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Kölner Opernkrise: Mit der Pistole auf der Brust

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Kölner Oper
Die Kölner Oper
Foto: dpa

In dieser Zeit zwischen Ostern und Pfingsten darf man sich getrost von Wunderdingen anrühren lassen, zum Beispiel von der Brotvermehrung, die so viele Münder sättigte. Allerdings leben wir auch in Zeiten der globalen wie der kommunalen Finanzkrise, und deshalb wissen wir, dass in der Sphäre des Geldes Wunder leider selten göttlichen Ursprungs sind: Wenn sich plötzlich Euros vermehren, dann steckt dahinter nichts anderes als ein Kredit, und dieser sehr profane Vorgang hat nun auch die Kölner Kulturpolitik eingeholt.

In dieser Woche hat der Hauptausschuss des Rates beschlossen, dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen und den von Finanzknappheit gebeutelten Bühnen eine Kreditaufnahme von bis zu sechs Millionen Euro zu gestatten. Dass zumindest die Schauspiel-Intendantin noch vor Ostern in einem Brief an den Oberbürgermeister zu Protokoll gab, ein solcher Schritt sei höchst unseriös – wen kümmert’s? Hauptsache, der Euro rollt.

Denn die Sache ist so in Köln: Der Opern-Intendant Uwe Eric Laufenberg will ein Programm von Weltrang gestalten und droht im Fall einer Kürzung seiner Mittel immer mal wieder gerne mit Rücktritt. Kulturdezernent Georg Quander ist ein großer Opernfan und tut bislang alles, um seinen Intendanten glücklich zu machen.

Also macht man sich auf nach Schanghai, um glanzvolle Gastspiele zu geben. Man leistet sich mit Stockhausens „Licht“ was richtig schön Teures. Und man nimmt halt einen Kredit auf, wenn das Geld nicht mehr reicht für all diese Dinge auf Weltniveau. Wie dieser wieder zurückgezahlt werden soll, wenn es schon jetzt vorne und hinten an der Finanzausstattung für all den Luxus fehlt, weiß so recht niemand, und das ist skandalös. Mit Vernunft hat das alles nichts mehr zu tun, sondern eher mit persönlicher Profilierung und Repräsentationssucht.

Kölner Politiker haben in dieser Woche die Verwaltung gerügt – und zu dieser gehören neben Quander auch die Kämmerin und Oberbürgermeister Jürgen Roters. Diese Manager des Kölner Etats, so der Vorwurf, hätten den Vorschlag der Kreditaufnahme viel zu kurzfristig unterbreitet. Die Damen und Herren im Rat dürfen sich zurecht fühlen, als würde ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt. An der Oper scheint das Programm weniger nach Maßgabe von Planung und Voraussicht gemacht zu werden, sondern nach dem Motto: Gibst Du mir kein Geld, schließen wir eben die Tür. Das nämlich ist die Drohkulisse, die Laufenberg schon seit Monaten aufbaut: der Zusammenbruch des Spielplans wegen fehlender Mittel.

Man sollte sich allerdings klar machen, dass diese Drohung in erster Linie ein Offenbarungseid des Intendanten selbst sowie des Kulturdezernenten ist. Anscheinend sind sie nicht in der Lage, ihr Haus so zu führen, dass es nicht vom Einsturz bedroht ist. Insofern sind die derzeitigen Sanierungsarbeiten an Schauspiel und Oper regelrecht ein Sinnbild. In Köln liegt mehr im Argen als nur die Bausubstanz.

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