24.08.2016
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Tame Impala: Wie Lennon auf der LSD-Rutschbahn

Kevin Parker, Sänger der australischen Band Tame Impala

Kevin Parker, Sänger der australischen Band Tame Impala

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dpa

Köln -

Es ist nicht bekannt, auf welche Art sich Kevin Parker für seine Musik mental in Stimmung bringt. Duft-Installationen mit einer Vorratspackung Räucherstäbchen, Trommelfell-Massage mittels Ohrenkerzen, esoterische Entspannungsnachmittage in der Hollywoodschaukel – all das ist möglich. Als gesichert kann indes gelten, dass der Australier, Mitte 20 und Mastermind der Band Tame Impala, keinerlei Anlaufzeit braucht, wenn er live die ganz große musikalische Rolle rückwärts dreht.

Mit „Led Zeppelin“ legt Parker, flankiert von vier Musikern, im ausverkauften Gloria los, und bereits mit dem Opener ist klar, dass derzeit kein Zweiter so hemmungslos und stilsicher auf der Schwingtür zwischen Psych-Rock, Psychedelic-Pop und Krautrock surft. Wuchtig und tonnenschwer sind die Gitarrenriffs, bleiern ist  der ganze Sound, das Fenster zum Epigonentum ist sperrangelweit offen, wenn Tame Impala zugange sind – und Kevin Parker hat den Mumm im schmächtigen Körper, sich ganz weit rauszulehnen.

Mission angenommen

Was er dabei sieht, ist Musik, die in den späten 60ern bis Mitte der 70er Jahre en vogue war, und Kevin Parkers Mission ist, die Vergangenheit klanglich ins Hier und Jetzt zu pflanzen. Mit jedem Song von der Setlist, die sich aus dem Debüt „Innerspeaker“ und dem aktuellen Album „Lonerism“ speist, wird klar und klarer: Mission angenommen, mission accomplished.

Bei „Be Above It“ klingt Parker wie der späte John Lennon auf der LSD-Rutschbahn, Songs wie „Apocalypse Dreams“ und „Alter Ego“ wabern um die Wette mit den nächsten Loops, die allesamt mit der Technik von heute hergestellt sind, aber trotzdem so klapprig klingen, als seien sie im Mai 1973 fabriziert worden.

In der Gegenwart zu Hause

Die klanglichen Botschaften, die Tampe Impala senden, geben vor, aus der vordigitalen Zeit zu stammen, sind aber natürlich alle in der Gegenwart zu Hause. Von Tame Impala aber lässt man sich als Zuschauer gern beschummeln. Zum einen, weil die Spiralen der Erinnerung, die die Band permanent in Gang setzt, einfach kundig inszeniert sind.

Und zum anderen, weil die Visuals im Bühnenhintergrund perfekt zur Vernebelung der Synapsen beitragen. Kreisel werden zu Trapezen, aus Linien werden in Windeseile Gittermuster, ein waches Auge wird in Nullkommanichts zu einem pochenden Herz.

Und weil all das in den schönsten psychedelischen Farben gehalten ist, von denen sogar die Schlange Kaa aus dem „Dschungelbuch“ beeindruckt wäre, kann einem schon mal schnell schwupps im Schädel werden. Das breitbeinige „Elephant“ spielen Tame Impala dann noch, und bei dem Song müssen wir an den dazugehörigen Videoclip denken, in dem ein pinkfarbener Elefant Trompete spielt. Fall wir dem mal im echten Leben über den Weg laufen, werden wir nett zu ihm sein; er ist es schließlich auch.

 

 

 


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