25.08.2016
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Museumsinsel: Pergamonmuseum wird umgebaut

Die Göttin Athena im Kampf gegen den Giganten Alkyoneus, Ostfries des Pergamonaltars, 180–160 v. Chr.

Die Göttin Athena im Kampf gegen den Giganten Alkyoneus, Ostfries des Pergamonaltars, 180–160 v. Chr.

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Staatliche Museen zu Berlin

Seit 1810 die königliche Order erging, auf der nördlichen Spreeinsel in Berlin „eine öffentliche, gut gewählte Kunstsammlung“ zu errichten, haben sich Kunsthistoriker mit preußischem Eifer in die tollkühnsten Fantasien gestürzt. Nicht weniger als ein aus mehreren Sammlungen zusammengesetztes Universalmuseum sollte entstehen, größer und bedeutender als der Pariser Louvre, und die Geschichte der Kunst von der Antike bis zur Gegenwart abbilden. Auf der Museumsinsel, so der Traum, flanieren die Besucher durch 4000 Jahre europäische Geschichte und kehren erschöpft und zugleich im Innersten erhoben aus dieser Galerie der Jahrhunderte zurück.

Zum Jahreswechsel wird wieder an diesem Traum gearbeitet. Am zweiten Weihnachtstag sind die ersten Baumaschinen angerückt, um den auf 13 Jahre angelegten Umbau des Berliner Pergamonmuseums in Angriff zu nehmen. Das Mammutprojekt ist ein Kernstück im nach der Wiedervereinigung entwickelten Masterplan Museumsinsel und soll rund 385 Millionen Euro kosten. Außer der grundlegenden Sanierung des Altbaus steht die vom Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers entworfene Erweiterung des Museums auf dem Programm. Dessen drei Flügel werden durch einen vierten ergänzt, so dass erstmals ein Rundgang durch das komplette Museum möglich ist.

Unter den fünf Häusern der Museumsinsel zieht das Pergamonmuseum mit seinen Sammlungen antiker, islamischer und vorderasiatischer Kunst die meisten Touristen an. Allein 2012 wollten 1,3 Millionen Besucher den Pergamonaltar und die Prozessionsstraße von Babylon sehen, um nur einige Glanzstücke der archäologischen Rekonstruktionen zu nennen. Da die Schließung des gesamten Museums vermieden werden soll, wandern die Bauarbeiten abschnittsweise durchs Haus. Der Pergamon-Saal mit seinen berühmten Reliefs wird nach derzeitiger Planung ab 2014 für zwei bis drei Jahre geschlossen.

Seit 1999 gehört die Museumsinsel mit ihrem Ensemble eigenständiger Museen zum Weltkulturerbe der Unesco und ist doch eine große Baustelle. Als sechstes Gebäude der Museumsinsel wird demnächst das von Stararchitekt David Chipperfield entworfene zentrale Eingangsgebäude, die James-Simon-Galerie, entstehen; den vorläufigen Schlusspunkt der Bauarbeiten könnte die Erweiterung des Bode-Museums bilden, mit der Raum für die derzeit im wenig repräsentativen Kulturforum untergebrachte Gemäldegalerie geschaffen werden soll. Gegen beide Projekte formierte und formiert sich starke Opposition, was bei derart ehrgeizigen Plänen und solch einzigartigen Kulturschätzen wohl gar nicht anders sein kann und soll.

Auch wenn wir die preußischen Träume von nationaler Größe heute deutlich nüchterner sehen: Ihr Erbe beflügelt weiterhin die Fantasien – und den Streit.


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