02.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Susan Sarandon: "Ich habe meine Liebe trainiert"

Susan Sarandon

Susan Sarandon

Foto:

dpa

In „Big Wedding“ läuft es in Sachen Beziehungsleben völlig durcheinander. Wie geht es Ihnen privat?
Susan Sarandon Sagen wir es so: Ich erfahre momentan sehr viel Liebe in meinem Leben. Ich bin selbst voll von ihr und sie wird erwidert. Nicht, dass jeder Tag einfach ist, es gibt Hochs und Tiefs, aber insgesamt bin ich glücklich. Absolut.

Hat sich Ihre Einstellung zur Liebe im Lauf der Jahre gewandelt?
Sarandon Natürlich, das kommt mit der Lebenserfahrung. Ich weiß, wer ich bin und habe meine innere Stimme gefunden. Und weil ich selbst Fehler gemacht habe, habe ich auch ein stärkeres Mitgefühl und verzeihe meinem Partner mehr. Ich verlange nicht mehr so viel, versuche nicht, von ihm Besitz zu ergreifen. Ich glaube, meine Liebe ist inzwischen tiefer und besser geworden. Ich habe sie trainiert wie einen Muskel.

Wie definieren Sie Ihre Liebe jetzt?
Sarandon Ganz entscheidend ist, dass du in dem anderen einen göttlichen Funken siehst. Den musst du respektieren. Und deshalb bist du erfüllt von einem Geist der Großzügigkeit. Wenn du jemanden wirklich liebst, gehst du vertrauensvoll und ehrlich mit ihm um.

Und was suchen Sie in einer Partnerschaft?
Sarandon Einen echten Freund – so etwas habe ich auch in meinen bisherigen Partnerschaften erlebt. Wobei ich gar nicht mal so viele hatte. Ich suche jemand, der genauso ehrlich ist, wie ich es bin. Und der es mir ganz offen sagt, sollte ich doch mal Mist erzählen. Aber es gibt keinen perfekten Partner, der ein ideales Gegenstück darstellt. Das musst du von vornherein wissen. Das gibt es nur im Märchen, das hat nichts mit der Realität zu tun. Und dass du Liebe empfinden kannst, darf nicht davon abhängen, ob sie erwidert wird. Du musst sie in dir selbst tragen. Dann kannst du die ganze Welt verändern.

Und an welchem Punkt beenden Sie eine Beziehung – so wie mit Tim Robbins nach 23 Jahren?
Sarandon Vielleicht, wenn ich begriffen habe, dass sie ihr natürliches Ende erreicht hat. Was in diesem Fall allerdings auch für mich überraschend kam.

Aber zum Glück sieht es ja nun bei Ihnen wieder rosig aus. Was muss ein Mann mitbringen, damit Sie sich in ihn verlieben?
Sarandon Intelligenz. Humor. Ich mag jemand, der Spaß haben kann und auch abenteuerlustig ist.

Ihr derzeitiger Freund Jonathan Bricklin ist 30 Jahre jünger, bei Ihrem früheren Lebensgefährten Tim Robbins gab es zwölf Jahre Unterschied. Spielt das für Sie keine Rolle?
Sarandon Nein, absolut nicht, das hat nie etwas bedeutet. Jüngere Männer sind halt in einer Zeit groß geworden, in der ihre Mütter mehr zu sagen hatten und zur Arbeit gingen. Sie kennen also starke Frauen aus eigener Erfahrung.

Offenbar scheint es zu helfen, wenn ein Mann auch gut Tischtennis spielen kann. Schließlich haben Sie Ihren aktuellen Partner dabei kennengelernt...
Sarandon Das ist eine lange Geschichte. Eigentlich suchte ich nur jemand, der mir beim Schnitt einer Filmdokumentation half. Nun gab es drei Leute Anfang 30, darunter Jonathan. Sie hatten eine Tischtennisplatte in ihrem Loft stehen und immer, wenn die Leute bei ihnen feierten, begannen alle zu spielen – weil das mehr Spaß machte. So fingen die Drei an, Tischtennis-Partys zu veranstalten. Und weil sie auch Schnitt-Ausrüstung hatten, nahm mich eine Freundin zu einem dieser Feste mit. So lernte ich sie alle kennen, hing mit ihnen ab und fand das so toll, dass ich in ihre Idee von Tischtennis-Clubs investierte. Wir haben jetzt schon vier, unter anderem in New York und Los Angeles. In Berlin würde ich auch gerne einen eröffnen.

Warum ausgerechnet Tischtennis?
Sarandon Weil du damit deine rechte und linke Gehirnhälfte trainierst. Du hältst dich fit, ohne deine Gelenke zu stark zu belasten. Männer haben keine Vorteile gegenüber Frauen. Und es ist altersunabhängig, du kannst es spielen, bis du tot umfällst.

Es ist also Ihr Jugendelixier?
Sarandon Sicherlich eines davon, auch wenn ich körperlich vielleicht nicht mehr die Schnellste bin. Aber ganz entscheidend sind meine Kinder – sie sind 20, 23 und 27. Nach all den Jahren, die ich in ihre Erziehung hineingesteckt habe, sind sie nun diejenigen, die mich jung halten. Sie öffnen mir die Augen für neue Dinge. Wir lesen zum gleichen Zeitpunkt dieselben Bücher, über die wir diskutieren. Natürlich kannst du etwas gegen das Altern tun. Ich versuche, mich auch sehr gesund zu ernähren, aber mein Körper wird mich trotzdem eines Tages im Stich lassen. Aber das alles ist nicht so schlimm. Denn du wirst nur alt, wenn du dich geistig verschließt, wenn du glaubst, du weißt alles. Ich dagegen möchte meine Neugier und meine Leidenschaft behalten. Und ich möchte immer lieben.

Das Gespräch führte Rüdiger Sturm