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Kulturdezernent: Quander wird nicht wiedergewählt

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Keine zweite Amtszeit für Kulturdezernent Georg Quander Foto: Stefan Worring
Kulturdezernent Georg Quander wird keine zweite Amtszeit in Köln erhalten. Die Fraktionen von SPD, Grünen und FDP sprachen sich gegen die Vertragsverlängerung aus. Die CDU und die Freie Szene hatten zuvor für Kontinuität plädiert.  Von
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An die Weihnachtsfeier 2012 wird sich Kölns Kulturdezernent Georg Quander wohl noch lange erinnern. Am Mittwochabend saß er mit seinen Kollegen im "Consilium", während nebenan im Rathaus die Presseerklärungen versendet wurden: Die Fraktionen von SPD und FDP hatten sich einstimmig und die Fraktion der Grünen mit großer Mehrheit gegen eine Wiederwahl von Quander ausgesprochen. Dessen Amtszeit endet nun am 31. Mai 2013.

Börschel zur Quander-Absetzung

SPD-Fraktionschef Martin Börschel erklärte die Beweggründe seiner Fraktion: "Wir haben intensiv alle Facetten abgewogen. Am Ende waren wir uns einig, dass mehr für einen Neuanfang spricht als für eine Wiederwahl des amtierenden Kulturdezernenten." SPD-Kultursprecherin Eva Bürgermeister sagte, als sie gerade auf dem Weg in die Philharmonie war, um dort Schönbergs "Friede auf Erden" zu lauschen: "Die Amtszeit des Kulturdezernenten war durchwachsen. Wir wollen nun mit Hilfe eines Personalberatungsunternehmens einen geeigneten Nachfolger finden."

Die Grünen-Vorsitzende Barbara Moritz fasst ihre Fraktionssitzung so zusammen: "Ich sage ausdrücklich, dass auch Quanders Verdienste zur Sprache kamen. Der Hauptgrund für unsere Entscheidung ist, dass wir einen Neuanfang an der Spitze der Kulturverwaltung haben wollen."

Die FDP schloss sich an. Ihr Fraktionsvorsitzender Ralph Sterck meinte: "Wir haben den Mut zu einem Neuanfang und wollen diesen auch wagen." In einer Presseerklärung der FDP-Fraktion heißt es weiter, dass die Entscheidung nicht leicht gefallen sei, da sich Quander "große Verdienste um die Kölner Kultur erworben" habe. Allerdings habe man "in den letzten Jahren nachhaltige Impulse für die Kulturstadt" vermisst.

FDP-Kultursprecher Ulrich Wackerhagen meinte am Abend, dass er "so eine Entscheidung nicht jede Woche treffen" möchte. Ein Aspekt für die Entscheidung der Liberalen sei auch gewesen, dass man mit diesem Votum "die Chance zur Mitwirkung" bekommen habe: Die Fraktion habe bei den Beratungen mit SPD und Grünen darauf bestanden, "das Dezernat in seinem bisherigen Zuschnitt" zu erhalten und eine "zügige Neuberufung eines Kulturdezernenten und eines Kulturamtsleiters" sicherzustellen.

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Bei der CDU, die vor einer Woche einstimmig für die Wiederwahl gestimmt hatte, stieß die Entscheidung auf Unverständnis. Fraktionsvorsitzender Winrich Granitzka erinnerte an Quanders Aussage im Interview mit dieser Zeitung, wonach für die rot-grüne Ratsmehrheit machtstrategische Aspekte im Vordergrund stünden: "Es sieht leider so aus, als hätte er mit dieser Befürchtung recht behalten." Granitzka verwies auf die öffentliche Unterstützung für Quander. "Dass SPD, Grüne und FDP sich über diese Empfehlungen und die eindeutigen Voten der Freien Szene und des Kulturrats hinwegsetzen, zeigt, mit welcher Borniertheit und Ignoranz sie Kulturpolitik betreiben." Ihnen gehe es nicht um das Wohlergehen der Stadt, "sondern um eine Demonstration ihrer politischen Machtposition - armes Köln." CDU-Kultursprecher Ralph Elster ergänzte: "Damit machen sich die rot-grüne Ratsmehrheit und die FDP zum Totengräber der Kölner Kultur." Es wäre wichtig gewesen, mit Quander die Kontinuität zu sichern angesichts der Kölner Kulturbaustellen.

Quander selbst bekräftigte, nachdem ihm die Entscheidung zu Ohren gekommen war: "Die Kultur interessiert in diesem Zusammenhang keinen Hund!" Gewiss sei er "ein Stück weit enttäuscht", auch wenn er das Ergebnis erwartet habe. Jedenfalls könne er auf eine lange Liste von Erfolgen für die Kölner Kultur verweisen. Aber darüber entscheiden in der Politik Menschen' "die von Kultur nichts verstehen". Strategische Gesichtspunkte stünden im Vordergrund, meint er, und das sei frustrierend. "Ich persönlich kann ohne das Amt leben, aber es tut mir weh um das, was wir geleistet und aufgebaut haben.

Er wolle das verbleibende halbe Jahr gut zu Ende bringen, wenngleich er wisse, dass er nun eine "Lame Duck" sei und nicht mehr so viel wie bisher werde durchsetzen können. "Allerdings bin ich jetzt in der positiven Situation, nicht mehr zu allem meinen Mund halten zu müssen."

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