gibt der alten Priorin eindrucksvoll fatalistische Züge, auch wenn die Stimme in der Mittellage nicht mehr mitmacht. Die finale Schafottszene, in der sechzehnmal hörbar das Fallbeil niedersaust, löst Guy Joosten unblutig: Immer, wenn eine weitere Stimme der Salve Regina intonierenden Nonnen verstummt, fällt ein schwarzer Schal vom Schnürboden herab. Eine gut verträgliche, wenn auch defensive Lösung für Poulencs schwer verdauliches Werk.

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