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Navid Kermani: „Vieles geht an Köln vorbei“

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Navid Kermani will mehr Internationalität in Köln. Foto: stefan worring
Am Samstag wird in der Kölner Comedia die „Akademie der Künste der Welt“ eröffnet. Navid Kermani, der die Akademie mit entwickelt hat, erzählt im Interview über die Anfänge des Projekts und seine Hoffnungen für die Kölner Kunstwelt.  Von
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Herr Kermani, am Samstag wird die „Akademie der Künste der Welt“ in Köln offiziell eröffnet. Erinnern Sie sich, wie alles anfing?

Navid Kermani: Am Anfang gab es die Idee, in Köln eine Dependance vom „Haus der Kulturen der Welt“ in Berlin zu gründen. Ich hatte mit Intendant Bernd Scherer überlegt, dass es sinnvoll wäre, die Programme, die aus aller Welt nach Berlin geholt werden, auch in Köln anzubieten. Als wir Kölns Oberbürgermeister Schramma die Idee unterbreiteten, reagierte er sehr positiv. Aber in den weiteren Gesprächen im Rat kam schnell der Wunsch auf, für Köln etwas Eigenständiges zu entwickeln.

Wie beurteilen Sie die Kölner Entscheidung für einen eigenen Weg?

Kermani: Ich fand die Entscheidung gut. Und gut war auch die Gründung des Initiativkreises ...

...dem Sie angehörten ...

Kermani: ... und in dem vor allem Kölner Kulturschaffende vertreten waren. Der sollte ein Konzept entwickeln, um Weltkunst nach Köln zu bringen. Dabei kam man auf die Idee, nicht ein großes Haus wie in Berlin zu bauen, also nicht in Mauern zu investieren, sondern in Menschen und Flugtickets – deshalb der Gedanke einer Akademie, also einer Art Künstlerrepublik, die in die bestehenden Kölner Institutionen hineinwirkt.

Wie ist der Prozess verlaufen?

Kermani: Es gab anfangs durchaus Vorbehalte, nicht zuletzt in der freien Szene, wo mancher meinte, ihm würde etwas genommen. Aber es ging ja nicht darum, jemanden Geld wegzunehmen, sondern für neues Geld aus neuen Töpfen zu sorgen. Dann entwickelte sich der vom verstorbenen Jürgen Nordt sehr gut moderierte Prozess, in den alle eingebunden waren, die sich dafür interessierten. Das war sehr transparent und geradezu vorbildhaft. Ich kann mich nicht erinnern, dass in Köln ein kulturelles Vorhaben jemals so breit und intensiv diskutiert worden ist. Ich vermute sogar, dass das auch mit Blick auf andere Großstädte durchaus beispiellos war.

Sie selbst stehen jetzt aber nicht mehr in der ersten Reihe?

Kermani: Nein, ich bin sogar ganz raus – weder vertrete ich die Akademie, noch wirke ich überhaupt mit. Wir haben immer erklärt, also auch Manos Tsangaris und alle anderen aus dem Initiativkreis, dass wir die Akademie nicht für uns selbst vorschlagen, dass das nicht unser eigenes Projekt ist, sondern lediglich eine Idee, die wir zur Diskussion stellen – das hat seinerzeit in den Gesprächen mit Künstlern und Institutionen der Stadt viele Vorbehalte aus dem Weg geräumt und Vertrauen geschaffen, weil klar war, dass wir sozusagen keine eigenen Aktien im Spiel haben. Es hat auch dafür gesorgt, dass wir immer unabhängig von der Stadtverwaltung agieren konnten. Insofern ist es auch richtig, dass jetzt andere die Akademie vertreten und ihre eigenen Ideen entwickeln.

Akademie der Künste
Navid Kermani

Die Akademie der Künste der Welt wird am 27. Oktober in Köln in der Comedia (Vondelstraße 4–8) eröffnet. Beginn: 13 Uhr, Ansprachen: 18.30 Uhr.

Navid Kermani, 1967 in Siegen geboren, lebt als Schriftsteller und Orientalist in Köln. Zuletzt erschien sein großer Roman „Dein Name“.

Braucht Köln die Akademie?

Kermani: Köln ist geprägt durch eine soziale Vielfalt, die enorm ist. Es ist ein Ort, der immer noch Menschen aus aller Welt anzieht. Aber das bildet sich noch nicht ausreichend in der Kulturszene ab – vielleicht etwas stärker in der freien als in der städtischen Szene. Natürlich, wenn man sich die Philharmonie oder das Museum Ludwig anschaut, ist die Bereitschaft unübersehbar, internationale Spitzenkunst anzubieten. Aber aufs Ganze gesehen: Für eine Millionenstadt ist das Kulturleben nicht international genug angelegt. Die Akademie soll das ändern. Das darf auch mal was Elitäres sein, die Akademie soll ja gerade die Vorstellung von „Hochkultur“ verändern und mit anderen Inhalten füllen. Hinzu kommt, dass viele globale Diskurse an Köln vorbeigehen. Bei diesem Thema muss ich übrigens immer an die Hochschule denken: Wir haben eine der größten Universitäten in Deutschland, und die ist im Stadtleben einfach nicht präsent.

Woran liegt das?

Kermani: Ich weiß es nicht. Aber ich kenne keine Universität, die so wenig in ihre jeweilige Stadt hineinwirkt wie die Kölner. Das ist ein Riesenverlust. Ich lebe gerne in Köln – aber den intellektuellen Austausch mit Kollegen finde ich eher in anderen Städten.

Sehen Sie in der Akademie auch ein kulturpolitisches Zeichen?

Kermani: Sicher. Es ist doch für eine historisch und künstlerisch ja eigentlich so reiche Stadt wichtig, dass nicht immer nur von Kürzungen im Kulturbereich die Rede ist, sondern auch von einem Aufbruch – dass die Kultur auch mal wieder etwas dazugewinnt. Dafür steht die Akademie. Die passt zu Köln.

Wie steht die Akademie jetzt da?

Kermani: Ich habe mir vorgenommen, den Prozess fürs Erste nicht zu kommentieren, sonst bin ich als einer der Urheber dieses Projekts natürlich schnell in der Rolle des Opas aus der Muppet-Show, der alles besser weiß. Aber was ich sagen kann: Ich finde die Auswahl der Akademie-Mitglieder, an der ich nicht beteiligt war, gut und interessant.

Bedauern Sie, dass es keinen festen Ort für die Akademie gibt?

Kermani: Der ist fest eingeplant, glaube ich. Das muss nichts Repräsentatives sein, sondern kann auch in einer Büroetage stattfinden. Wichtig wäre nur, dass auch ein Raum für Konferenzen und kleinere Veranstaltungen angegliedert ist – natürlich soll die Akademie hauptsächlich in die bestehenden Institutionen hineinwirken, aber sie braucht schon einen eigenen Ort. Das ist im Konzept auch ganz klar vorgesehen.

Fehlt sonst noch etwas?

Kermani: Ich wünschte mir, dass möglichst bald ein Präsidium mit einem Gründungspräsidenten oder einer -präsidentin gewählt würde, damit die Akademie ihrem eigenen Anspruch gerecht und nach innen wie außen von den Künstlern selbst vertreten wird. Aber damit mische ich mich jetzt vielleicht schon zu viel ein.

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