29.07.2016
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Rundfunkbeitrag: Mehreinnahmen heizen Debatte über Werbeverzicht an

Bis 2020 soll der Rundfunkbeitrag stabil bleiben.

Bis 2020 soll der Rundfunkbeitrag stabil bleiben.

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dpa

Köln -

Die seit langem geführte Diskussion über eine Werbereduzierung oder gar einen Werbeverzicht bei den Öffentlich-Rechtlichen ist durch die Bekanntgabe der Mehreinnahmen in Höhe von 643 Millionen Euro für das Jahr 2014 wieder angeheizt worden. Der Vorstandsvorsitzende des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Tobias Schmid, sieht in diesen Zahlen eine große Chance. Die Länder könnten Beitragsstabilität bis 2020 garantieren und zugleich die Frage nach der Zukunft der Werbung bei ARD und ZDF angehen. „Die Positionen hierzu sind ja nicht ganz neu. Aber die Idee, die zunehmende Kommerzialisierung von ARD und ZDF durch Werbung einzudämmen, wird ja nicht falsch, nur weil sie schon mal geäußert wurde“, sagte Schmid dieser Zeitung.

Arbeitsgemeinschaft der ARD-Werbegesellschaft widerspricht

Die Arbeitsgemeinschaft der ARD-Werbegesellschaften sieht das anders. Das bewährte Prinzip der Mischfinanzierung von ARD und ZDF sei nicht überflüssig geworden, so Bernhard Cromm, Vorsitzender der ARD-Werbung: „Es ist bekannt, dass die nun vorliegenden Mehreinnahmen für die Beitragsperiode 2013 bis 2016 auf Sonderkonten liegen und nicht, wie es der VPRT immer gerne suggeriert, automatisch den Sendern gutgeschrieben werden.“ Die Erträge aus Werbung und Sponsoring seien trotz der bestehenden restriktiven Regelungen ein wesentlicher Bestandteil der Rundfunkfinanzierung. Tatsächlich entlasteten die Erträge aus der Werbezeitenvermarktung den Beitragszahler um 1,26 Euro. „Gerade im Hörfunkmarkt würden weitere Einschränkungen in der Vermarktung des ARD-Hörfunks Radio als Ganzes nachhaltig beschädigen, vor allem im Wettbewerb mit anderen Gattungen und mit großen internationalen Konzernen wie Google & Co“, so Cromm.

Die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) wiederholte ihre Forderung, bundesweit das sogenannte „NDR-Modell“ einzuführen, wonach eine Landesrundfunkanstalt 60 Minuten Werbung in einem Radioprogramm mit nationalen Spots verkaufen kann. „Angesichts des enormen finanziellen Spielraums kann die Medienpolitik diese für die finanzielle Basis des privaten Radios lebenswichtige Frage nicht weiter auf die lange Bank schieben“, so Felix Kovac, APR-Vorsitzender. Man dürfte das „NDR-Modell“ nicht verwässern: „Dann lieber gar keine Neuregelung als einen faulen Kompromiss.“

„Fataler Irrweg“

Die Allianz Deutscher Produzenten nennt die Einschränkung von Werbung bei ARD und ZDF hingegen einen „fatalen Irrweg“. Die Produktionsbedingungen in Deutschland seien schon jetzt schwierig, eine Werbereduzierung würde den Druck auf die Programmbudgets laut Produzentenallianz weiter verschärfen. Auch das ZDF spricht sich für den Erhalt von Werbung und Sponsoring in seinem Hauptprogramm aus. Sie helfen laut ZDF, den Beitrag stabil zu halten und „tragen deshalb zur Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Gesellschaft bei.“ Der WDR wollte sich am Freitag nicht zur Frage der Werbereduzierung äußern. (amb)