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Kinder: Studieren als Mama

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Sara Miebach studiert an der Uni Köln. Hier sitzt sie mit Tochter Safia im Hörsaal.  Foto: FRANZ SCHWARZ
Mit Büchern und Baby auf dem Campus - das kann stressig werden. Unsere ksta-Autorin ist - wie über fünf Prozent aller angehenden Akademiker an der Uni Köln - selbst Studentin und Mutter. Sie erzählt von ihrem straff durchgeplanten Alltag.  Von
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Köln

Seit ich mit Baby auf dem Campus unterwegs bin, schaue ich genau hin, wenn mir ein Fahrrad mit Kindersitz entgegenkommt. Wie bei Motorradfahrern kreuzen sich die Blicke der Fahrer - gegenseitige Anerkennung schwappt über. Als Mama studieren: Früher wäre ich verzweifelt, hätte ich gewusst, dass es so kommt. Jetzt gehöre ich zu jenen, die stolz den Kinderwagen über den Campus schieben. Ich bin nicht allein.

Über fünf Prozent der Studierenden an der Kölner Universität sind als Studierende mit Kind eingeschrieben. Tendenz steigend, wie Gaby Jungnickel, Abteilungsleiterin der Psycho-Sozialen Beratung des Kölner Studentenwerks, weiß. Bisher heißt es für Eltern zäh zu sein und nicht nur im Sekretariat genau nachzufragen, um alle Tipps zu bekommen. Davon gibt es einige: Studierende mit Kind können sich etwa beurlauben lassen, um die Anzahl der Fachsemester gering zu halten. Prüfungen dürfen sie dennoch ablegen. Das ist für Bafög-Empfänger wichtig, denn sie zahlen weniger Geld zurück, je schneller sie fertig werden. Abhängig vom Einkommen kann es zusätzlich einen Kinderbetreuungszuschlag geben.

Psychologische und soziale Beratung des Kölner Studentenwerks und die Bafög- und Sozialberatung des Asta helfen bei der Beantragung der Leistungen. Jungnickel wünscht sich Erleichterungen für studierende Eltern durch weniger Bürokratie.

Lernen, wenn die Tochter schläft

Ich habe einen Großteil der bürokratischen Hürden bereits genommen, ein Verschnaufen gibt es aber nicht. Mein Tag ist stramm geplant, nicht die Uni bestimmt das Programm, sondern meine Tochter. Sie hebelt das schlechte Gewissen vor dem Lernen aus. Gelernt wird so viel wie nötig, so kompakt wie möglich und zwar immer dann, wenn sie schläft. Das war jedenfalls bis vor kurzem so. Denn seit September gehöre ich zu den glücklichen Eltern in Köln, die einen Kindergartenplatz für ihr unter dreijähriges Kind ergattert haben. Das Semester kann kommen.

Bisher war mir für Sprechstunden, Einschreibe- oder Anmeldeprozeduren ein Babysitter zu schade. Meine Kleine musste mit. Dabei war der Wagen mit krähendem Kind oft ein Ass im Ärmel. Am Philosophikum verkürzten sich Warteschlangen auf magische Weise. Die Mitarbeiter begegneten mir mit der wohltuenden Einstellung: Studierende mit Kindern verdienen Unterstützung. Eine Bekannte, die Maschinenbau studiert, kennt es anders: "In der FH fahre ich nicht mit Kinderwagen vor, da werde ich als Frau sowieso schon schief angeguckt." Mein Glück, dass ich im Lehramtsstudium meine Zeit an Philosophischer und Humanwissenschaftlicher Fakultät verbringe. Hier ist die Wickeltischdichte hoch, und Mutter zu sein, adelt mich in den Augen der anderen Studenten und macht mich zur Expertin in Erziehungsfragen.

Den Kinderwagen parken

Zur Expertin im Kinderwagenfahren auf dem Campus ernenne ich mich selbst. Mein strammer Schritt lässt den Kinderwagen beruhigend wippen, rasant steuere ich den Eingang an, in letzter Sekunde schwingen die automatischen Türen vor mir auf, der Hausmeister im Seminargebäude schenkt mir zum Aufzug-Schlüssel sein Lächeln. Doch manche Gebäude erfordern eine besondere Strategie: Wenn ich in den Romanisten-Container oder ins Pädagogische Seminar will, muss der Kinderwagen zu Hause bleiben. Das heißt: Nur die Notfall-Ausrüstung - Windeln, Buch, Block, Brei - darf mit. Dann schaffe ich es zu Fuß in die zweite Etage des Hauptgebäudes. Die Bauteile 4 bis 9 haben keine Aufzüge. Dort studieren nicht nur Pädagogen, sondern auch Juristen, Philosophen und Ethnologen. Habe ich den Kinderwagen dabei, parke ich im Erdgeschoss und komme mit Wickeltasche, Büchern und Baby in der Seminarbibliothek an. Genauso in den Containerbüros der Bibliothek - ohne Aufzug muss der Kinderwagen an der Treppe stehenbleiben. Geht der Uni-Besuch mit Baby zu Ende, nehme ich den Heimweg über die Uni-Wiesen. Dort gibt es am Universitätskindergarten einen kleinen Spielplatz. In der Nachmittagssonne gibt es einen Kaffee aus der Mensa.

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