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Otto Waalkes wird 65 : Der berühmteste Ostfriese der Welt

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Otto Waalkes feiert am 22. Juli seinen 65. Geburtstag. Foto: dpa
Spaßmacher Otto Waalkes wird 65 Jahre alt – doch die beste Zeit hat er hinter sich. Spätestens mit den „Sieben Zwerge“-Streifen erreichten Ottos Witze nur noch Ramschniveau. Trotzdem will der umtriebige Ostfriese vom Ruhestand nichts wissen.  Von
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Köln

„Wie konnten Sie nur diesen alten Mann überfallen für 50 Pfennig? – „Ach, 50 Pfennig hier, 50 Pfennig da, da kommt ganz schön was zusammen.“

Die stimmige Erklärung des Kleingeldräubers in einer Nummer des ostfriesischen Komödianten Otto Gerhard Waalkes stammt aus der Zeit, da in der alten Bundesrepublik noch mit Mark und Pfennig gezahlt wurde und es obendrein nur drei Fernsehprogramme gab. Die siebziger und frühen achtziger Jahre, das war auch die beste Zeit des Spaßmachers aus Emden, der am 22. Juli 1948 geboren wurde.

Wie viele Kinder seiner Zeit kam Otto über die Beatles zur Musik – von 1964 an als Sänger und Gitarrist seiner ersten Band The Rustlers, die sich ausgiebig im Repertoire von Lennon/McCartney bediente. Nach dem Abitur zog Waalkes als Student der Kunstpädagogik dann in jene große Stadt, die auch die Beatles so sehr geprägt hatte. In Hamburg, wo er in einer Wohngemeinschaft zeitweise mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen lebte, finanzierte er sein Studium mit Solo-Auftritten in kleinen Clubs.

Doch nicht Ottos Gitarrengezupfe und Gesang sorgten dafür, dass die Zuschauer ausrasteten. Otto Waalkes, so geht die Legende, war schon damals so zappelig unterwegs wie ein hyperaktives Kind, dem man die Medizin weg- genommen hat. Mal fiel ihm das Mikrofon auf den Boden, mal warf er ein Stativ um. Und immer veredelte Waalkes diese Pannen mit lustigen, improvisierten Entschuldigungen. Zwar verschwanden die Gitarre und der Gesang nie vollends aus seinen Shows – man denke nur an die Schlagerparodie „Dänen lügen nicht“ –, doch das Programm wurde textlastiger. Mit Robert Gernhardt, Bernd Eilert und Peter Knorr – drei Wortartisten aus dem Frankfurter „Pardon“- und „Titanic“-Umfeld – scharte Waalkes exzellente Pointen-Lieferanten um sich, und wurde so zu einem der beliebtesten deutschen Entertainer. Laut ZDF-Rangliste ist Waalkes die Nummer drei in der überschaubaren ewigen Bestenliste germanischer Witzigkeit, hinter Heinz Erhardt und Loriot.
Zwischen 1973 und 1981 gab es jedes Jahr eine Otto-LP (auf dem eigenen Label „Rüssl Räckords“) und eine Fernsehshow mit sensationellen Quoten. Waalkes hielt superbe Englischkurse „für Fortgelaufene“ ab, erklärte kompetent die Vorgänge im menschlichen Körper („Großhirn an Faust – ballen!“) und predigte als falscher Pastor über einen ins Klo gefallenen Rasierpinsel.

Auch reimte er einen bösen Zweizeiler über den CSU-Politiker Strauß: „Das Wasser ist trübe, die Luft ist rein, Franz Josef muss ertrunken sein.“ Das traf den Geist der sozialliberalen späten Siebziger; nur mit dem Kalauer über einen Selbstmord des Papstes ging Waalkes für die damalige Zeit ein wenig zu weit. Ottos immense Bekanntheit sorgte dafür, dass es in jeder Schule mindestens einen Klassenclown gab, der die unverwechselbare Känguru-Motorik des Ostfriesen, seine Witze und seinen gejodelten Gruß („Hollerehidi!“) bis zum Überdruss vorführte.

Das Jahr 1985 markierte einen Scheitelpunkt in der Karriere: Waalkes wechselte das Medium, und drehte mit „Otto – der Film“ sofort den größten deutschen Kinoerfolg aller Zeiten, was nicht allein an den Heino-Zombies gelegen haben dürfte. Nach dieser im weitesten Sinne romantischen Komödie kurbelte Waalkes in den folgenden Jahren acht weitere Spielfilme herunter, doch die Gags entwickelten sich nicht mehr weiter – im Gegenteil. Spätestens mit den „Sieben Zwerge“-Streifen der Jahre 2004 und 2006 erreichten Ottos Witze nur noch Ramschniveau. Ein dritter Zwergenfilm ist für Weihnachten 2014 angedroht.

Vom Ruhestand will der zweifach geschiedene Spaßmacher jedenfalls nichts wissen. Im September bricht er zu einer neuen Tournee auf. Der Titel „Geboren, um zu blödeln“ sei programmatisch zu verstehen, erklärte der langjährige Manager Hans Otto Mertens: Sein Schützling sehe sich in der Tradition von Komödianten wie Bob Hope und George Burns. Die Amerikaner traten bis ins Greisenalter auf und wurden jeweils 100 Jahre alt.

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