Wer hat bloß diese Diskussion vom Zaun gebrochen, was besser ist – Kino oder Fernsehserien? Es gibt Regisseure, die diese Frage souverän beantworten, indem sie sich nämlich für beides interessieren. Was ja wohl heißt, dass beides gut sein kann. Oder eben auch schlecht.
Unter den deutschen Regisseuren hat soeben Oskar Roehler bekannt, dass er gerne einmal eine Fernsehserie drehen würde; konkret geht derzeit der in Amerika lebende, taiwanesische Oscar-Preisträger Ang Lee ein solches Projekt an. Gerade ist er mit seinem außergewöhnlichen 3-D-Film „Life of Pi“ in den Kinos vertreten, und angesichts der Atem beraubenden Effekte kann man sich auch nicht vorstellen, dass dieses Werk woanders so wirken würde wie auf der Leinwand. Nun aber wendet sich Ang Lee dem Fernsehen zu, zum ersten Mal in seiner Karriere. Er wird als Regisseur und Produzent die Drama-Serie „Tyrant“ realisieren, die eine amerikanische Familie auf Nahost-Reise in politische Turbulenzen schickt.
Mit „Brokeback Mountain“ Furore gemacht
Furore machte Ang Lee bereits vor „Life of Pi“ mit „Brokeback Mountain“, der in Venedig den Golden Löwen gewann. Dieses amerikanische Sittenbild schlug dem puristischen Teil des US-Publikums auf den Magen. Zwei Kuhhirten, die auf den Höhen besagten Berges füreinander entflammen und auch nicht voneinander lassen, als sie später in die Niederungen bürgerlicher Existenzen mitsamt Ehe und Kindern herabsteigen – das war für viele ein Tabubruch. Viel entscheidender für den Streit um den Film aber dürfte gewesen sein, dass Ang Lee seine Story mit einem wenig schmeichelhaften Zeitbild verknüpft. Amerika, das ist in „Brokeback Mountain“ ein rückständiges Hinterland, in dem sich spießige Moralvorstellungen noch zäher halten als die Kuhfladen an den Hosen der Cowboys.



