29.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

WDR-Intendant: Der Protestbrief an Buhrow

Lieber Tom Buhrow,

als Sie vor wenigen Monaten Ihr Amt als Intendant bei uns antraten, sagten Sie: „Der WDR  braucht nun einen Kommunikator.“ Deswegen wenden wir – MitarbeiterInnen des WDR-Hörfunks – uns nun vertrauensvoll an Sie.

Am Donnerstag (14.11.) haben Sie Valerie Weber als Ihre Wunschkandidatin für die WDR-Hörfunkdirektion benannt. Wir verstehen diese Wahl nicht und bitten um Erklärung.

Valerie Weber ist ohne Zweifel eine sehr erfolgreiche Radiomanagerin. Sie hat ihre Erfolge über Jahrzehnte allerdings ausschließlich im Privatfunk erzielt. Wir fragen uns – und damit Sie:

+ Kann eine Persönlichkeit wie Valerie Weber plötzlich überzeugte Anhängerin des öffentlich-rechtlichen Systems sein und es in diesen schwierigen Zeiten mit Leidenschaft führen und nach außen verteidigen?

+ Wie soll der WDR-Hörfunk in  der ganzen Bandbreite seiner Qualitäts-Programme authentisch von einer Persönlichkeit geführt werden, die Ihre unbestrittenen Quoten-Erfolge im Radio ausschließlich in Programmen mit einem Mix aus seichtem Pop, reißerischer Eigenwerbung, Regionalpatriotismus, ständigen Gewinnspielen und Comedybeiträgen erzielt hat – kurz: reinem Formatradio?

+ Für was soll eine Programmdirektorin zukünftig beim WDR stehen, die bei Antenne Bayern Aktionen wie den „Maibaumklau 2013“ vertreten hat: Wo der „Morgenshowmoderator“  beim Maibaumklau „entführt“ wird und Antenne Bayern ihn dadurch auslöst, dass der Sender den ganzen Morgen nur zwei Lieder spielt: „Last Christmas“ und den „Bacardi-Song“. Dass der Sender dies anschließend feiert, man habe „ein bisschen Radiogeschichte geschrieben“ sei nur am Rande erwähnt.

+ Für was soll eine Programmdirektorin im WDR künftig stehen, in deren Wikipedia-Eintrag bis kurz nach ihrer Nominierung durch Sie noch das Zitat stand  „Nur sinnlose und zweckfreie Spiele lassen Menschen zu sich finden. Sie regen an zu Kreativität und Phantasie. Je sinnloser, desto erfolgreicher sind sie." Dieses Zitat war am Tag danach bei Wikipedia gelöscht. Nicht gelöscht ist es auf der Seite der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien in einem Bericht über eine Tagung (11./12.Juli  2005). Hier findet sich auch folgendes Zitat von Valerie Weber: "Es ist enorm wichtig, dass wir die Menschen zum Spielen bringen, denn das erlaubt ihnen das Abtauchen in eine Scheinwelt, um den Problemen des Alltags zu entfliehen." Ist dies öffentlich-rechtlicher Anspruch?

Lieber Herr Buhrow, wir bitten Sie, unsere Fragen in einer kurzfristig einzuberufenden Versammlung zu beantworten (noch vor der Wahl Valerie Webers durch den WDR-Rundfunkrat).

Zur Nominierung von Jörg Schönenborn als neuem Fernsehdirektor beglückwünschen wir Sie im Übrigen ausdrücklich. 


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?