28.07.2016
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Sprachpanscher des Jahres 2013: Duden als „große Hure“ beschimpft

Zweifelhafte Ehre: Dier Duden wurde zum „Sprachpanscher des Jahres 2013“ ernannt. (Symbolbild)

Zweifelhafte Ehre: Dier Duden wurde zum „Sprachpanscher des Jahres 2013“ ernannt. (Symbolbild)

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Dortmund -

Ausgerechnet der Duden. Ausgerechnet das seit 1880 in immer neuen Auflagen erschienene Standardwerk der deutschen Sprache ist am Montag vom Verein Deutsche Sprache (VDS) zum „Sprachpanscher des Jahres 2013“ ernannt worden. Der Duden steht damit in prominenter Gesellschaft: Denn in den vergangenen Jahren waren auch die Bahnchefs Hartmut Mehdorn und Johannes Ludewig, die Politiker Günther Oettinger und Klaus Wowereit, Ex-Postchef Klaus Zumwinkel und Telekom-Chef Rene Obermann mit diesem zweifelhaften Titel ausgezeichnet worden.

VDS-Chef Walter Krämer hatte schon im Vorfeld der Entscheidung starkes Geschütz gegen das Nachschlagewerk aufgefahren. Er schimpfte über die „große Hure Duden“, die gedankenlos Anglizismen aufnehme und sie damit gesellschaftsfähig mache.

Dieses „einstmals respektierte Nachschlagewerk“ sei zum „billigen Handlanger von Modefuzzis und Amitümlern aller Art verkommen“, bemängelte Krämer. Und verwies auf englischstämmige Begriffe wie downloaden oder upgraden, Jobhopping, Eyecatcher, Moonboots und Sunblocker. „Wer in einem Wörterbuch der deutschen Sprache als Ersatz für Fußball den lächerlichen Angeber-Anglizismus 'Soccer' vorschlägt, hat es nicht besser verdient.“

„Klaukind“, „Spacko“, „hartzen“

Duden-Chefredakteur Werner Scholze-Stubenrecht kann da nur mit dem Kopf schütteln und Gelassenheit demonstrieren. Es sei ja gerade Aufgabe des Duden, die Veränderungen der Alltagssprache zu analysieren und den Deutschen zu erklären, was etwa ein „Stalker“ oder ein „Shitstorm“ sei, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Anfang Juli ist die 26. Auflage des Duden mit rund 140.000 Stichwörtern und 5.000 neuen Begriffen auf den Markt gekommen. Unter den Neuerungen befinden sich Begriffe wie „Social Media“ oder „Flashmob“, aber auch eher umgangssprachliche deutsche Wörter wie „Klaukind“, „Spacko“ oder „hartzen“. Auch an ihnen entzündete sich Kritik. Die Kriterien formuliert der Experte so: Die Begriffe müssen über einen gewissen Zeitraum immer wieder in unterschiedlichen Quellen auftauchen. „Es dürfen keine Eintagsfliegen sein.“

Scholze-Stubenrecht kann die Angst vor einer Überfremdung der deutschen Sprache nicht nachvollziehen. Sie sei immer schon durch andere Sprachen bereichert worden. Der Anteil der Anglizismen am deutschen Sprachschatz liegt nach Angaben des Chefredakteurs dabei über die Jahre relativ stabil bei 3,5 Prozent; ähnlich hoch ist der Anteil des Französischen. Größter Wortlieferant ist weiterhin das Lateinische mit rund 6 Prozent der Begriffe.

Sündhaftes Sprachverhalten

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist dem zweifelhaften Titel des „Sprachpanschers des Jahres 2013“ nur knapp entronnen. Er wurde wegen seiner „unbeholfenen Exkursionen ins Englische“ auf den zweiten Platz gesetzt. Schon seit Jahren mache er den Übersetzern in Brüssel Konkurrenz und falle damit allen Versuchen in den Rücken, Deutsch als echte Arbeitssprache in der EU zu verankern, so der VDS.

Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die Spielwarenfirma Playmobil und Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hatten in diesem Jahr Chancen auf den Sprachpanscher-Titel. Nahles habe nach ihrer Reise zum „Obama-Headquarter“ in Chicago die SPD-Wahlkampfhelfer in „Campaigner“ umbenannt und die „Give-Aways“ für den Wahlkampf vorgestellt, hieß es im Vorfeld der Entscheidung. Die Firma Playmobil nenne ihr Puppenhaus jetzt „Dollhouse“, die Ritterwelt „Knights and Dragons“ und das Stadtleben „Citylife“.

Der evangelischen Kirche warf der VDS sündhaftes Sprachverhalten vor: Sie hatte eine Weihnachtsaktion mit „Merry Christmas“ überschrieben. „Und damit auch alle wissen, was da eigentlich gefeiert wird, hat die Evangelische Kirche Hessen und Nassau allen Gläubigen zum Fest eine aufwendige Girlande mit dem Aufdruck 'Merry Birthday' zugeschickt.“ Bereits 2011 war die EKD zu den Sprachpanschern gezählt worden. Damals hatten die Sprachschützer ihr vorgehalten, ihre Gläubigen mit „LutherActivities“, „Wellness für die Männerseele“, „marriage weeks“ oder „worship summerpartys“ bei der Stange halten zu wollen.


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