28.09.2016
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Pro Sieben: Elton startet eigene Show

Elton

Elton

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Pro 7

Nun also Münzenflitschen. Alexander Duszat, genannt Elton, hat bei Pro Sieben bereits jede Infantilität als Fernsehen verkauft. Er hat sich prügeln lassen, selbst kasteit und lächerlich gemacht, ausgezogen, abgezogen, zugezogen, er war immer der Mann fürs Grobe ohne Tiefgang. Das ist er auch in „Elton zockt“ (Samstag, 20.15 Uhr, Pro Sieben), nur ganz allein. Der Sidekick größerer Namen kriegt bei seinem Haussender die erste eigene Abendshow, macht aber auch dort weiter, wo er anscheinend nie aufhört: beim Ringelreihen.

Denn wenn er zur besten Sendezeit Geldstücke Richtung Wand schnipst, wird die Ereignislosigkeit erneut zur Essenz privaten Entertainments – mit dem Unterschied, dass seine Kandidaten gegen die Chance auf 100 000 Euro eigenen Besitz von Auto bis Ehering setzen. So viel Geld auf diesem Sendeplatz: Das kann man als Aufstieg werten. Elton ist also näher am A-Promi, und das wundert ihn selbst am meisten. „Unentwegt sogar“, sagt der Berliner mit Wohnsitz in der Nähe von Köln. Dabei klingt er wie einer, der trotz 18 Jahren Erfahrung mit Kameras noch immer hineinblickt, als sei er zufällig davorgeraten. Elton ist nicht so populär, weil ihn irgendwas kennzeichnet; sein Alleinstellungsmerkmal ist dessen vollständiges Fehlen. „Mein Erfolgsgeheimnis heißt Ehrlichkeit“, sagt das Allerweltsgesicht. Ihm ist selbst so eine Plattitüde unbedingt zu glauben.

„Tatort“ ist denkbar

Denn so sehr er sich auch durch die Raab-Verwertungen von Turmspringen bis Wok-WM hetzen, so viele Pennälerzoten er bei „Elton vs. Simon“ über sich ergehen, so peinliche Brachial-Castings à la „Die Alm“ er mit sich ausstatten lässt – Duszat ist eines der wenigen Gesichter im Durchlauferhitzer Event-TV, dessen Unbefangenheit glaubhaft wirkt. Als personifizierter Kindergeburtstag für Adoleszenzverweigerer adelte ihn der Wille zur Normalität nicht nur fürs Kommerzfernsehen, sondern zum Nachfolger Michael Schanzes, dessen Evergreen „1, 2 oder 3“ seit knapp drei Jahren unter Eltons leichter Hand läuft.

Schanze war seinerzeit ein Moderator von internationalem Rang, eben weil seine Hingabe für den Nachwuchs kein bloßes Markenzeichen war, sondern echter Leidenschaft entsprang. Wie bei seinem Vorgänger ist Eltons Beliebtheitsrezept also, sich mit Zuschauern und Kandidaten unbedingt gemein zu machen. Natürlich hätten Typen wie er oder auch Oliver Pocher ein bisschen zur „Verkindlichung“ des Mediums beigetragen, räumt der zweifache Vater freimütig ein. „Aber eigentlich gab es das schon immer.“ Auch „Wetten, dass..?“ habe ja eine „neue Form der Infantilität ins Abendprogramm gehoben, die sich in den 80ern durchgesetzt hat“, Duszat lacht: „Da bin ich nur einer von vielen.“

Und weil er das ist, sorgt seine Präsenz im zappeligen Medienalltag fast für angenehme Beständigkeit: als einer, der sich trotz aller Mängel an besonderem Talent und Handwerk unbeirrt im Fokus dieser Parallelöffentlichkeit zwischen Pro Sieben und ZDF hält. Der wie sein Mentor Raab keinen physischen Schmerz scheut, um dem Publikum die Illusion guter Unterhaltung zu geben. Der durch pure Präsenz auf allen Bühnen televisionärer Selbstentwürdigung Schritt für Schritt „in die Sachlichkeit hochseriösen Fernsehens“ gegangen ist und nun sogar samstagabendtauglich wird. Selbst eine Episodenrolle im „Tatort“ hält er für denkbar – zumal in seinem Alter, wo man sich überlegen müsse, „ob man ewig gegen Wände laufen will“. Oder Münzen flitschen.


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