28.07.2016
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Übernahmen: US-Zeitungen droht Rechtsdruck

Das Verlagsgebäude der L.A. Times in Downtown Los Angelos.

Das Verlagsgebäude der L.A. Times in Downtown Los Angelos.

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AFP

Die Gebrüder Koch, deren Vermögen nur von dem von Bill Gates und George Soros übertroffen wird, wollen jegliche sozialstaatlichen Leistungen abschaffen. Sie möchten staatliche Regulierung jeder Art grundsätzlich beenden und sämtliche staatlichen Schulen schließen. Den Klimawandel halten sie für eine Erfindung linker Radikaler.

Bislang haben die Ölmilliardäre versucht, ihre extremen Botschaften zu verbreiten, indem sie die Tea Party und Aktivisten rechts dieser Gruppierung finanzierten. Im vergangenen Jahr haben sie schätzungsweise eine Milliarde Dollar ausgegeben, um die Wiederwahl von Obama zu verhindern. Jetzt haben sie einen neuen Plan: Sie wollen im großen Stil Zeitungen kaufen.

In den kommenden Wochen wird die Tribune Company zum Kauf angeboten werden, ein Verlagskonglomerat mit einigen der noch immer größten und einflussreichsten Zeitungen des Landes. Die „Chicago Tribune“ gehört ebenso dazu wie die „Los Angeles Times“ – die jeweils wichtigsten Stimmen in zwei der größten Städte des Landes. Gemäß eines Berichts der „New York Times“ vom Wochenende hat das Unternehmen der Kochs, Koch Industries, Interesse an einem Kauf signalisiert.

Sollten die Koch Brothers tatsächlich zuschlagen, würde dies einen der bedenklichsten Trends auf die Spitze treiben, die sich aus der Zeitungskrise der vergangenen Jahre ergeben haben. Schon in San Diego und in Philadelphia haben Privatinvestoren marode Zeitungen aufgekauft, um mit ihrer Hilfe ihren politischen und wirtschaftlichen Interessen eine Plattform auf lokaler Ebene zu verschaffen. Eine Übernahme der Tribune Company durch die Kochs könnte jedoch die gesamte amerikanische Medienlandschaft nach rechts rücken.

Die „Los Angeles Times“, zu Beginn dieses Jahrtausends mit Pulitzer Preisen nur so überschüttet, ist die viertgrößte Zeitung der USA, die „Chicago Tribune“ steht auf Platz neun. Hinzu kämen ein halbes Dutzend Zeitungen in Staaten, die bei Präsidentschaftswahlen traditionell auf der Kippe stehen: Florida, Pennsylvania und Virginia. Noch attraktiver wird das Paket, das auf 623 Millionen Dollar geschätzt wird, dadurch, dass zur Tribune Company einige der wichtigsten spanischsprachigen Zeitungen der USA gehören.

Die Tribune Company war bereits vor Jahren durch die Zeitungskrise ins Schlingern geraten. Im Jahr 2007 wurde der Medienkonzern deshalb von dem Chicagoer Immobilienmogul Sam Zell gekauft, der versprach, das Unternehmen wieder auf solide Füße zu stellen. Zell machte die Situation nur schlimmer. Er überschuldete die Zeitungen und höhlte sie journalistisch aus. Altgediente Redakteure flohen in Scharen vor dem neuen Management. Im Juli 2012 musste die Tribune Company dann Insolvenz anmelden. Nun steht sie nach einer Restrukturierung erneut zum Verkauf.

Offiziell haben Koch Industries das Kaufinteresse an der Tribune Company noch nicht bestätigt. Der Bericht der „Times“ berief sich auf Quellen aus dem Medienhaus. Die Übernahme würde jedoch bestens zu der erklärten politischen Strategie der Kochs passen. Bei einem Treffen wohlhabender Konservativer in Colorado vor drei Jahren hatten die Kochs einen Plan vorgelegt, das Land den Liberalen wieder zu entreißen und die vermeintliche Übergriffigkeit der Regierung zu stoppen. Dazu gehörte die Finanzierung konservativer Think Tanks und politischer „Action Commitees“ – formal unabhängiger Wahlkampforganisationen. Dazu kommen sollte eine offensive Medienstrategie.

In den ersten beiden Bereichen sind die Kochs seit vielen Jahren aktiv. Zwischen 1998 und 2008 spendeten die Brüder laut einem Artikel im „New Yorker“, der vor drei Jahren erstmals die Kochs ins Rampenlicht brachte, mehr als 250 Millionen Dollar an konservative Organisationen. Dazu gehörte die Washingtoner Vereinigung Freedom Works – einer der Hauptfinanziers der Tea Party. Zum Medienbereich hatten die Kochs bislang jedoch noch keinen rechten Zugang gefunden.

Die Medienaktivitäten der Libertarier aus Nebraska beschränkten sich bislang vorwiegend auf eine Website , auf der sie versuchen, dem Mainstream der Medien eine liberale Voreingenommenheit nachzuweisen. Die „Tribune“-Insolvenz bietet ihnen nun eine Gelegenheit, die verhasste Medienlandschaft in ihrem Sinn zu verändern.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Branche dürften da wenig abschrecken. Der Umsatz ihres Konzerns, zu dem neben Asphalt-, Chemie- und Papier- auch Düngemittel-Unternehmen gehören, wird auf 110 Milliarden geschätzt. Ein paar defizitäre Zeitungen fallen nicht weiter ins Gewicht.