25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | WDR-Intendant: Protestbrief an Tom Buhrow
19. November 2013
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WDR-Intendant: Protestbrief an Tom Buhrow

Valerie Weber

Antenne Bayern-Programmdirektorin Valerie Weber - hier gemeinsam mit Geschäftsführer Karlheinz Hörhammer.

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dpa

Köln -

150 Mitarbeiter des WDR-Hörfunks haben bis Montagmittag den Protestbrief an Tom Buhrow unterzeichnet und gefordert, in den nächsten Tagen kurzfristig – also vor der Sitzung des WDR-Rundfunkrats am Freitag – eine Versammlung einzuberufen, um über die umstrittene Nominierung von Valerie Weber für den Posten der Hörfunkdirektorin zu sprechen. Buhrow hat den Brief bereits am Freitagabend erhalten. WDR-Sprecher Birand Bingül sagte, Buhrow nehme die Fragen im Haus sehr ernst, er habe schon diverse Gespräche in dieser Woche geführt. Er habe zugesagt, dass die Mitarbeiter Antworten auf ihre Fragen erhalten.

Wie aus Kreisen der ARD-Hörfunkkommission zu hören ist, hat Buhrows Entscheidung auch in den Hörfunkdirektionen der anderen ARD-Anstalten für Erstaunen und teilweise auch Entsetzen gesorgt. Valerie Weber sei ohne Zweifel eine sehr erfolgreiche Radiomanagerin, heißt es in dem Schreiben der Redakteure. Sie habe ihre Erfolge jedoch ausschließlich im Privatfunk erzielt. Daher fragen sie, ob die 47-Jährige „plötzlich überzeugte Anhängerin des öffentlich-rechtlichen Systems sein und es in diesen schwierigen Zeiten mit Leidenschaft führen und nach außen verteidigen“ könne. „Tom Buhrow wollte sowohl personelle Kontinuität als auch Erneuerung. Vielfalt bereichert: Innen- und Außenansicht, Mann und Frau, Informations- und Unterhaltungsbackground. Je mehr Perspektiven, desto besser ist das Bild, das sich die Geschäftsleitung machen kann. Desto fundierter können auch Entscheidungen getroffen werden“, begründete WDR-Sprecher Bingül Buhrows Entscheidung.

Im Übrigen rege sich beim Fernsehen niemand mehr über einen Wechsel zwischen beiden Seiten auf, beim Hörfunk werde das jedoch als symbolischer Schritt empfunden: „Warum eigentlich?“ Weber habe ein gutes Verständnis für das WDR Radio: „Sie weiß, dass es eine lange und kostbare Tradition hat, die es zu verteidigen und auszubauen gilt.“

Weber, die Germanistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte studierte, ist seit 2006 Geschäftsführerin von Antenne Bayern und Rock Antenne. In dieser Zeit gelang es ihr, die Hörerzahlen deutlich auf zuletzt knapp 1,3 Millionen pro Stunde zu steigern. Ihrem Profil auf der Internetseite von Antenne Bayern ist zu entnehmen, dass sie „Lizenzierungs-Poker und Programm-Auflagen“ nicht mag. Was sie mag und welche Pläne sie für den WDR hat, dazu äußerte sich Valerie Weber am Montag auf Anfrage dieser Zeitung nicht. Die Pressestelle erklärte lediglich, dass Antenne Bayern Nominierungen anderer Rundfunkanstalten nicht kommentiere.

Die unterzeichnenden WDR-Mitarbeiter zeigen sich skeptisch, ob der WDR-Hörfunk „in der ganzen Bandbreite seiner Qualitäts-Programme“ authentisch von einer Persönlichkeit geführt werden könne, die ihre Quoten-Erfolge im Radio „ausschließlich in Programmen mit einem Mix aus seichtem Pop, reißerischer Eigenwerbung, Regionalpatriotismus, ständigen Gewinnspielen und Comedybeiträgen – kurz: reinem Formatradio“ erzielt habe. Eine Seite bei Facebook mit dem Namen „WDR Flurfunk“, auf der über die Personalie diskutierten, wurde am Wochenende gelöscht. Der WDR erklärte, keinerlei Einfluss auf diese Seite genommen zu haben.

Am Mittwoch soll die Personalie im Rahmen einer Versammlung im WDR diskutiert werden.