23.07.2016
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ZDFneo und EinsPlus: Kurzer Flirt mit Herrn Böhmermann

ZDFneo

ZDFneo-Moderator Jan Böhmermann und taz-Journalist David Denk.

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Jule Roehr

Speed Dating, das ist die schnelle Form, jemanden kennenzulernen. Ein Blick, eine Handvoll Fragen, ein Gong - und weiterrücken. Auf der Suche nach Partnern hat sich dieses Instrument bewährt. Aber taugt es auch, um neue Fernsehzuschauer zu rekrutieren? ZDFneo hat es jetzt bei der Vorstellung seines neuen Programms ausprobiert.

Neo, das ist der Sender, der Querdenkern wie Sarah Kuttner Freiraum lässt und als erster US-Serien wie die "Mad Men" ins deutsche Free-TV holte. Der Anteil der Neo-Zuschauer hat sich seit dem Start des digitalen Kanals 2009 versechsfacht, aber weil sie mit 0,6 Prozent nicht ins Gewicht fallen, ringt er immer noch um seine Existenzberechtigung.

ARD und ZDF planen einen Jugendsender, und weil es jetzt schon sechs öffentlich-rechtliche Digitalkanäle gibt, sollen zwei von ihnen fusioniert werden. Im Gespräch sind EinsPlus und, jawohl, ZDFneo. Was erklärt, warum dieser renitente Spross des ZDF bei der Programmvorstellung jetzt Krach machte.

Da saßen sie an einer Tafel, Newcomer wie der Autor Thilo Mischke, der ab 11. Juli das Sexmagazin "Heiß und Fettig" moderiert, und alte Bekannte wie Manuel Möglich, der Reporter, der in der Reihe "Wild Germany" den Spuren von Schamanen, Pädophilen oder Illegalen folgte. Für ein neues Format begleitet er Prominente wie dem BAP-Sänger Wolfgang Niedecken an den Ort ihrer Kindheit. "Heimwärts mit ..." heißt die Porträtreihe.

Die Kürze der Zeit zwingt die Moderatoren, sich und ihr Format pointiert zu verkaufen. Keiner kann das besser als der Radio- und Fernsehmoderator Jan Böhmermann, 32.

Herr Böhmermann, wer sind Sie - und wenn ja, wie viele?

Jan Böhmermann: Mein Name ist Jan Böhmermann, und ich bin eine Mischung aus Jan Böhmermann, dem frühen Markus Lanz und dem sehr, sehr, sehr späten Frank Elstner.

Wo habe ich Sie schon mal gesehen?

Böhmermann: Wahrscheinlich im Internet, in der ZDF-Mediathek. Folgen von meiner eingestellten Talkshow, die ich mit Charlotte Roche für ZDFkultur moderiert habe.

Was, um Gottes willen, hat Sie ins Fernsehen getrieben?

Böhmermann: Meine Eitelkeit.

Erklären Sie bitte meiner Oma, was ZDFneo ist.

Böhmermann: ZDFneo, das ist das, was da läuft, wenn man vorm Internet einschläft und nachts um drei wieder aufwacht. Zu sagen, Neo sei das Kind des ZDF, stimmt nicht. Es ist eher das ungehörige, pampige Balg, das das ZDF mit irgendjemandem gezeugt hat, der nichts mit dem ZDF zu tun hat.

Und wie muss sich Oma das Neo-Magazin vorstellen, das Sie ab Herbst moderieren?

Böhmermann: Im Prinzip ist es die Weiterentwicklung des ZDF-Magazins mit Gerhard Löwenthal, das von 1969 bis 1988 lief. Das war der Vorgänger von "Frontal 21", als Politmagazine noch Propaganda betrieben haben. Der Moderator hat gesagt, was Sache ist.
Löwenthal war das BRD-Pendant zum Kommentator des DDR-Fernsehens, Karl-Eduard von Schnitzler, genannt "Sudel-Ede" . . .

Böhmermann: . . . genau, der war genauso reaktionär. Eine spannende Position . . .

. . . die Sie sich ausgesucht haben?

Böhmermann: Absolut. Hinter der Sendung steht dieselbe Produktionsfirma, die "Roche & Böhmermann" produziert hat. Talkshows sind sowas von out.

Vervollständigen Sie den Satz: Fernsehen, das mir gefällt, muss . . .

Böhmermann: . . . neu sein, mit Liebe gemacht. Und man muss ihm ansehen, dass die Leute es freiwillig machen, nicht aus Versehen.

Wenn ich einen richtigen Beruf gewählt hätte, wäre ich . . .

Böhmermann: . . . Journalist geworden.

Brauchen wir einen Jugendkanal?

BÖHMERMANN: Nein.

Wenn Sie zu alt sind für ZDF Neo sind, dann . . .

Böhmermann: . . . kaufe ich mir ein Haus in der Nähe von Bitterfeld und versuche, Olivenbäume anzupflanzen.