31.07.2016
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TV-Tipp: Eine Doku so groß wie das Leben

Die Dokumentarfilmer Hans-Georg Ullrich (l.) und Detlef Gumm

Die Dokumentarfilmer Hans-Georg Ullrich (l.) und Detlef Gumm

Foto:

Ulrich/WDR

Absoluter TV-Tipp Dienstag für den 19. Februar

 Alles hat einmal ein Ende, auch das längste Langzeitprojekt. Sagenhafte 26 Jahre lang haben die beiden Dokumentarfilmer Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich 30 Menschen aus Berlin-Wilmersdorf mit der Kamera begleitet. Kleinbürger waren dabei, ein schwules Pärchen (was 1986, bei Beginn des Drehs, längst nicht „normal“ war), eine türkische Familie, ein reicher Jurist, eine alleinerziehende Sozialhilfeempfängerin.

„Berlin – Ecke Bundesplatz“ (3Sat, 22.25 Uhr, insgesamt vier Folgen) ist ein gesellschaftlicher Querschnitt und ein filmischer Fingerabdruck des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts, das Format bildet Ängste, Wünsche, Träume und Sehnsüchte der Protagonisten ab – und kann ob seiner Länge auch zeigen, was aus den Ängsten, Sehnsüchten und Wünschen geworden ist und wo der Alltag (der auch in Berlin – Bundesplatz oft so ist, wie er auch ohne Fernsehen daherkommt: nervig und/oder sterbenslangweilig) eine herbe Diskrepanzschneise zwischen die Träume und die Realität geschlagen hat.

Aus tausenden Stunden Rohmaterial haben Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich im Laufe der Jahrzehnte 60 Stunden Echtzeitfilm gemacht, und das Ergebnis diese Mammutaufgabe ist – und das ist im Farbfernsehen nun wahrlich längst nicht immer der Fall – so wie das echte Leben: bewegend, anrührend, melancholisch, mitunter randvoll mit Glück und mindestens genauso oft tieftraurig. Absolute Empfehlung.