26.07.2016
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Maischberger: WDR zahlte Honorar nach Quote

Quotenträchtiger Gast: Helmut Schmidt im Gespräch mit Sandra Maischberger.

Quotenträchtiger Gast: Helmut Schmidt im Gespräch mit Sandra Maischberger.

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dpa

Der WDR hat Sandra Maischberger für ihre Talkshow "Menschen bei Maischberger" ein quotenabhängiges Honorar gezahlt. Diese Nachricht sorgt zurzeit beim WDR für Aufregung. Unterhaltungschef Siegmund Grewenig bestätigte die Honorierung am Montagnachmittag in der Redakteursversammlung des Senders auf Nachfrage einer Redakteurin: Das Honorar für ihre Talkshow sei bis vor kurzem quotenabhängig gewesen. Diese Regelung sei allerdings Anfang des Jahres geändert worden, sagte Grewenig. Doch viele Mitarbeiter der größten ARD-Anstalt wundern sich, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender überhaupt zu einer solchen Entscheidung kommt.

Passage erst vor kurzem geändert

Die Passage im Vertrag kann erst vor kurzem geändert worden sein. Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" liegt eine Mail aus der Fernsehdirektion des WDR vom 22. Oktober des vergangenen Jahres vor, in der es heißt: "Auf unseren Abnahmeformularen haben wir bislang stets die Einschaltquoten notiert, weil das Moderationshonorar Sandra Maischbergers quotenabhängig ist (siehe Vertrag)." Interessant ist auch, dass nur der Vertrag mit Sandra Maischberger einen solchen Zusatz enthielt, nicht aber der Vertrag mit der Firma Vincent TV. Der WDR zahlt der externen Produktionsfirma, deren Geschäftsführerin Sandra Maischberger ist, für 72 Folgen von "Menschen bei Maischberger" in den Jahren 2012 und 2013 insgesamt brutto rund 4,5 Millionen Euro. Maischbergers Honorar wird in einem separaten Vertrag geregelt.

Konflikt schwelt schon länger

Die Tatsache, dass die Einschaltquote eine solche Rolle für die Honorierung spielte, ist auch vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass die Redakteursvertretung (RV) des Senders seit Monaten mit der Geschäftsführung über einen Programmkonflikt rund um die Talkshow streitet. Hintergrund ist die Frage, wie viel Einfluss der zuständige WDR-Redakteur auf die Gestaltung der Sendung hat. Konkreter Auslöser des Streits war die Frage, ob die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt in eine "Menschen bei Maischberger"-Sendung zum Thema Diäten eingeladen werden sollte. Der zuständige WDR-Redakteur wollte sie ausladen, da er fürchtete, dass ihr Werbevertrag mit der Diätfirma "Weight Watchers" ein schlechtes Licht auf die Sendung werfen könnte. Unterhaltungschef Grewenig und die Produktionsfirma sprachen sich für den Verbleib des Sportstars auf der Gästeliste aus. Die Produktionsfirma schrieb zur Begründung: "Wir brauchen Spitzenprominenz mit zutiefst menschlichen Problemen." Nun fragen sich viele im WDR, ob bei der Wahl der Gäste in erster Linie auf die Quote geschaut wurde.

Rücktritte in der Redakteursvertretung

Die RV hatte schließlich den Schlichtungsausschuss wegen des Konflikts angerufen. Justiziarin Eva-Maria Michel hatte dem Gremium jedoch mitgeteilt, es könne diesen Ausschuss, der eine Art letzter Instanz bei hausinternen Konflikten darstellt, nicht anrufen, da er nicht ausreichend besetzt sei.

Aber auch die nur noch aus drei Mitgliedern bestehende RV ist laut Gutachten der Kölner Kanzlei "Wilde Beuger Solmecke" nicht voll geschäftsfähig. Hauptkritikpunkt der Redakteursvertretung war, dass die Geschäftsleitung ihr zwar zugesteht, die Neuwahlen zu organisieren, gleichzeitig aber in der Frage des Programmkonflikts davon spricht, dass das Gremium nicht geschäftsfähig sei.

Nach der außerordentlichen Redakteursversammlung am Montag sind nun auch die restlichen drei Mitglieder der RV zurückgetreten. "Wegen des anhaltend undemokratischen Verhaltens der Geschäftsleitung übergeben wir die restliche Organisation der Neuwahlen konsequenterweise an die Intendanz", heißt es zur Begründung in einer Rundmail an die Kollegen. "Wir hoffen auf einen Neuanfang der Redakteursvertretung mit Kolleginnen und Kollegen, die auf der Seite der Basis stehen, auf der Seite ihrer Kollegen eben - und nicht auf der Seite der Geschäftsleitung. Und die den Mut haben, diese Position deutlich zu vertreten." Die Wahl der neuen Redakteursvertretung soll am 16. April stattfinden. Der WDR sah sich am Dienstag nicht in der Lage, eine Stellungnahme zu den Vorgängen abzugeben.