29.09.2016
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Portrait: Die Moderationsmaschine

Der Moderator Oliver Geissen. (Archivbild)

Der Moderator Oliver Geissen. (Archivbild)

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dpa

Wer einen Raum so betritt wie dieser Mann, der hat nicht bloß gesundes Selbstvertrauen. „Moin, Moin zusammen“, sagt, nein, ruft Oliver Geissen durchs Separee einer Hamburger Spielbank und nimmt jeden einzelnen Gast kurz fest in den Blick. „Alles gut?“, johlt er und meint das natürlich strikt rhetorisch. Alles gut! Dieser Braungebrannte leitet seit zehn Jahren „Die ultimative Chart Show“. Und das grenzt an ein Wunder. Besser: an mehrere. Als die Rankingshow Ende Mai 2003 auf Sendung ging, war der gelernte Radioreporter für seriöse Abendunterhaltung im Grunde verbrannt. Das Jahrzehnt zuvor hatte er Proleten am Nachmittag alles entlockt, was knallt.

Kein allzu seriöses Bewerbungsschreiben für die Primetime; aber Olli war ja auch bei keinem seriösen Sender beschäftigt, sondern bei RTL. Also ließ man ihn 2002 „Die 80er Show“ moderieren, zehn Folgen lang mit sehr guten Quoten, auch bei der jungen Zielgruppe. Bald wühlte auch die Konkurrenz so fleißig in der Pophistorie, das daraus eine Retrowelle wurde. Und auf der schwamm niemand erfolgreicher als Geissen, womit wir beim letzten Wunder wären: Ollis zappelige Nummernrevue verkaufsstarker Rock-, Pop-, Party-, Netz-, Radio-, Cover-, Welt-, Deutsch- oder Siebziger- bis Neunzigerhits samt One-Hit-Wonder brachte es bislang nicht nur auf 117 Ausgaben; genau genommen ist sie die letzte echte Musiksendung im Vollprogramm.

Der Moderator hat alle Instanzen kommerzieller Unterhaltung durchlaufen. Nach seinem Weg vom Leistungssport übers Radio hin zum Nachwuchsreporter beim ZDF vor fast 20 Jahren, ist der Wuschelkopf notorisch auf Sendung – erst als Live-Moderator bei „Big Brother“, später als Pseudo-Moderator seiner Trashtalks, weiter als Musik-Moderator der „Chart Show“, nebenbei als Robert-Lembke-Imitator bei „Es kann nur e1nen geben“.

Geissen ist eine Moderationsmaschine mit Start- und Stopptaste, die man überall hinstellt, wo Massengeschmack bedient wird. Er spricht auch zur Vorstellung der vierstündigen Geburtstagsausgabe so, als säße er vor Publikum im Studio statt Journalisten in der Spielbank: Spontan, locker, zappelig, ohne Punkt und Komma. Der Olli eben. Haare strubbelig, Schnauze kodderig, Grinsen großartig. Mit gerade mal 43 Jahren hat er sich zur Topmarke eines ganzen Genres gemacht.

„Die ultimative Chart-Show – Die erfolgreichste Single der deutschen Chartgeschichte“, Freitag, 20.15 Uhr, RTL.


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