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Schauspiel Köln: Schöner wohnen als die anderen

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„Der Kauf“, Milan Peschel als Dirk (v. l.), Regisseur und Autor Paul Plamper, Sandra Hüller als Claire. Foto: Janina Druschky
Autor und Regisseur Paul Plamper hat ein Hörspiel über den Wohn-Wahnsinn unserer Zeit produziert. Darüber, dass man als Alteingesessener glaubt, sein Viertel gegen Bonzen verteidigen zu müssen oder als Hinzuziehender alles verbessert.  Von
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Köln

Am Küchentisch verliert Claire die Contenance. Bricht in Tränen aus, schluchzt unkontrolliert. Hat sie eine Todesmitteilung erhalten? Ist sie mit der großen Lebenslüge konfrontiert worden? Ach was. „Das ist einfach so schön bei euch“, seufzt Claire. Achim und Britta versuchen sie zu beruhigen, so eine tolle Wohnung, so ein Lebensprojekt, so ein Besitz, der könne einen ja auch besitzen. Den müsse man auch abstoßen können. Jetzt hat sich Claire wieder gefangen. Falls Achim und Britta, diese Besserwohner, sich wirklich von ihrer Immobilie trennen wollten, „müsst ihr uns aber schon zuerst fragen“. Claires Mann Dirk fügt kurze Zeit darauf bestimmt hinzu: „Wer etwas mehr will, der soll es auch haben.“

Die Utopie im Eigenheim

Der Autor und Regisseur Paul Plamper hat mit „Der Kauf“ – in schönster Kunstkopfstereophonie – ein Hörspiel über den Schöner-wohnen-Wahnsinn unserer Zeit produziert. Darüber, dass – egal, ob man nun als Alteingesessener glaubt, sein Viertel gegen Spekulanten und Bonzen verteidigen zu müssen, oder sich als Hinzuziehender zuschreibt, für die dynamische Aufwertung der Innenstadt verantwortlich zu sein – die Debatte um Wohnraumnot, Kiezkultur und Gentrifizierung doch vor allem eines bedeutet: Die großen Utopien haben sich in einem Fluchtpunkt verengt, der im idealen Eigenheim endet. In das gilt es sich rechtzeitig zu flüchten, am besten bis zum Lebensabend, mit dem Veedel als Rettungsinsel in einer orkangebeutelten Welt. He hält m'r zosamme, wie schon die Bläck Fööss wussten. Ejal, wat och passeet.

Passend zum immobilen Ende aller Wunschträume erzählt Plamper seine Geschichte rückwärts, aus dem Jahr 2030. Die wild bepflanzte Brache hinter der Halle Kalk, auf der sich das Publikum mit Kopfhörern bewegt, ist längst der Mittelpunkt eines begehrten Viertels, einer Toplage, in der die Häuser selbstredend Gegensprechanlagen mit Bildschirmen haben. Die Maklerin verlangt zu den 23,5 Prozent Courtage kaltlächelnd noch einen happigen VIP-Reservierungsbonus.

Claire hat ihre Traumwohnung bekommen. Aber die Ehe mit Dirk ist darüber in die Brüche gegangen, jetzt muss sie raus. Wie die Gutverdienerin und ihr Mann den linksalternativen Besetzern und späteren Bebauern der Brache das Domizil abgelockt haben, erfahren wir in Dialogen, so gewitzt, unterhaltsam und verräterisch wie in einer Erfolgskomödie von Yasmina Reza.
Einem eingegangenen Knöterich wird mit dem Satz „Wir sind ja kinderlos“ hinterhergetrauert; die von der Weltreise zurückgekehrten Ex-Bewohner künden von moralischer Überlegenheit: „Das ist auf den Osterinseln ganz anders: Da bist du wirklich frei“; der Realist Dirk empfiehlt sich Britta mit den Worten „Zukunft kann man strukturieren“ als Geldbeschaffer und wirft ihr später vor: „Du bist ein wandelndes Possessivpronomen.“

Man kann sich „Der Kauf“ auch sehr gut als Konversationsstück auf einer Bühne vorstellen. Aber Plamper hat es mit einer traumhaften Besetzung – unter anderem mit Sandra Hüller als Claire und Milan Peschel als Achim – wie in einem Nouvelle-Vague-Film an Originalschauplätzen und in echten Wohnungen aufgenommen, in einer gemeinsamen Produktion von WDR, BR, Deutschlandfunk und dem Schauspiel Köln. Das vielbeschworene Kopfkino stellt sich sofort ein, fast läuft man Gefahr, über eines der vielen Klappschilder zu stolpern, die auf der wuchernden Kalker Brache einen Parcours aus besonders grellen Sätzen des Hörspiels bilden.

Die liest man dann kopfschüttelnd, zum Teil lange bevor sie einer der Sprecher im Hörspiel äußert. Und wundert sich dann, wie selbstverständlich sie ins Ohr fallen. Hat man so etwas nicht auch schon einmal gesagt? Sich auf diese Weise vor sich selbst gerechtfertigt? Plamper hat sich gegen die Farce und für glaubhafte Personen entschieden. Da wird jeder Zuhörer, der mit dem Audioplayer bewaffnet die Leerstelle erschließt, zum potenziellen Spekulanten.

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