29.09.2016
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Youtube-Star interviewt Angela Merkel: LeFloid knickt im Interview vor der Bundeskanzlerin ein

Youtube-Star LeFloid interviewt Kanzlerin Angela Merkel.

Youtube-Star LeFloid interviewt Kanzlerin Angela Merkel.

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Bundesregierung via Getty Images

Köln -

Vor zwei Jahren, Barack Obama war zu Besuch in Berlin, ließ sich die Kanzlerin auf einer Pressekonferenz zu dem unglücklichen Satz hinreißen: „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Worauf sich kübelweise getwitterte Häme über Merkel ergoss, die Kanzlerin erlebte quasi ihre ganz eigene Ice-Bucket-Challenge. Nun hat sie sich also dem Youtube-Star LeFloid, bürgerlich Florian Mundt, gestellt, Deutschlands bekanntesten Videoblogger.

Denn ausgerechnet bei der Zielgruppe, die  das Fernsehen für werberelevant hält, sind die flotten, meinungsfreudigen und selbstredend völlig boulevardesken Nachrichten-Aufbereitungen des Berliners fast doppelt so populär wie die Tagesschau. Mehr als 2,6 Millionen User haben seinen Kanal abonniert, seine erfolgreichsten Videos tragen marktschreierische Titel wie „Vormittags Schülerin – Abends Hure“ oder „Supernanny tötet Hund“.

„Kennen Sie einen russischen Whistleblower?"

Die prinzipiell unaufgeregte Angela Merkel bewegt sich also definitiv außerhalb ihrer Wohlfühlzone. Möchte man meinen. Das Gegenteil war der Fall. Entspannt saßen sich Kanzlerin und Youtuber in einer lichtdurchfluteten Ecke des Kanzleramts gegenüber, im Hintergrund der Reichtags. Merkels blauer Blazer strahlte preußischblau, LeFloid trug ein schlicht schwarzes Polohemd zur schwarzen Baseballkappe, die ein mit weißem Garn aufgestickter, toter Vogel zierte.

In einer alten „LeNews“-Folge hat er Merkel schon mal als „fremdgesteuerte Industriehure“ beschimpft, es ging um den NSA-Abhörskandal. Jetzt lässt er sich auf seine Fragen nach Merkels Bewertung der Snowden-Enthüllungen mit einem hingeschnodderten "Abhören unter Freunden geht gar nicht" abspeisen. Und Merkels Meinung zu Whistleblowern im Allgemeinen? "Es gibt sie. Damit muss man leben." Als LeFloid daraufhin nachfragt - warum eigentlich? - ob es für sie eine Rolle spiele, woher ein Whistleblower kommt, ist Merkel endgültig in ihrem Element. Sie stelle es sich schwierig vor, in Russland Whistleblower zu sein, sinniert sie und fragt dann amüsiert nach: "Kennen Sie denn welche?"

Fragen wie aus der „Bunte“

Spätestens jetzt ist es Merkels Youtube-Show. Die Kameraführung ist ja schon so ruhig, als säße ihr Peter Hahne gegenüber. Als einziges Gestaltungselement der "LeNews"-Show sind ein paar eingeblendete Twitter-Meldungen geblieben. Auf Merkels Ausführungen reagiert LeFloid mit "absolut", "da sind wir tatsächlich einer Meinung" und "ist ja cool" - auf Merkels Versprechen hin, dass man sich um niedrigere Umweltschutz- oder Verbraucherschutz-Standards nach dem Freihandelsabkommen keine Sorgen machen müsse.

Umgekehrt weicht Merkel kein Stück weit von Positionen ab, die unter LeFloids Fans wohl kaum eine Mehrheit fänden. Die Ehe, wiederholt sie auf Nachfrage, sei für sie das Zusammenleben von Mann und Frau. Aber natürlich dulde sie keine Diskriminierung.

Und Cannabis-Legalisierung? "Oh, da bin ich sehr restriktiv." Womit LeFloid keine Probleme hat: "Ich bin in der glücklichen Lage, dass es mich nicht betrifft." Da freut man sich schon auf die Kommentare unterm Video. Die restlichen Fragen klingen eher nach "Bunte": wie die Kanzlerin entspannt, was Ihr Bauchgefühl so sagt ("Ich habe ja auch noch ein Kopfgefühl", frotzelt Merkel), warum Sie sich nicht stärker in den Sozialen Medien engagiere. Endlich. Die "Neuland"-Frage. Aber diesmal ist Merkel bestens vorbereitet. Sie habe sogar schon mal bei Google Hangout mitgemacht, plaudert die Kanzlerin. Und belehrt den jungen Mann dann darüber, dass es gar nicht so unproblematisch sei, wenn die Regierung nur noch über eigene Kanäle kommuniziere. "Da fehlten dann doch die kritischen Fragen."

Genau die fehlten auch LeFloid. Die Kanzlerin aber lächelte, sie hatte sich erfolgreich Neuland erobert.

Und so reagiert das Netz auf das Interview: