23.07.2016
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Plagiatsvorwürfe: Experte stärkt Cascada den Rücken

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dpa

Köln -

Nach Plagiatsvorwürfen gegen den Siegersong „Glorious“ beim deutschen Grand-Prix-Vorentscheid stärkt der Kölner Medienrecht-Anwalt Christian Solmecke der Bonner Pop-Band Cascada den Rücken. Der juristische Experte für IT-Fragen hat sich beide Songs angehört und erklärt, dass Cascadas Song „trotz einiger Ähnlichkeiten weit von einem Plagiat entfernt“ sei.

Wie am Wochenende bekannt wurde, lässt der NDR das Lied der Bonner Pop-Band Cascada überprüfen. Ein musikwissenschaftliches Gutachten sei in Auftrag gegeben worden, sagte ein NDR-Sprecher. Der Song war in einer großen ARD-Fernsehshow am Donnerstag zum deutschen Beitrag für den Eurovision Song Contest im schwedischen Malmö gewählt worden. Schon kurz nach der Veranstaltung hatte es kritische Stimmen gegeben, dass der Song „Glorious“ sehr viel Ähnlichkeit mit dem letztjährigen Sieger-Titel „Euphoria“ der schwedischen Sängerin Loreen habe.

Keine Urheberrechtsverletzung

Solmecke sieht das aus rechtlicher Sicht anders. „Beide Stücke weisen typische Elemente eines Dance Songs auf. Intro, Refrain und Überleitungen sind ähnlich aufgebaut. Die Harmonien und die Texte der Songs sind jedoch so weit voneinander entfernt, dass keinesfalls von einer illegalen Kopie zu sprechen sein dürfte“, sagt der auf Urheberrecht und Internetfragen spezialisierte Jurist.

Im Urheberrecht gilt laut Solmecke der „Schutz der kleinen Münze“. Dies bedeute, dass auch kleine kreative Elemente Schutz verdienen würden. Andererseits dürfe auf bestehenden Werken aufgebaut werden, „sofern das ursprüngliche Werk im Hintergrund verblasst und das neue Werk nur noch ganz entfernt an das alte Werk erinnert“. Was zunächst stark nach Juristendeutsch klingt, bringt Solmecke dann auf folgende einfach Formel: „Im aktuellen Fall ähneln sich zwar der Gesang des Wortes Glorious und des Wortes Euphoria etwas, das reicht jedoch noch lange nicht aus, um von einer Kopie zu sprechen. In der Summe ist Glorious in dem Fall als eigenständiges Werk zu werten, das keine Urheberrechtsverletzung darstellt.“

Solmecke hält auch den Versuch für untauglich, aus der so genannten Waveform Schlüsse zu ziehen. Aus dieser Art der grafischen Darstellung ergeben sich die Lautstärkendynamik und die Anordnung der einzelnen Songelemente wie Intro und Refrain. „Es lassen sich im Dance-Bereich dutzende Waveformen finden, die in ihrem Aufbau dem Aufbau des Liedes Euphoria ähneln“, sagt Solmecke und bestätigt damit einen Eindruck, den sicherlich auch viele Musikfans haben dürften: Eurodance hört sich immer irgendwie gleich an... (mik)