26.07.2016
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Museen im Rheinland: Drei Ausstellung zum 100. Geburtstag von Hann Trier

Detailansicht von Hann Triers Deckeninstallation „Wolke“ im Historischen Rathaus Köln

Detailansicht von Hann Triers Deckeninstallation „Wolke“ im Historischen Rathaus Köln

Foto:

Stefan Worring, dpa

Bonn -

Möglicherweise wäre nicht jede Ehefrau erfreut, wenn der Gatte ihr bestes Kleid mit Farbe und Pinsel verschönern würde, sich für festliche Anlässe eine dazu passende Krawatte malte und sich schließlich an Decken und Wänden des gemeinsamen Haushaltes verewigte. Da es Renate Mayntz Trier aber immerhin 40 Jahre mit ihrem Gatten aushielt, nehmen wir an, dass es ihr ganz recht war. Zumal Hann Trier (1915-1999) daheim nur tat, wozu er ins Charlottenburger Schloss oder ins Historische Rathaus zu Köln geladen wurde: Um die Pinsel mit beiden Händen tanzen zu lassen und die lichten Farben des Barock in abstrakte Wolken zu verwandeln.

„Er musste immer malen“

„Er musste immer malen“, erinnert sich Renate Mayntz Trier jetzt im Landesmuseum Bonn an ihren 1999 verstorben Ehemann. Sie steht in einer Ausstellung, die Hann Triers aufgelöstes Atelier in Mechernich mit Fototapeten und erhaltenen Malutensilien nachstellt und neben dem privaten auch den „unbekannten“ Trier vorführt. Also den Schöpfer von Kleidern und Gardinenstoffen, dem Werber für eine sprudelnde Eifel-Quelle und den Künstler, der als Mitglied der „Informellen“ zwar streng genommen stets aus dem Bauch heraus gemalt haben müsste, aber seine großformatigen Deckengemälde in Wirklichkeit auf das Genaueste plante.

Das sieht man etwa einem Entwurf der im Historischen Kölner Rathaus aufgehängten „Wolke“ an, oder der erstaunlich detaillierten Skizze zum Wandgemälde für das 1986 eröffnete Kölner Doppelmuseum Ludwig und Wallraf-Richartz.

Nach Köln, die Stadt seiner Jugend, zog es Trier, der 1915 in Kaiserswerth geboren wurde und lange ein Atelier in der Toskana unterhielt, regelmäßig zurück. Seine erste Ausstellung hatte er 1949 mit 34 Jahren in der Kölner Galerie Der Spiegel, damals noch mit Werken, die das Nachholbedürfnis der deutschen Künstler nach zwölf Jahren Nazi-Barbarei überdeutlich zeigten.

Erst allmählich fand die Nachkriegsgeneration um Emil Schumacher, Karl Otto Götz und eben Trier zu einem jeweils eigenen Stil, der das Spektrum der abstrakten Malerei in verblüffender Manier bereicherte. Die Trier’sche kam dabei aus einer besonderen Begabung: Er war mit beiden Händen gleichermaßen geschickt und konnte die Linke mit der Rechten miteinander wetteifern lassen. So legte er ein Geflecht aus Gesten und Schrittfolgen über den wie von der Farbe bewegten Hintergrund der Leinwand.

Liebe zum südländischen Barock

Die zweite Besonderheit des Trier’schen Werkes leitet sich aus seiner Liebe zum südländischen Barock ab. Dass Trier an keiner Kirche vorübergehen konnte, sieht man in Bonn gerade den abgerundeten Entwürfen für die riesigen Deckengewölbe an. Obwohl eher zart gebaut und zudem asthmatisch, stürzte er sich dankbar in die Arbeit, wann immer ein öffentlicher Auftrag ihm die Gelegenheit gab, das Erbe der Überkopf-Malerei mit modernen Mitteln anzutreten. „Das Rechteckige“, so Mayntz Trier, „war ihm zu eng. Man muss darüber hinaus, sagte er immer.“

Über das Rechteckige hinaus ging Hann Trier gerade auch in seiner Kölner Rathaus-Wolke, dem frei hängenden, 1980 installierten und von Trier rundum bemalten Baldachin. Es ist ein „Gemälde“, das aus jeder Perspektive stets ein anderes Bild abgibt.

Am 1. August 2015 wäre Hann Trier 100 Jahre alt geworden, weshalb ihm jetzt gleich drei Museen aus dem Rheinland gemeinsam feiern. Nach dem Auftakt im Landesmuseum Bonn folgt das Museum Ratingen ab 31. Juli mit einer Ausstellung zum frühen Trier; beide Museen teilen sich sogar einen Katalog (20 Euro). Am 18. September folgt schließlich das Kölner Käthe Kollwitz Museum mit einer Schau der Aquarelle und Zeichnungen aus den 50er und 60er Jahren.

Es gibt also keine große Retrospektive, wie man sie etwa jüngst zum 100. Geburtstag von Karl Otto Götz sehen konnte. Aber vielleicht muss es gar nicht die große kunsthistorische Geste sein bei einem Maler, der auch im Privaten und Kleinen so manches schuf, was sich zu entdecken lohnt.