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Krimi-Autor: Jakob Arjouni gestorben

Der Schriftsteller Jakob Arjouni ist im Alter von 48 Jahren gestorben. Foto: dpa
Mit seinem deutsch-türkischen Detektiv Kemal Kayankaya hat Jakob Arjouni eine einmalige Gestalt in Deutschlands Krimi-Szene geschaffen. Bereits früh war der begabte Autor mit seinen Büchern vom Erfolg verwöhnt. Jetzt ist Arjouni im Alter von 48 Jahren in Berlin gestorben.
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Berlin/Zürich. 

Es ist eine Welt aus halbseidenen Hintermännern, mörderischen Drahtziehern und scharfen Frauen, die Jakob Arjounis literarischen Kosmos ausmachen. Sein hartgesottener Privatdetektiv Kemal Kayankaya schnüffelt in Frankfurts Milieu, und doch atmen die Geschichten die Luft von Hollywoods Klassikern der 30er und 40er Jahre.

Knallharte Dialoge, eine durchkomponierte Geschichte, Sex & Crime - in mehr als zwei Jahrzehnten wurde Arjouni einer der meistgelesenen Krimi-Autoren der Bundesrepublik. In der Nacht zum Donnerstag starb er mit 48 Jahren nach einem schweren Krebsleiden in Berlin.

Geschichten von Sehnsucht und Wut

Arjouni fiel schon in den 80er Jahren mit seinem Debüt „Happy birthday, Türke!“ in Deutschlands Krimiszene auf. Er scherte sich nicht um die Klischees des Genres, die bis dahin zuweilen mehr an die betuliche Agatha Christie als an den forschen US-Schriftsteller Dashiell Hammett und seine Figur Sam Spade erinnerten.

Dabei war Arjouni nicht unbedingt von der Erzähllust angetrieben. „Bücher fangen bei mir eigentlich nie mit einer Geschichte an, sondern mit einer Frage, einer Sehnsucht oder Wut“, sagte er 2011 in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Damals war gerade sein Roman „Cherryman jagt Mister White“ erschienen, eine Nachwende-Geschichte aus dem Brandenburgischen um einen Jungen, der sich mit einer Bande von Neonazis anlegt.

Er nannte den Roman sein bisher persönlichstes Buch und erinnerte sich damals an die Kinderjahre, als er mit seiner aus Belzig in Brandenburg stammenden Mutter von Frankfurt/Main aus in die DDR reiste. Er habe schon früh gelernt, dass die Idylle der Dörfer in Ost und West nur Fassade sei.

Konflikte der Multikulti-Gesellschaft

Mit 19 Jahren startete Arjouni seine ersten literarischen Versuche. Nach dem Abitur an der Odenwaldschule in Hessen zog er nach Südfrankreich und schlug sich als Kellner und Verkäufer durch. In Berlin hielt er es später nur fünf Monate an der Schauspielschule aus, an der Freien Universität Berlin blieb er nur etwas länger.

Arjouni hatte früh literarischen Erfolg. Da war er gerade Anfang 20, und auf der Frankfurter Buchmesse wurde sein Krimi „Happy birthday, Türke!“ hoch gehandelt. Mit Kemal Kayankaya hatte er eine Figur geschaffen, um die sich elegant die unterschwelligen Konflikte der Multikulti-Gesellschaft erzählen ließen, ohne dabei den literarischen Anspruch zu verlieren. Doris Dörrie verfilmte später das Buch.

Ein Deutsch-Türke ohne Türkischkenntnisse, ein Schnüffler und Miesepeter, der sich durch Frankfurts Rotlichtmilieu schlug wie seinerzeit Raymond Chandlers „Privat Eye“ Philip Marlowe durch Downtown Los Angeles - mit Kayankaya erweiterte Arjouni die Gestalten des deutschen Krimis um einen Underdog mit Migrationshintergrund. Fünf Bücher erschienen von der Detektivserie.

Die Rückkehr des Kemal Kayankaya

Viele dachten damals, auch Arjouni stamme nicht aus Deutschland. Dabei hatte er den Familiennamen Arjouni erst nach der Heirat mit seiner ersten Frau angenommen, die aus Marokko stammte.

Aufgeladene Stimmungen und brenzlige Situationen zeichneten Arjounis Geschichten aus. Immer wieder griff er in ihnen aber auch brisante politische und gesellschaftliche Themen wie Nationalismus und Rassismus auf, wie etwa in seinem Theaterstück „Nazim schiebt ab“. Es gebe aber einen Unterschied zwischen der realen und der literarischen Welt, sagte er in einem Interview. Wenn Frankfurt manchmal an L.A. erinnerte war das Arjouni wohl Recht.

Dann waren da noch Arjounis gebrochene Charaktere. Im Band „Ein Freund“ oder „Idioten. Fünf Märchen“ porträtierte er Figuren, die mit den eigenen Ansprüchen und den Erwartungen ihrer Umwelt kämpfen. In „Der heilige Eddy“ ließ er einen Kleinganoven durch das Berlin der Nachwendezeit zwischen Hauptstadt-Hype und Gosse wandeln. Im bürgerlichen Sittengemälde „Hausaufgaben“ ging ein Studiendirektor am Zerfall seiner bürgerlichen Familie zugrunde.

Und am Ende ließ Arjouni dann doch noch einmal Kemal Kayankaya aufleben. In „Bruder Kemal“, das im vergangenen Herbst erschien, kehrt der Detektiv nach mehreren Jahren Pause wieder ins Milieu zurück - als Radfahrer und Weintrinker. (dpa)

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