29.08.2016
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Sinnfrage Oliver Wnuk: Ist es mutig, die Kontrolle zu verlieren?

Schauspieler Oliver Wnuk spricht über das Loslassen.

Schauspieler Oliver Wnuk spricht über das Loslassen.

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Steffen Böttcher

Herr Wnuk, dem Protagonisten Ihres Romans ist sein Leben entglitten, erst durch einen Unfall beginnt er wieder, es in die Hand zu nehmen. Muss man aktiv werden, um die Kontrolle zu behalten?
Oliver Wnuk Ich glaube, dass man nur glücklich leben kann, wenn man lernt, die Kontrolle aufzugeben. Das ist zumindest der Weg, den ich mit kleinen Schritten zu gehen versuche.

Dabei haben Sie sich früher selbst als perfektionistischen Kontrollfreak bezeichnet. Was hat Sie auf diesen Weg gebracht?
Wnuk Lebenserfahrung. Wenn man Biografien liest von erfolgreichen Leuten, dann haben die meist früh genug angefangen, ihr Leben zu genießen und loszulassen.

Braucht es Mut, die Kontrolle zu verlieren?
Wnuk Ich glaube, es braucht weniger Mut, als man denkt. Man muss gucken: Woran hindern mich meine Kontrollinstanzen? Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Dann kann man anfangen, das Risiko einzugehen, mal nicht zu wissen, was als Nächstes passiert.

Und oft passiert nichts Schlimmes?
Wnuk Wenn ich mir vorstelle, was ich mir schon Sorgen gemacht habe, und daneben stelle, was mir tatsächlich passiert ist an schlimmen Dingen, dann sind die Ängste, die ich mir umsonst gemacht habe, größer – in meinem Leben jedenfalls, zum Glück. Aber es wären viele Therapeuten auf der Welt arbeitslos, wenn das so einfach wär. Viele Dinge weiß man halt und kapiert sie trotzdem nicht.

Sie sind Vater einer Tochter. Wird das Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit dann größer?
Wnuk Man muss gucken, dass das in einem gesunden Rahmen bleibt. Wirklich beschützen kann man die Kinder sowieso nicht. Im Idealfall haben Eltern in jeder Generation das getan, was zu der Zeit als das Beste galt. In der Tradition mache ich weiter. Es bleibt mir ja keine Wahl, wenn ich nicht zum Kontrollfreak im Leben meines Kindes werden will – das geht immer nach hinten los.

Der amerikanische Autor T. C. Boyle sagt, das Schreiben sei eine Möglichkeit, das Leben wenigstens einen Moment lang unter Kontrolle zu behalten. Würden Sie ihm zustimmen?
Wnuk Ich kann das nicht teilen. Man hat die Kontrolle über die Geschichte. Wobei – ich habe aus dem Buch ein Hörspiel gemacht, mit anderen Schauspielern, und da habe ich gemerkt, dass so ein Text oft viel klüger ist, als man selbst beim Schreiben war. Es gibt immer wieder Sätze, wenn man mit denen arbeitet, dann merkt man: Oh, da steckt ja noch was drin! Da wurde die eigene Kontrolle vom Unterbewusstsein schön verarscht.

Ihre Freundin ist die Sängerin Yvonne Catterfeld. Zeitweise war die Boulevard-Berichterstattung über Sie etwas außer Kontrolle. Wie gehen Sie damit um?
Wnuk Da kontrolliere ich nichts mehr, indem ich einfach nichts mehr lese. Wir haben die Boulevard-Halbwertszeit eines Promi-Pärchens durch unsere lange Beziehung aber auch längst überschritten. Ich gehe davon aus, dass es wieder spannendere Themen auf der Welt gibt.

Sie arbeiten in der Badewanne – auch eine Art, loszulassen?
Wnuk Mit Pausemachen hat das mittlerweile gar nichts mehr zu tun, es ist eher das Gegenteil – das ist so etwas wie der erste Schritt ins Büro. Keine Ahnung, was da passiert – ich bin für mich alleine und kann gut nachdenken, schreiben, meinen Tag planen, ich habe gute Ideen. Das ist wie für andere Leute das Joggen. Was ich langsam auch eher mal tun sollte.

Das Gespräch führte Silke Offergeld