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Sinnfrage Nina Petri: Ist Haltung hinderlich, Frau Petri?

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Schauspielerin Nina Petri. 
Schauspielerin Nina Petri spricht mit Silke Offergeld vom KStA-Magazin über Kraft und Karriere. Welche Rolle spielt die Haltung? In der neuen TV-Serie "Zwischen den Zeilen" ist Petri derzeit als ehrgeizige Kommissarin zusehen.
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Köln

Frau Petri, Ihre neue Serienfigur scheitert daran, dass sie sich an vermeintlich Erfolgreichen orientiert, um selbst Karriere zu machen. Machen im richtigen Leben nicht eher Opportunisten ihren Weg?

Nina Petri Das kommt darauf an, was man will. Es gibt sicher Menschen, für die ist die Karriere losgelöst von ihrem eigentlichen Ich, die umgeben sich mit Leuten, die ihnen nicht wichtig sind, sie aber nach vorne bringen. Und es gibt andere – zu denen würde ich mich zählen – die sagen: Ich möchte mir auch beim Fortkommen treu bleiben und nicht bei irgendwem, dem ich nichts zu sagen habe, lieb Kind machen, um weiterzukommen. Ich persönlich kann das auch gar nicht. Im wirklichen Leben würde ich mich fast als schlechte Schauspielerin bezeichnen.

War Ihre Haltung hinderlich für Ihre Karriere?

Petri Ich könnte natürlich sagen, ich habe es nicht bis ganz nach oben geschafft. Aber was hat man von Geld und Anerkennung, wenn man am Ende des Tages alleine in seiner Wohnung sitzt? Vielleicht habe ich mit der klaren Entscheidung für ein Leben neben der Karriere den ein oder anderen Schritt nicht gemacht, weil ich nicht alles dafür hergegeben habe.

Nina Petri

Privat
Nina Petri wurde 1963 in Hamburg geboren. Mit ihren Zwillingstöchtern lebt sie in Hamburg.

Karriere
Petri besuchte die Westfälische Schauspielschule Bochum. Ihr TV-Debüt gab sie 1988 in „Rote Erde“. Ihre Darstellung in „Die tödliche Maria“ (1994) wurde mit dem Bayerischen, die in „Lola rennt“ und „Bin ich schön“ (1998) mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Zudem hat sie zahlreiche Hörbücher eingesprochen.

Aktuell
Zur Zeit ist Petri als ehrgeizige Kommissarin in der Serie „Zwischen den Zeilen“ zu sehen (immer donnerstags 18.50 Uhr, ARD)

Aber das würden Sie offenbar auch nicht empfehlen.

Petri Es gibt schon einen Teil in mir, der das bewundert. Andererseits bin ich immer wieder irritiert, weil es viele gibt, gerade Schauspieler, bei denen ich das Gefühl habe, das ist nur noch eine Maske, ich kann den Menschen gar nicht mehr sehen. Und das finde ich nicht erstrebenswert. Ich habe ja Kinder, die gerade darüber nachdenken müssen, was sie in Zukunft tun, und ich stelle fest, dass bei den jungen Leuten ein unglaublicher Erfolgsdruck herrscht. Ich versuche meinen Töchtern den zu nehmen und ihnen zu sagen: Scheitern ist erlaubt, das ist sogar gut, weil man dann weiß, wo seine Grenzen sind.

Haben Sie Angst, dass Haltung zum Anachronismus wird?

Petri Ja. In meiner Branche erlebe ich viele Menschen, die sozial total inkompetent sind. Soziale Kompetenz halte ich aber für wichtig für eine funktionierende Gesellschaft.

Als Jugendliche hatten Sie einen schweren Autounfall. Wie hat Sie das geprägt?

Petri Der Unfall war ein Wendepunkt. Ich war 13 und für mehr als ein Jahr völlig aus der Welt geschleudert. Als ich wieder laufen konnte, habe ich als erstes gesagt: Ich möchte Ballettunterricht haben. Das durfte ich vorher nie, weil ich mit einem missgebildeten Fuß zur Welt gekommen war. Aber da hat keiner mehr gesagt: „Nein, das geht nicht.“ Ich habe eine Kämpfernatur entwickelt, mir immer viel zugetraut, auch wenn die Aussichten nicht gut waren. Das hat mir viel Kraft gegeben, allerdings fällt es mir manchmal schwer zu erkennen, wann es nicht nötig ist, zu kämpfen.

Wann wurde Ihre Haltung belohnt?

Petri Einmal habe ich etwas extrem Rührendes erlebt: Ich hatte gerade meine Kinder bekommen, als ein Caster mir eine Rolle anbot. Ich war damals bitterarm und habe deshalb gesagt, ich würde das gern machen, aber nur, wenn meine Töchter und mein damaliger Mann mitkommen können. Die Produktion hat sich tatsächlich darauf eingelassen und es hat unglaublich gut geklappt – mein Mann hatte ein Walkie-Talkie dabei und sobald die Kinder gekrächzt haben, ist er mit ihnen zum Set gekommen und ich habe sie gestillt. Als sich am Ende das Team bei mir verabschiedet hat, habe ich fast geheult – die haben sich bei mir bedankt und mir noch Geschenke für die Mädchen mitgegeben.

Das Gespräch führte Silke Offergeld

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