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Zum Beatles-Musical „Let it be“: Die besten Songs der Pilzköpfe

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Mit den echten Beatles kann kein Musical mithalten: Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr am Schlagzeig and John Lennon bei einem Konzert in der Carnegie Hall in New York. Foto: AP/dpa
Die Show „Let It Be“ versucht im Kölner Musical Dome noch bis Sonntag, die Beatlemania der 60er Jahre in die Gegenwart zu transportieren. Dass das schwer fällt, ist kein Wunder. Die ksta.de-Kollegen über ihre Lieblingslieder der Pilzköpfe.  Von
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Köln

Ein bisschen Nebel und im Hintergrund das Bild eines Gewölbes. Das muss reichen, um die schummrige Stimmung im Liverpooler Cavern Club Anfang der 60er Jahre in den Kölner Musical Dome zu holen. Vier schmale Jungs stehen in Anzügen auf der Bühne und sehen mit ihrem Pottschnitt ein wenig aus wie zu groß geratene Konfirmanden. Und doch würde jeder Fan wohl viel geben, bei einem der damaligen Auftritte dabei gewesen zu sein. Man hat schließlich nicht oft die Gelegenheit, dem Aufgang eines Sterns zuzuschauen.

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„Let It Be“ heißt die Show vom Londoner Westend, die noch bis Sonntag in Köln versucht, diese Situation nachzustellen. Jungen und alten Fans ein Gefühl davon zu geben, wie es gewesen sein muss, die vier Musiker live zu sehen. Doch es bleibt eine Illusion. Den Zauber der echten Fab Four kann das Musical nicht transportieren. Deswegen haben wir in unserer Redaktion die - zugegebenermaßen schwierige - Frage gestellt: Welcher Song der Beatles ist der beste, der bewegendste, der zukunftsweisendste? Hier die Antworten unserer Kollegen:

„Back in the USSR“

Mit dem schrillen Heulen eines Jets beginnt das Weiße Album der „Fab Four“, und der Aufschrei der  Konservativen in den USA war kaum leiser – da schwärmt Paul Mc Cartney von den Moscow- und Ucraine-Girls, von der Rückkehr in die UdSSR, und das mitten im Kalten Krieg. Der Song ist laut, chaotisch, fröhlich und unbekümmert. Mc Cartney und George Harrison singen einen kitschigen  Chor im Stil der Beach Boys, und man hört dem vergnügten  Durcheinander nicht mal an,  dass es bei den Aufnahmen solchen Zoff zwischen Ringo Starr und den anderen drei Beatles gab, dass der die Stöcke wegwarf und statt seiner Paul Mc Cartney am Schlagzeug saß. - Eileen Radix

„I am the Walrus“

„I am the Walrus“ ist rhythmisch, verschroben, lyrisch, episch, überraschend, differenziert arrangiert und irgendwie auch psychedelisch - so, wie es damals, 1967, Mode war. Auch heute läuft es mir noch kalt den Rücken herunter, wenn ich es höre. Sicher auch, weil das „Walrus“ die Musik für meinen eigenen kleinen Film liefert: die ersten Disko-Besuche, Debatten, Proteste, Partys, Mädels, erste Barthaare, das weite, brütend langweilige (nördliche) Ost-Westfalen. Das und mehr zieht in Sequenzen an mir vorbei. Glückliche Jahre. - Peter Pauls

Wind, Regen, Straßenverkehr, das Klackern der Computer-Tasten, überall liegt Musik in der Luft. Wer dieses Geheimnis erst einmal entdeckt hat, genießt fortan ein Leben voller Glücksmomente. Auf die Sprünge geholfen haben dabei manchem Musikfreund die Beatles mit ihrem Avantgarde-Welthit „I‘m The Walrus“. Das Intro erinnert gleich an eine Polizeisirene. Was folgt ist eine schräge Mini-Symphonie aus Sound-Fetzen und Geräuschen, hergestellt freilich vor allem mit Musikinstrumenten, auch Streicher sind dabei. Und das Ganze lässt sich auch noch leicht mitsummen, so dass eigentlich jeder leicht drauf kommen kann: Alles ist Klang. - Peter Limbach

„A Day in the Life“

In „A Day in the Life" höre ich all das, was unsere Welt und ganz besonders mich kleinen Jungen in meiner Kindheit bewegt hat. Ich verspüre eine süße Sehnsucht nach jenen Jahren, in denen das Universum darauf wartete, doch endlich von mir erobert zu werden. Und dann gibt es da noch die Cover-Version des Gitarren-Gottes Jeff Beck – zum Weinen schön. - Andreas Damm

„Eight Days a Week“

She Loves You? A Hard Day's Night? Can't Buy Me Love? Nein, mein liebstes Stück der Beatles ist ein anderes, nämlich: Eight Days a Week. Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich es musikalisch wesentlich besser als seine grandiosen Konkurrenten finde, sondern daran, dass ich eine besondere Erinnerung an den Song habe: Als ich im Alter von vier oder fünf Jahren (sagen wir: ungefähr) herausgefunden habe, wie man die Musikanlage meiner Eltern bedient, habe ich einfach mal die nächstbeste CD eingelegt und einfach so lange auf den Knöpfen der Anlage herumgedrückt, bis irgendwann Musik ertönte.

Die Chance, in der Sammlung meiner Eltern eine Scheibe von den Beatles zu erwischen, war recht hoch. Ich erinnere mich auch knapp 20 Jahre später noch an die ersten Töne: Es war eine der CDs aus dem roten Album, Lied 3: „Ooh I need your love babe“ - für mich klang das eher wie „Hubanidolofbäb“, trotzdem gibt es seit diesem Tag einen Beatles-Fan mehr. Daran hat sich bis heute nichts geändert. - Philip Sagioglou

„Please, Mr. Postman“

Ist klar: Die Experten betonen ja unablässig, dass die Beatles ab „Revolver“ am besten waren. Mag ja sein. Aber am aufregendsten waren sie doch, als sie ihrem Namen entsprechend Beat spielten, nämlich: Schnell. Geradeaus. Ohne Schnörkel und Kompositions-Tamtam. Diese Phase von ihnen mag ich am liebsten. Und am liebsten aus dieser Phase ist mir ein - von ihnen sogar geklauter - Song: „Please, Mr. Postman“. Der hat alles, was den Beat als Urviech des Rock ausmacht und lässt mich als 72er-Jahrgang glauben zu wissen, was damals in den Ohren und Köpfen unserer bis dahin musikalisch wenig verwöhnten Eltern vorgegangen sein muss: Romanze und Revolte. - Frank Weiffen

„Here comes the sun“

Ich gehöre eigentlich zur Stones-Fraktion und mag die streberhaften Studenten-Beatles gar nicht – aber „Here comes the sun“ ist eine Ausnahme. Es ist weder von Lennon noch von Mc Cartney wie die meisten Songs von ihnen und es zaubert sofort Sonne in den Raum. Obwohl Harrison es in einer für ihn schweren Zeit geschrieben hat – wahrscheinlich um ganz hippiemäßig – let the sunshine in! - Pamo Roth

„Helter Skelter“

Die Beatles bei den Aufnahmen im Studio:

Das weiße Album der Beatles ist für mich immer noch ein Meilenstein, „Helter Skelter“ das Highlight. Warum? Weil dieser laute krachende Song so anders ist als die Beatles sonst. Wild und mitreißend, kein Obladi Oblada. Für einen eingefleischten Stonesfan wie mich eine Art Friedensangebot. - Jürgen Oehler

„Hey Jude“

Mit dem ewig langen Outro von „Hey Jude“ – Sie wissen schon, dieses „Laaaaa-laaaa-laaaa-lalalalaaaaaa“ – verbinde ich ein unheimlich befreiendes Gefühl. Auf irgendeinem Straßenfest bei irgendeiner Coverband im Publikum zu stehen und zusammen mit 100 anderen Leuten genau diese Textzeile immer und immer wieder zu singen – das ist einfach euphorisierend und wunderschön. Sehr gut eignet sich die Nummer übrigens auch für abendliches am Rhein sitzen und im Sonnenuntergang mit Akustikgitarre ein Bierchen trinken. Damit gewinnt man immer mindestens fünf neue Freunde, die sich zu einem setzen. Einfach mal ausprobieren! - Verena Köplin

Das Gesamtkunstwerk

Sorry, es gibt kein Lieblingslied von den Beatles. Diese Band ist nur als Gesamtkunstwerk zu verstehen und zu hören. Von „Penny Lane", „Norwegian Wood", „Nowhere Man", „I`m a Loser", bis „Revolution" (gerne die Number 9 vom Weißen Album) und „Here comes the sun".  Beatles sind der Einstieg in ein neues musikalisches Kapitel, mit neuen Harmonien und einer eigenen Poesie. Was wäre die populäre Musik ohne die Beatles?  Es gibt keine andere Band, deren Musik so wenig altert – natürlich auch, weil sie für unzählige Menschen voller Jugenderinnerungen steckt.  Don't you know it's gonna be all right? - Norbert Kurth

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