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Kunst mit dem Handy

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BILD: RAKOCZY
Martin Hesselmeier (zweiter von rechts) mit Alfred Neven DuMont (links), Oberbürgermeister Fritz Schramma und Karin Lingnau.

Es dürfte kaum ein anderes Ausstellungsstück auf der Art Cologne gegeben haben, vor dem so viel telefoniert wurde wie vor Martin Hesselmeiers „Saroskop“. Diese bewegliche Skulptur setzt sich aus Drähten zusammen, die bis zu 25 kleine Motoren verbinden - Modulen, wie der Künstler selbst sie nennt. Diese Module saugen förmlich auf, was an elektromagnetischer Strahlung durch die Gegend schwirrt - wie sie etwa entsteht, wenn man auf dem Handy eine Nummer wählt. Ein kritischer Beitrag zur gesundheitsschädlichen Strahlung von Mobiltelefonen ist das „Saroskop“ freilich nicht.

Sondern vielmehr ein origineller Beitrag zur Maschinenkunst, wie wir sie von den russischen Konstruktivisten der 20er Jahre, etwa den strengen, geometrischen Entwürfen El Lissitzkys kennen. Hesselmeier, der das „Saroskop“ gemeinsam mit Karin Lingnau realisierte, wurde für seine Arbeit nun belohnt: Auf der Art Cologne bekam er am Samstag den Spiridon-Neven-DuMont-Preis überreicht, den das Ehepaar Neven DuMont alljährlich im Gedenken an ihren früh verstorbenen Sohn Spiridon stiftet.

Der Preis unterstützt Studenten der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM), die, wie deren Prorektor Marcel Odenbach sagte, in einer kritischen Situation stecken: Ihr Studium haben sie weitgehend absolviert, so dass der schützende Mantel der Hochschule wegfällt und man die Stürme des freien Künstlerlebens zu erahnen beginnt. Die Auszeichnung wurde von den Stiftern sowie dem Vorsitzenden des Freundeskreises der KHM, Henrik Hanstein, im Beisein von Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma verliehen. In ihrer Laudatio auf den jungen Preisträger hob Heide Hagebölling, Professorin an der KHM und Jurorin des Preises, die Kerninteressen Hesselmeiers hervor: „Die Hinterfragung der Glaubwürdigkeit medial vermittelter Inhalte, das Verschwimmen der Grenzen zwischen Realität und Virtualität, die Verselbstständigung der Technologie.“ Tatsächlich scheint das „Saroskop“ ein Eigenleben zu führen. Ist es genug versorgt mit elektromagnetischen Strahlen, hat es sich gleichsam angeschlossen an den Strom einer unsichtbaren Energie, beginnt es, nervös zu rucken und mit den Drähten zu rasseln.

Hektisches Surren

Überhaupt ist dieses Gebilde mit vielen Talenten gesegnet. Es präsentiert sich als fragile optische Struktur, die mit ihren elektrischen Drähten und Zahnrädern im Inneren der Module durchaus an ein handwerkliches Produkt erinnert. Nicht umsonst war Hesselmeier vor seinem Studium an der KHM Kommunikationsdesigner, also ein Zeitgenosse, der an der Schnittstelle zwischen optischer Oberfläche und Gebrauchswert stand.

Darüberhinaus aber bietet das „Saroskop“ auch etwas für die Ohren, wenn es hektisch zu surren und zu klappern beginnt. Da immer Strahlung in der Luft ist, ist es immer in Bewegung - diese Tatsache und sein unablässiger Sound sorgen so gar für eine Hemmschwelle, sich davor zu stellen und es über die Tastatur des Handys weiter anzuheizen. Wer weiß denn, zu welchen Ausschlägen das „Saroskop“ fähig ist?

Eine weitere Arbeit Hesselmeiers auf der Art Cologne stellt seine besondere Beziehung zur Welt der Maschinen, der Roboter und der Technik unter Beweis. Auf einem Monitor sind die Rotationen eines Blechwerkzeugs zu sehen, das geradewegs der Fantasieküche von George Lucas' „Star Wars“ entsprungen zu sein scheint. Doch statt gegen Darth Vader zu kämpfen, zieht dieser R2D2 unablässig Linien auf den Untergrund und fotografiert sich selbst dabei - ein neben dem Monitor angebrachtes Bild zeigt eine solche Fotografie. Das ist im wahrsten Sinn des Wortes Kunst aus der robotischen Konserve.

In seiner Würdigung des Preisträgers lobte Alfred Neven DuMont, der Herausgeber des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die tiefgründige Beschäftigung Hesselmeiers mit unserer Realität. Sie demonstriere nicht zuletzt, wie qualitätsvoll die Ausbildung an der KHM sei. Tatsächlich hat Hesselmeiers und Lingnaus Installation bereits zahlreiche Einladungen in alle Welt erhalten - ein Seismograph für die Strahlung in unserer Atmosphäre, ein Anzeigegerät, das sich vom Unfasslichen antreiben lässt und zugleich ein wenig Angst davor macht.

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