Kultur
Nachrichten und Berichte über Musik, Schauspiel, Literatur, Film und Kunst

Vorlesen
0 Kommentare

Man Ray: Zum Kunstolymp über die Hintertreppe

Erstellt
Man Ray und Renate Gruber Foto: Museum Ludwig
Der amerikanische Surrealist Man Ray ist eigentlich kein begabter Künstler, wurde mit seinen Fotos aber trotzdem weltberühmt. Das Museum feiert die Freundschaft zwischen ihm und L. Fritz Gruber nun mit einer Ausstellung.  Von
Drucken per Mail

Eines der hartnäckigsten Missverständnisse über die Kunst lautet, diese käme von Können. Dagegen spricht schon, dass verschiedene Kulturen und Epochen ebenso verschiedene Ansprüche an ihre Könner stellten, aber vor allem, dass gerade diejenigen, die nicht mit übermäßigem Geschick gesegnet sind, sich etwas Besonderes einfallen lassen müssen, um aufzufallen.

Zur Ausstellung

Man Ray (1890–1876) gehörte zu den Gründern der New Yorker Dada-Sektion, bevor er 1921 zum Kreis der Pariser Surrealisten stieß. Er verankerte die Fotografie in der Avantgarde und porträtierte zahlreiche Helden der Moderne. Nach der zwischenzeitlichen Rückkehr in die USA starb er 1976 in seiner Wahlheimat Paris.

Die Ausstellung wird an diesem Donnerstag zwischen 14 und 18 Uhr eröffnet, um 19 Uhr folgt ein Vortrag von Herbert Molderings zum Thema „Man Ray und der Surrealismus“. Man Ray – L. Fritz Gruber Archiv. Museum Ludwig am Dom, Di.–So. 10–18 Uhr, bis 5. Mai 2013.

Ein Paradebeispiel, wie man den Kunstolymp über die Hintertreppe erreicht, ist der amerikanische Surrealist Man Ray (1890–1976). An der akademischen New Yorker Kunstschule für Design rieten ihm die Lehrer, sein Glück anderswo zu suchen; er fand es im spielerischen Dilettantismus der Moderne. Man Ray malte und zeichnete drauflos, als gäbe es kein Morgen, gründete die New Yorker Dada-Sektion mit und griff zu Spritzpistole und Schablone, um Fotopapier mit Farbe und Chemikalien zu beschießen. Auf diese Aerographien folgten ab 1919 die Fotos ohne Kamera: Man Ray legte Gegenstände direkt auf lichtempfindliches Papier und taufte diese Form der abstrakten Fotomalerei Rayographie.

Experimente in der Dunkelkammer

Seine Experimente in der Dunkelkammer waren auch Man Rays Eintrittskarte nach Paris. In den 20er Jahren bildetet er hier einen Fixstern im Künstlerkosmos des Montmartre, porträtierte die Heroen und Nebenfiguren der Epoche und verankerte die Fotografie fest im Kanon der Avantgarde. Allerdings sah sich Man Ray selbst als Künstler, der durch alle Gattungen und Gassen tobt. Als das legendäre Kölner Sammlerpaar Renate und L. Fritz Gruber ihn in den 50er Jahren in Paris besuchte, musste es ihn erst sanft davon überzeugen, dass vor allem sein fotografisches Werk die Zeiten überdauern wird.

Seit Jahrzehnten gehören die Früchte dieser Überzeugungskunst zum Grundstock der Fotografischen Sammlungen des Museums Ludwig. L. Fritz Gruber (1908–2005) stiftete dem Museum vielzitierte Meisterwerke wie die „Glastränen“ unter künstlichen Wimpern und die „Violin d’Ingres“, den berühmten Damenrücken mit den F-Löchern einer Violine. Diese Man Rays aus dem Bestand bilden gemeinsam mit Herbert Molderings Aufnahmen von Man Rays Pariser Atelier das Entree zweier unspektakulär-spektakulärer Neuerwerbung des Museums Ludwig aus dem Gruber-Archiv: 50 Repro-Kontaktabzüge mit Porträts, auf deren Rückseiten Man Ray die kommentierten Sympathiewerte für die Porträtierten auf einer Skala von 0 bis 20 festgehalten hat; und 37 Kontaktabzüge von Rayographie-Negativen.

Die zuletzt genannte Neuerwerbung ist wegen ihres Kleinformats vor allem für Kenner und Sammler interessant; die Kontaktabzüge kommen dem fotografischen Original am nächsten, was bei Man Ray, der sich als Schöpfer einmaliger und unwiederholbarer Werke verstand, bedeutender ist als bei anderen Fotografen. Daneben strahlt die Porträtreihe in allen Regenbogenfarben der Klatsch- und Lästerlust. Über die Sitzung mit der Gräfin Casati, deren Bildnis von 1928 heute zu Man Rays berühmtesten gehört, notierte er: „Technisch ein Fehlschlag, aber der Abgebildeten gefällt es.“ In der Summe ergibt das einen Sympathiewert von 2/20 Punkten.
Mit der Man-Ray-Ausstellung hinterlässt Bodo von Dewitz, der im März aus dem Amt scheidende Leiter der Fotografischen Sammlungen im Museum Ludwig, einen klaren Auftrag: Dass die bestehende Sammlung weiterhin ergänzt wird und die wissenschaftliche Arbeit im Haus nicht hintansteht. Man sieht dieses Credo auch in der Man-Ray-Ausstellung, in der die Archivalien des L. Fritz Gruber-Archivs schon deswegen ins rechte Licht gerückt werden, weil sie helfen, die Arbeiten auch mit scheinbar Nebensächlichem zum Sprechen zu bringen. So weiß man aus Aufzeichnungen, dass das geisterhafte Casati-Porträt weniger Man Rays Experimentierlust entstieg als schlechten Lichtverhältnissen und einer zappeligen Dame. Offenbar fühlt sich der kreative Zufall in der Nähe des Dilettanten besonders wohl.

Auch interessant
lit.Cologne
Literatur

Hintergründe, Interviews und Rezensionen zur 14. lit.Cologne.

KulturSonntag Anmeldeformular
Ihre Veranstaltung eintragen
Kultursonntag_schauspielhaus

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ veranstaltet am 18. Mai 2014 den KulturSonntag. Kunst- und Kulturschaffende ihre Veranstaltung eintragen, mit der sie am KulturSonntag teilnehmen wollen. Hier geht's zum Anmeldeformular.

TV-Programm
Kino oder Film suchen
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:
Videos
Alle Filmkritiken auf einen Blick
FACEBOOK
Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!

Anzeige

Mercedes-Benz Niederlassung Köln Leverkusen informiert über neue Modelle und Serviceangebote.