Kultur
Nachrichten und Berichte über Musik, Schauspiel, Literatur, Film und Kunst

Vorlesen
2 Kommentare

Kulturdezernent Georg Quander: „Den Karren in den Dreck gefahren“

Erstellt
Kulturdezernent Georg Quander Foto: Stefan Worring
Ende Mai 2013 läuft die Amtszeit von Kulturdezernent Georg Quander aus. Er selbst steht für eine Wiederwahl bereit. Einzig die Politik verweigert ihm ein einstimmiges Votum. Ein Interview.  Von
Drucken per Mail

Herr Quander, wie beurteilen Sie den politischen Streit um Ihre Wiederwahl als Kulturdezernent?

GEORG QUANDER: Durch die Entscheidung der CDU, mich wiederwählen zu wollen, ist eine völlig neue Situation entstanden. Rot-Grün muss nun Farbe bekennen. Es geht nicht mehr, dass man sich zurücklehnt und sagt, wir schauen mehr oder minder zu, wie die CDU den Quander zerlegt und dann sich selbst. Um dann womöglich mit Krokodilstränen zu sagen: Wir hätten ihn ja gewählt. Das funktioniert jetzt nicht mehr.

Womit rechnen Sie?

QUANDER: An der Grundsituation hat sich nichts geändert. Wenn ich als Reaktion aus den Fraktionen höre, dass die CDU umgefallen und nicht mehr verlässlich sei, dann heißt das doch auch, dass die Fraktionen, die das sagen, ihre Meinung gar nicht mehr ändern können. Denn das würde aus ihrer Sicht bedeuten, dass auch sie umgefallen wären. Gleichwohl meine ich, dass man in der Politik durchaus seine Meinung ändern kann.

Das klingt so, als sei alles gelaufen?

QUANDER: Wenn ich das nüchtern machtpolitisch bedenke, glaube ich, dass da kein Umdenken einsetzen wird.

„Es geht um machtstrategische Aspekte“

Geht es nur um Machtpolitik? Nicht auch um Inhalte?

QUANDER: Also, ich habe den Verdacht, dass es jedenfalls nicht um die Kultur geht. Bezeichnend ist allerdings, dass sich das kulturinteressierte Bürgertum und die Kulturschaffenden selbst eindeutig auf meine Seite geschlagen haben. Sogar der Personalrat hat sich für mich ausgesprochen, was ein sehr ungewöhnlicher Vorgang ist. Das waren alles sehr erfreuliche Signale. Die kommen vom Kulturnetz, also der Freien Szene, und auch vom Kulturrat. Aber ebenso von den städtischen Institutionen. Es heißt immer, ich habe keine politischen Truppen hinter mir, das ist richtig. Aber ich habe die Truppen dort, wo ich sie als Kulturdezernent brauche. Doch das spielt hier keine Rolle: Es geht mehr um machtstrategische Aspekte als um Inhalte.

Kritik kommt allerdings aus der Opernszene. Glauben Sie, den jüngst aufgebrochenen Konflikt mit Opern-Intendantin Birgit Meyer klären zu können?

QUANDER: Ja, davon gehe ich aus. Wir hatten ein konstruktives Gespräch, und ich glaube, dass wir das gelöst kriegen. Wir haben mit der Bühnenleitung insgesamt verabredet, einen regelmäßigen Jour fixe abzuhalten.

War also der Streit um die Landeszuschüsse nur ein Missverständnis?

QUANDER: Der Vorgang ist nicht 100-prozentig aufgeklärt. Ich für meinen Teil sehe es als ein Missverständnis an. Es kann aber auch so sein, dass ich mich gegenüber Frau Meyer – die ja in eine ganz neue Situation gekommen ist – nicht ganz klar ausgedrückt habe.

Hat Sie die öffentliche Debatte um Ihre Person verletzt?

QUANDER: Natürlich ist das der Preis, wenn man eine solche Position übernimmt. Der Kulturdezernent in Köln liegt da besonders prominent auf dem Tablett – fast noch mehr als der Oberbürgermeister. Andere Dezernenten-Kollegen haben es in dieser Beziehung recht bequem. Andererseits schaut auch mancher mit Neid darauf, wie stark mein Amt wahrgenommen wird. Also: Das ist der Preis. Ich bin auch ganz gut im Einstecken – aber das hat mich verletzt.

„Ich habe keine Lust zu arbeiten aufzuhören“

Man hat Ihnen nachgesagt, sich nach Wiesbaden beworben zu haben.

QUANDER: Eine Politik, die nur glaubt, was in der „Bild“-Zeitung steht, also – das finde ich schon ziemlich schwach. Das habe ich dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Sterck auch gesagt.

Sie wollen also nicht nach Wiesbaden oder nach Dresden?

QUANDER: Ich habe mich nirgendwo anders hin beworben, weil ich erst einmal hier die Situation abwarten wollte. Was Wiesbaden angeht: Da hat es Anfang des Jahres zwei informelle Gespräche mit der Staatskanzlei gegeben. Ich habe mir den Wirtschaftsplan schicken lassen und diesen studiert. Anschließend haben Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und ich in einem freundschaftlichen Telefonat beschlossen, diesen Plan nicht weiter zu verfolgen. Aber grundsätzlich gesagt: Man kann es mir doch vor diesem Hintergrund nicht verdenken, mich woanders umzugucken. Ich habe nämlich keine Lust, am 1. Juni 2013 zu arbeiten aufzuhören.

Wenn Sie für sich werben wollten: Warum sollten SPD, Grüne und FDP Sie wählen?

QUANDER: Ich war ja in allen Fraktionen und habe mich erklärt. Das erste: Ich fühle mich verantwortlich für die Kultur und die Kulturpolitik in dieser Stadt. Zweitens: Wir haben so viele große Projekte angeschoben, die alle in der Pipeline sind; es wäre sehr schwer für einen neuen Dezernenten, da überall einzusteigen. Drittens befürchte ich, dass es ansonsten ein Vakuum geben wird. Denn so schnell ist niemand zu finden, selbst wenn man noch im Dezember die Stelle ausschreibt. Und ich befürchte natürlich, dass das angesichts der Haushaltssituation dem ein oder anderen sehr gelegen käme. Weil man dann in der Kultur endlich die großen Schnitte anbringen kann, die ja mancher schon propagiert. Museumsschließungen, Zusammenlegungen, Kürzungen des Etats, Auflösung des Kulturamtes – all solche Dinge geistern durch die Köpfe. Dazu würde sehr gut ein Szenario passen, dass Köln keinen Kulturdezernenten hätte.

Mehr dazu

Das Etat-Problem würde aber auch bei einer Wiederwahl bestehen.

QUANDER: Das ist richtig. Aber dann wäre das noch größere Problem, wenn die Wiederwahl unter so kontroversen Diskussionen oder mit einem unzureichenden Vertrauensvorschuss zustande käme. Wenn ich die Aufgabe erfüllen soll, die ich erfüllen will, dann brauche ich ein starkes Mandat. Das deshalb, weil die Kultur im Haushalt relativ schwach dasteht – wenngleich nicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Mit dem Etat sind wir eine kleine Nummer. Da wird es ohne breites, überzeugtes Mandat für den Kulturdezernenten sehr schwierig. Deshalb hatte ich der CDU schon vorab gesagt: Wenn die Entscheidung für mich in einer Kampfabstimmung fällt, dann lasst es lieber. Chapeau, dass dieses einstimmige Votum herausgekommen ist.

Wenn Sie diesen kraftvollen Rückhalt brauchen, muss man doch angesichts der Debatte sagen: Daraus wird nichts. Sehen Sie das auch so?

QUANDER: Ich fürchte: ja. Der Karren ist nach meinem Eindruck so in den Dreck gefahren, dass einfach zu viel Dreck an den Rädern klebt, um ihn wieder flott zu bekommen.
Das klingt, als würden Sie sich auf den Abschied einstellen.

QUANDER: Ich sage nichts, was unrealistisch ist oder falsch. Warum soll ich jetzt meinen Mund halten und warten, bis das Fallbeil fällt.

Sie stehen aber weiterhin für eine Wiederwahl zur Verfügung?

QUANDER: Selbstverständlich.

„Alles wird auf dem öffentlich ausgetragen“

Sie sind dazu möglicherweise verpflichtet, weil sie ansonsten Pensionsansprüche verlören?

QUANDER: Beamtenrechtlich bin ich verpflichtet, mich für eine zweite Amtszeit zur Wahl zu stellen. Das ist in Nordrhein-Westfalen so geregelt. Ich betone aber noch einmal: Wenn kein starkes Mandat dahinter steht, kein Vertrauen, dann glaube ich nicht, dass ich das erfüllen kann, was man von mir erwartet. Das ist das Problem.

Sie sind menschlich enttäuscht, wie die Politik mit Ihnen umgeht?

QUANDER: Ich bin enttäuscht. Das können Sie ruhig schreiben. Vor allem darüber, wie das alles auf dem öffentlichen Marktplatz ausgetragen wird. Frau Bürgermeister von der SPD hat unlängst gesagt, ich sei beschädigt durch den ganzen Vorgang. Dem kann man nichts hinzufügen. Das ist so. Wobei sich die Verantwortung auf alle Schultern verteilt. Man kann nicht auf einen Einzelnen zeigen und sagen: Der war’s.

Auch interessant
lit.Cologne
Literatur

Hintergründe, Interviews und Rezensionen zur 14. lit.Cologne.

KulturSonntag Anmeldeformular
Ihre Veranstaltung eintragen
Kultursonntag_schauspielhaus

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ veranstaltet am 18. Mai 2014 den KulturSonntag. Kunst- und Kulturschaffende ihre Veranstaltung eintragen, mit der sie am KulturSonntag teilnehmen wollen. Hier geht's zum Anmeldeformular.

TV-Programm
Kino oder Film suchen
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:
Videos
Alle Filmkritiken auf einen Blick
FACEBOOK
Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!

Anzeige

Mercedes-Benz Niederlassung Köln Leverkusen informiert über neue Modelle und Serviceangebote.