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Opern Köln/Bonn: „Das Ganze ist ein Missverständnis“

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Foto: Peter Rakoczy
Eine Fusion der Opern Köln und Bonn soll geprüft werden — aber wie? Während es eine Posse um die benannten Prüfer gibt, bemüht sich OB Roters um Schadensbegrenzung. Sein Bonner Amtskollege hat noch größere Probleme.  Von
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Köln/Bonn

Von den drei Experten, die die Kölner und Bonner Oberbürgermeister, Jürgen Roters und Jürgen Nimptsch (beide SPD) zur Prüfung einer Köln-Bonner Opernfusion benannten, steht tatsächlich nur einer zur Verfügung – der frühere Kölner Opernintendant Michael Hampe. Die beiden anderen zeigten sich am Donnerstag von ihrer „Ernennung“ überrascht und reagierten ablehnend.

Louwrens Langevoort, Intendant der Kölner Philharmonie, sagte dieser Zeitung: „Mich hat man vor langer Zeit einmal angesprochen, ob ich für ein Gespräch über mögliche Synergieeffekte zur Verfügung stünde. Dann habe ich aber nichts mehr davon gehört. Für das, was jetzt in Rede steht, bin ich allerdings nicht zu haben: Ich bin nicht derjenige, der zwei Opernhäuser zusammenlegt.“ Wenn der Deutsche Bühnenverein feststelle, die von der Stadt benannten Experten seien unerfahren in Sachen Theaterfusion, dann sei das richtig: „Ich habe von Theater-Fusionen keine Ahnung.“ Auch aus diesem Grunde stehe er für so ein Gremium nicht zur Verfügung.

Generell beklagte Langevoort heftig das herrschende „Tohuwabohu“: „Das schädigt den Ruf der Stadt, und das in einer Zeit, wo wir gerade Vertrauen für sie schaffen müssen.“ Schließlich suche man nicht nur einen Nachfolger für den Posten des Kulturdezernenten (den er selbst nicht anstrebe), sondern auch einen neuen Generalmusikdirektor – „und Weltstadtdirigenten gibt es nicht zuhauf“.

Ähnlich äußerte sich der Düsseldorfer Rheinopern-Direktor Stephen Harrison. In einem Brief an Roters und Nimptsch, der dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, teilt Harrison mit, er habe von seinem „Engagement“ „mit größter Befremdung“ aus der Presse erfahren und sei vorher weder von Kölner noch von Bonner Seite gefragt worden. Es habe lediglich ein Telefonat mit Hampe gegeben, in dem es um einen „Erfahrungsaustausch“, nicht aber um seine formelle Mitwirkung in einer Expertengruppe gegangen sei. Dafür stehe er nicht zur Verfügung.

Hampe, der als Leiter der Expertengruppe ausersehen war, reagierte auf Anfrage von seinem Wohnort Zürich aus auf die neue Entwicklung mit dem Satz: „Dann stehe ich ja jetzt allein da.“ Tatsächlich gehe die Idee für die Fachleutekommission auf ihn zurück; er habe auch Langevoort und Harrison ins Gespräch gebracht. Seine Idee sei gewesen, einmal gemeinsam „am Modell einer Spielzeit“ auszurechnen, wie ein fusionierter Köln-Bonner Opernbetrieb praktisch zu machen sei.

Oberbürgermeister Jürgen Roters war am Donnerstag um Schadensbegrenzung bemüht. Er räumt ein, dass der Prüfauftrag „ungeschickt kommuniziert“ worden sei. Tatsächlich gehe es nicht um eine „Machbarkeitsstudie“ – von einer solchen hatte indes sein Bonner Kollege am Mittwoch gesprochen –, sondern um „erste Vorüberlegungen“ und ein „Datengerüst“. Die ganze Angelegenheit, die von Bonn aus initiiert worden und für Köln „nicht so vordringlich“ sei, sei insofern ein „Missverständnis“: „Jetzt hat das ganze einen solchen Drall, als sei das schon als Machbarkeitsstudie festgeklopft. Aber das ist von meiner Seite aus überhaupt nicht so vorgesehen. Mit dieser Datengrundlage hätte man in die Diskussion mit der Politik eintreten können.“ Dass zwei der drei Experten, die in einer Pressemitteilung der Stadt Köln genannt werden, an einer Fusions-Prüfung nicht mitwirken wollen, erstaunt auch Roters. Er schreibt dieses Missverständnis Hampe zu.

Bonns OB Jürgen Nimptsch
Bonns OB Jürgen Nimptsch
Foto: stefan worring

Nimptsch zurückgepfiffen

Nimptsch betonte am Donnerstag, mit allen Beteiligten sei im Vorfeld gesprochen worden. Indes sei bei der Wahl der Begriffe eine „Unschärfe“ aufgetreten: Es gehe nicht um eine „Machbarkeitsstudie“, sondern um eine „Vorabuntersuchung“. Am Abend wurde Nimptsch dann von der Bonner Politik zurückgepfiffen: Die Ratsmehrheit forderte Nimptsch nach einem Bericht des Bonner „General-Anzeigers“ auf, seine Unterschrift unter dem Prüfauftrag zurückzunehmen.

Die FDP hat für die Kölner Ratssitzung am Dienstag eine Aktuelle Stunde beantragt, in der, so FDP-Fraktionschef Ralph Sterck, „das verunglückte Verfahren“ ohne Einbeziehung des Rates und der Gremien nachbereitet werden soll. Sterck: „Hier wird einfaches politisches Management nicht beherrscht.“ Inhaltlich wolle man die Fusionsprüfung nicht ablehnen. Aber: „Der Opernstandort Köln darf nicht geschwächt werden.“

CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka spricht „von einem Schnellschuss, der mit niemandem abgesprochen war und nun viele Menschen verunsichert, die da arbeiten.“ Die CDU habe „nichts dagegen, dass nach Synergien gesucht wird“. Das sei aber etwas anderes, als gleich „eine mögliche Fusion zu verkünden“.

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SPD-Kultursprecherin Eva Bürgermeister betonte, dass das Recht zu der jetzt von vielen Seiten kritisierten Initiative dem Oberbürgermeister zustehe: „Allerdings erwarte ich, dass der Betriebsausschuss Bühnen, der dann ja auch entscheiden muss, über den Fortgang der Dinge genau informiert wird.“ In der Sache sei es richtig, das „wichtige, sensible und schwierige Thema“ endlich einmal von externen Fachleuten untersuchen zu lassen: „Die Fakten müssen auf den Tisch.“

Ralph Elster, CDU-Kultursprecher, beklagt „eine stümperhafte Vorgehensweise“. Wenn man eine seriöse Prüfung wolle, müssten zumindest die Opern-Leitungen in Bonn und Köln involviert sein. Und es sei erstaunlich, „wie irr“ Bonns OB Nimptsch an der Fusion festhalte, obwohl er mit seinen Vorstößen stets gescheitert sei. Auch sei es „ein Riesenfehler“, die 800 Angestellten der Stadtverwaltung, die mit der Oper in Verbindung stehen, erneut in Existenzängste zu stürzen.

Grünen-Kultursprecherin Brigitta von Bülow zeigte sich von Roters’ und Nimptschs Vorstoß „völlig überrascht“ – zumal man ja gerade für die Oper eine Organisationsuntersuchung auf den Weg gebracht habe. Sie verlangt ebenfalls die Einbeziehung des Bühnenausschusses in den Vorgang, findet aber grundsätzlich Überlegungen, wie es mit der Oper weitergehen solle, „in Ordnung“. Dabei sei aber auch über Alternativen zu einer Fusion nachzudenken – über Kooperationen etwa und kostensenkende Ablaufoptimierung im Sinne von „best practice“.

Während sich Kölns Opernintendantin Birgit Meyer nicht zu dem Vorgang äußern wollte, veröffentlichte Bonns Generalintendant Klaus Weise einen Offenen Brief an Hampe, Langevoort und Harrison. Er fordert sie auf, „sich an einem weiteren Kulturabbau im Rheinland“, den die „angedachte Fusion“ signalisiere, „nicht zu beteiligen“. Weise: „Der Kulturraum Rheinland braucht und verträgt drei Opernhäuser, wie die Auslastung aller drei Häuser mit weit über 80 Prozent verdeutlicht. Jedes Haus ist für die Identität seiner Stadt unverzichtbar.“

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