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Sensationsfund: Urfassung von Brahms' Triumphlied entdeckt

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Ulrich Tadday stellt bislang verschollen geglaubtes Notenmaterial der Uraufführung des Triumphliedes op.55 von Johannes Brahms vor.  Foto: dpa
140 Jahre lang galt es als verschollen. Jetzt haben Bremer Forscher eine Frühfassung von Brahms' Triumphlied wiederentdeckt. Das Werk schlummerte in einem Archiv - versteckt zwischen den Noten von Brahms' berühmtem Requiem.
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Bremen

Bremer Forscher haben eine für verschollen gehaltene Urfassung von Johannes Brahms' Triumphlied wiederentdeckt. Der Musikwissenschaftler Prof. Ulrich Tadday bezeichnete den Fund am Mittwoch als Sensation. Die Bremer Komposition unterscheide sich an vielen Stellen von der späteren Fassung. „Es ist gerechtfertigt, von einem eigenständigen Werk zu sprechen.“

Johannes Brahms hatte das Triumphlied 1871 im Bremer Dom uraufgeführt. Danach ging die Partitur verloren. Seitdem wurde nur noch die viel bekanntere spätere Fassung gespielt. Im Archiv der Philharmonischen Gesellschaft stieß die Forscherin Katrin Bock jetzt auf historische Abschriften der Chor- und Orchesterstimmen der Bremer Komposition. Sie lagen versteckt zwischen den Noten von Brahms' Requiem, das dieser am selben Tag im Bremer Dom dirigiert hatte.

Aus dem Material rekonstruierte Bock gemeinsam mit Tadday die vollständige Partitur - eine Arbeit, die sich über mehrere Monate hinzog. Vier Kopisten hatten die Abschriften gefertigt, und dabei hatten sich unzählige Fehler eingeschlichen. Die Forscher mussten die Stimmen deshalb Note für Note abgleichen.

Erstaunliches Ergebnis

Das Ergebnis war erstaunlich: Im Vergleich zur späteren Fassung weist die Bremer Komposition mehr als 300 Abweichungen auf. Die augenscheinlichste ist, dass diese in C-Dur und nicht wie später in D-Dur geschrieben ist. Außerdem sieht die Frühfassung weniger Blasinstrumente vor und ist insgesamt fließender und weniger martialisch komponiert.

„Es kann sein, dass Johannes Brahms nach der Uraufführung festgestellt hat, dass das Fundament der Holzblasinstrumente nicht ausreicht“, erläutert Tadday. Als weiteren Grund für die Unterschiede sieht er den Anlass: Das Bremer Triumphlied hatte Brahms in Gedenken an die im Krieg gegen Frankreich gefallenen Soldaten komponiert. Die spätere Fassung bejubelte die Gründung des Deutschen Reiches.

Wann die Bremer Fassung des Triumphlieds wieder erklingen wird, ist noch unklar. Aus der fertigen Partitur müssen die Musikwissenschaftler erst noch die einzelnen, korrigierten Stimmen extrahieren. Das wird ihren Schätzungen nach mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. (dpa)

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