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Zeitdokument: Die Vormarschrouten der Alliierten

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Objekt des Monats Mai: Diese Phoenix-Straßenkarte hat ein Leichlinger Lausbub in den letzten Kriegstagen aus einem US-Jeep stibitzt. Rot eingezeichnete Pfeile markieren den Vormarsch der Alliierten.  Foto: Bild: Stadt
Ein reuiger Sünder hat in Leichlingen eine Karte zurückgegeben, die er als Zwölfjähriger aus einem amerikanischen Jeep gestohlen hatte. Das Stück ist nun in einer neuen Ausstellungsreihe des Stadtarchivs zu bewundern.  Von
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Das Stadtarchiv ruft eine neue Ausstellungsreihe ins Leben, die den Bürgern besondere Schätze der Sammlung präsentiert. Unter dem Titel „Objekt des Monats“ wird in einer Vitrine im Foyer des Rathauses am Büscherhof ab sofort ein ausgewähltes historisches Fundstück und seine Geschichte vorgestellt. Der Auftakt ist vielversprechend: Bis Ende Mai ist eine Landkarte Mitteleuropas zu sehen, die aus dem Zweiten Weltkrieg stammt und auf abenteuerlichem Weg ins Stadtarchiv gelangte. Gewissermaßen handelt es sich um Raubgut. Aber der Dummejungenstreich ist verjährt. Und die vor 68 Jahren gestohlene Beute ist inzwischen ein Zeitdokument, das vom Kriegsende erzählt.

Objekt des Monats Mai ist eine „Phoenix Hauptstraßenkarte“, datiert um 1930. Sie stammt aus US-amerikanischem Militärbesitz. Auf dem Faltplan, der schon in mancher Uniformtasche gesteckt haben mag, sind mit roten Pfeilen von Hand die Vormarschrouten der Alliierten und der Verlauf des sogenannten „Ruhrkessels“ im Zeitraum März/April 1945 eingezeichnet. Ein Namenszug am Rand verweist auf die mutmaßliche damalige Eigentümerin: Gertrud Kempf. Schon deshalb ist dieser Plan ein einmaliges Einzelstück. Noch interessanter wird er aber durch die Umstände, durch die er erhalten und nach dem Einmarsch der Amerikaner in Leichlingen geblieben ist. Er ist nämlich in den letzten Kriegstagen aus einem US-Jeep gestohlen worden. Der Hintergrund ist bekannt, weil die Karte erst vor wenigen Jahren im Stadtarchiv abgegeben worden ist. Und zwar vom reuigen Sünder persönlich, der damals zwölf Jahre alt war.

Stadtarchivar Thorsten Schulz-Walden hat den historischen Hintergrund für die kleine Dokumentation erhellt: „Am 23. März 1945 hatten britische, US-amerikanische und kanadische Verbände mit der »Operation Plunder« den militärisch wichtigen Schritt über den Rhein gesetzt. Infolge konnte ein Großteil der westdeutschen Wehrmachtseinheiten im sogenannten »Ruhrkessel« eingeschlossen werden, sodass weitere alliierte Vorstöße das umliegende Gebiet wie das Bergische im April 1945 arrondierten.“
Demnach muss es am 19. oder 20. April 1945 gewesen sein, kurz nachdem die Amerikaner eingerückt waren, als der zwölfjährige Leichlinger Junge auf das Objekt der Begierde stieß. Er war damals auf dem Weg von Bertenrath nach Bennert, als er an der Kreuzung Richtung Hülstrunk einen geparkten US-Jeep erspähte, wohl einen der berühmten „Willys MB“, vermutet man. Fahrer und Beifahrerin (bei der es sich wohl um die Dolmetscherin Gertrud Kempf gehandelt hat) hatten den neugierigen Jungen nicht bemerkt. Sie stiegen aus, und als sie abseits der Straße verschwunden waren, warf der Zwölfjährige einen Blick in den verlassenen Jeep. Auf der Rückbank entdeckte er die mit geheimnisvoll aussehenden Pfeilen, Linien und Kreisen bekritzelte Straßenkarte und war Feuer und Flamme für das Dokument. Denn er war, wie er selbst bei der Übergabe im Rathaus erzählte, von klein auf in Landkarten vernarrt. Er nutzte die Gelegenheit, griff in den Jeep und rannte mit seiner Trophäe davon so schnell er konnte.

Erst später wurde ihm klar, dass es sich um einen Straßenatlas von militärischer Bedeutung handelte. Die spannende Episode ist nun Teil der Stadtgeschichte. Die Ausstellungs-Vitrine im Foyer kann während der regulären Öffnungszeiten des Rathauses angeschaut werden: Montag bis Freitag von 8.30 bis 12 Uhr sowie montags von 14 bis 17.30 Uhr.

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