27.06.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

The Voice Kids: Talentierte Kinder, nervende Lena

The Voice Kids

Die Musiker und Coaches von "The Voice Kids", Henning Wehland (l-r), Lena Meyer-Landrut und Tim Bendzko.

Foto:

dpa

Köln -

Es ist kaum zu glauben, dass dieses kleine Mädchen so singen kann. Nicole, 9, Jahre, Berufswunsch Star, singt so gar nicht  wie man es erwarten würde. Ihre Stimme klingt so weich, schön und dabei so erwachsen. „Die ist ein Mega“, sagt Lena Meyer-Landrut, nachdem sie erst mal vor Freude um ihren Jury-Stuhl getanzt ist, weil Nicole in ihr Team kommen wird.

The Voice Kids funktioniert nach dem gleichen Schema wie The Voice Germany mit erwachsenen Teilnehmern. In der ersten Runde müssen die Kinder zwischen 8 und 15 Jahren allein mit ihrer Stimme die Jury, bestehend aus Henning Wehland, Lena Meyer-Landrut und Tim Bendzko überzeugen, zu buzzern und sich damit mit ihrem Stuhl zum Sänger umzudrehen und ihn dadurch in sein Team einzuladen. Der Gewinner der Show erhält ein Bildungsstipendium von 15 000 Euro und bekommt – wenn die Eltern zustimmen – auch einen Plattenvertrag.

Talent haben einige

Das Talent dafür haben einige von ihnen. Die Kinder singen wirklich gut, haben schon ihre eigenen Persönlichkeiten entwickelt und sind so talentiert wie auch die Erwachsene, die bei The Voice of Germany teilnehmen. Gregory, 13, gelingt es mit seiner Stimme aus „I kissed a girl“ von Katy Perry schon seine ganz eigene Version zu machen, Tim fällt nicht nur auf, weil er brillant singt, sondern seinen ganz eigenen Modestil entwickelt hat, mit Boots, angedeuteter Elvis-Tolle und zerrissenen Jeans. Emma, 13 mit rot und blau gefärbten Haarspitzen, singt so schön den Song „Va, Va Voom“, dass sich gleich alle drei Jury-Mitglieder umdrehen und sie anbetteln in ihr Team zu kommen. Michelle mit dem Song „If I aint got you“ motiviert die Jury zu einer ganzen Reihe Begeisterungsrufe.

Nicht halb so gut und überzeugend ist hingegen die Jury The Voice Kids selber.

Eine Spur zu überdreht

Grand-Prix-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut ist eine Spur zu überdreht und kindlich, dass es eher nervt als unterhaltsam ist. „Sie ist immer so“, sagen die die anderen beiden Jury-Mitglieder über sie, wenn sie mal wieder wie auf Drogen durchs Studio tanzt. Die Kinder mögen das wohl, für den Zuschauer ist anstrengend. Tim Bendzko wirkt zwar nett, sympathisch, aber auch die Kebbeleien zwischen ihm und Lena sowie Henning Wehland, Sänger der H-Blockx und der Söhne Mannheims, wirken aufgesetzt und angestrengt.

Insgesamt sind sie im Zusammenspiel längst nicht so witzig und unterhaltsam wie die The Voice of Germany-Jury mit The Boss Hoss, Nena, Rea Garvey und Xavier Naidoo. Und gerade das machte doch irgendwie die Sendung und den Erfolg von The Voice of Germany aus.

In Deutschland ist der Versuch, Quote mit singenden Kindern zu machen, mit DSDS Kids und einer Einschaltquote von durchschnittlich knappen zwei Millionen Zuschauern erst vor wenigen Monaten gescheitert. Der Auftakt von The Voice Kids mit 4,36 Millionen vergangene Woche Freitag war dafür sehr erfolgreich. Ob die Sendung einen ähnlichen Status erreicht wie in Holland bleibt abzuwarten. Dort erreicht Voice Kids einen Marktanteil von bis zu 40 Prozent.