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Leichlinger Trödeltage: Die Leidenschaft für alte Schätzchen

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Die Faszination des Trödelmarktes in Witzhelden erwies sich als generationsübergreifend. Foto: Ralf Krieger
Trödelfans und Nostalgiker haben sich am Wochenende in Leichlingen getroffen. Bei den Trödeltagen rund um den Marktplatz wühlten sich Besucher durch alte Überseekoffer und Kinderwagen aus der Vorkriegszeit.  Von
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Irgendwie ist es Erhard Rosenbaums Trödelmarkt: Bei ihm, dem Witzheldener, sind die skurrilen und richtig alten Sachen abzugreifen, wenn in Leichlingen, wie am vergangenen Wochenende, die Trödeltage anstehen. Außerdem treffen sich bei ihm alle Generationen und Typen von Trödelfans: die Nostalgiker, die Anfänger, die Ausgefallenen, die Alten und die Jungen. Eigentlich ist Rosenbaum ja Pädagoge. Aber beizeiten kam er eben auf den Spleen mit dem Sammeln und Verkaufen von alten Gegenständen aller Art. Seitdem ist er von Markt zu Markt unterwegs. Packt frühmorgens seinen Trödel zusammen, den er in einem 70-Quadratmeter-Keller in Solingen lagert und den er von Bekannten und Unbekannten und im Rahmen von Haushaltsauflösungen geschenkt, verkauft, vermacht bekommen hat.

Kathrin Onovo und ihre Freundinnen hatten ihre Kleiderschränke durchforstet.
Kathrin Onovo und ihre Freundinnen hatten ihre Kleiderschränke durchforstet.
Foto: Ralf Krieger

Und dann steht Rosenbaum zwischen alten Spielzeugautos, Tierfiguren, Brettspielen, Comics. Und dann ist da noch der über 100 Jahre alte Überseekoffer. Der Vorkriegs-Kinderwagen. Die uralte Spieluhr im riesigen Holzkasten. „Die verkaufe ich nicht unter 450 Euro“, sagt Rosenbaum. Oder die Kiste mit Briefen, die er aus dem Nachlass einer Firma in Solingen bekommen hat und auf denen Stempel mit den Jahresangaben „1905“ oder „1910“ prangen. „Ich liebe es, zu trödeln“, sagt Rosenbaum, denn: „Man verdient nicht nur Geld, sondern trifft interessante Menschen.“ Und die interessantesten der Interessanten treffe er immer hier, in Leichlingen.

Der erste von ihnen an diesem Tag ist eine Frau: Lydia Rauch wühlt sich durch die Tüten und Kisten mit Tierfiguren, klaubt so um die 20 aus dem Haufen heraus – Adler, Leopard, Gepard, Löwe, Krokodil, Schlange. Sie handelt sie von über 20 auf 15 Euro runter. Und dann erklärt sie auf Nachfrage, dass die Figuren mitnichten für ihre Kinder oder gar Enkel seien. „Sie sind für meine Kursteilnehmer.“ Rauch gibt Pubertätsseminare für Eltern. „Und für viele von ihnen ist es einfacher, ihre aktuelle Stimmung oder die negativen Eigenschaften ihres Kindes mit Hilfe eines Tieres zu beschreiben, als direkt darüber zu sprechen.“ Also ganz nach dem Motto: Ich könnte mein auf Krawall gebürstetes Kind gerade fressen wie ein Löwe, denn es ist mal wieder eine echte Schlange.

Glitzer-Cowboyhüte

Weit entfernt von der Pubertät sind hingegen der vierjährige Phillip, der seiner Mutter gerade das Geld für einen Spielzeug-Ferrari aus Rosenbaums Fundus abschwatzt – er geht nach zähen Verhandlungen für 6,50 Euro weg. Und Manfred Tietze: Der 74-Jährige blättert sich durch die alten Briefe und erklärt: „Ich sammle von Jugend an Stempel und Briefmarken. Und auf Trödelmärkten finde ich die besten Dinge.“ Ein paar Meter weiter steht Sascha aus Opladen und verkauft tütenweise Legosteine und Playmobil-Spielzeugfiguren. Seinen Nachnamen will er nicht nennen. Das sei ihm peinlich, „weil bei mir ständig die Presse mit Block und Kamera auftaucht und mich ausquetscht“, sagt er und lacht. Kein Wunder: Sascha verkauft all das, was er selber mal gesammelt hat. Und das ist viel. Das reicht für knapp sechs Meter Stand. Größer und breiter als er ist keiner im Brückerfeld.

Und keiner ist bunter und vergnügter als der Stand von Kathrin Onovo und ihren zwei Freundinnen: Die Mädels stehen mit rosafarbenen Glitzer-Cowboyhüten zwischen den Ständen des Büchermarktes und verkaufen die Klamotten, die sie nicht mehr tragen. „Wir brauchen Platz im Schrank für Neues“, sagt die 32-Jährige. „Und das Neue kaufen wir vom Trödelgeld.“ Zudem gibt Kathrin jedem, der vorbeikommt, ihre Karte: Sie hat nämlich eine Seite im Internet, die sich „addicted to fashion“ nennt – „süchtig nach Mode“. Und so treffen im Herzen Leichlingens die Welten des Traditionellen und des Modernen zusammen: Das elektronische Weltnetz und der handfeste Trödel. Und Onovo ist das beste Beispiel, dafür, dass ohne das Alte – früh aufstehen, Kartons schleppen, Geld abzählen und einmal nicht per Mausklick kaufen und verkaufen – selbst 2013 gar nichts geht.

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