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Anatomie Institut Köln: Uni bedauert die Missstände

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Raum 037 in der Anatomie der Kölner Universität: Hier lagen menschliche Überreste neben Tier-Kadavern.  Foto: Medizinfoto Köln
Die Universität hat Donnerstag ihren abschließenden Untersuchungsbericht zum Anatomie-Skandal vorgestellt. Die Untersuchung sei in einem hochgradig schwierigen Umfeld durchgeführt worden, heißt es darin.  Von
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Köln

Leichen lagen neben abgetrennten, verschimmelten Armen und Beinen in metallenen Tauchbecken, Kadaver von Primaten und Katzen wurden neben ausgetrockneten Leichen von Neugeborenen gefunden. Der Raum mit der Nummer 037 steht für den unwürdigen Zustand, in dem das Anatomische Institut der Universität zu Köln seit Jahren war.

Neun Monate nach Bekanntwerden der chaotischen Zustände im Keller der Anatomie stellte der Rektor der Universität, Professor Axel Freimuth, am Donnerstag den abschließenden Untersuchungsbericht vor. Im Vorwort des zehnseitigen Berichts entschuldigt sich Freimuth bei den Angehörigen der Körperspender und bei allen Betroffenen. „Die Universität bedauert diese Missstände zutiefst“, sagte er.

Kein Horrorszenario

Einer der externen Gutachter ist Professor Reinhard Putz, der frühere Direktor der Anatomie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der 70-Jährige hat mit Professoren, Präparatoren und Angestellten gesprochen, sich sämtliche Räume angesehen. Er drückt sich diplomatisch aus: „Von einem Horrorszenario würde ich nicht sprechen – die Anatomie besteht darin, dass Leichen zerlegt und strukturiert werden.“ Das System sei jedoch „nicht ganz glücklich“ gewesen. So waren die Körper nur an zwei oder drei Stellen mit Nummern gekennzeichnet, die Studenten hätten die Nummern aber beim Präparieren der Leichen teilweise abgetrennt.

Manche Körper seien mit den Nummern der Tische markiert worden, auf denen sie während des Kurses lagen. Und so gab es irgendwann zehn Särge mit unidentifizierbaren Teilen von jeweils mindestens zwei Personen. Mehr als 30 Särge standen über einen unbestimmten Zeitraum ungekühlt mitten auf dem Flur. In drei Särgen wurden Leichen entdeckt, die nach Aktenlage längst bestattet gewesen sein sollten.

Verantwortung nicht nachgekommen

Die Gutachter nehmen einerseits die Universität selbst in die Pflicht, die „ihrer Verantwortung nicht ordnungsgemäß nachgekommen ist, einen hochsensiblen Bereich wie das Zentrum Anatomie in Qualitätssicherungsprozesse einzubinden“. Die Gesamtverantwortung für das Körperspendewesen habe jedoch andererseits beim Leiter des Instituts gelegen, Professor Jürgen Koebke. „Auch wenn er ganz sicher nicht persönlich verantwortlich zu machen ist, so trifft ihn doch als Leiter die Verpflichtung, den Betrieb ordnungsgemäß zu führen“, heißt es in dem Bericht. Koebke hatte sich nach Bekanntwerden der Zustände am 24. Februar das Leben genommen.

Gutachter Putz sagte, Koebkes Umgang mit den Körperspendern sei immer vorbildlich gewesen. „Dass zum Schluss einiges nicht mehr geklappt hat, darf nicht sein – das ist uns klar.“ Es wäre jedoch bedauerlich, wenn „die großartige Leistung Koebkes nun in Misskredit käme“. Koebke war bei seinen Kollegen, Mitarbeitern und Studenten äußerst beliebt – was die Situation für die externen Ermittler erschwerte.

Viele Fragen nicht beantwortet

„Die Untersuchung war in einem hochgradig schwierigen Umfeld durchzuführen“, steht im Bericht. Viele wollten keine Fragen beantworten. Eine Mitarbeiterin, die für die Bestattung der Leichen zuständig war, ist seit längerer Zeit arbeitsunfähig und konnte nicht befragt werden. Koebke selbst hatte sich vor seinem Tod nicht mehr zu den Missständen geäußert. Einem Kollegen hatte er noch gesagt, dass sein Lebenswerk innerhalb weniger Tage pulverisiert worden sei. Koebkes Nachfolger ist „langfristig erkrankt“, wie Freimuth mitteilte.

Professor Reinhard Putz (l.) und Rektor Axel Freimuth stellten das abschließende Gutachten vor.
Professor Reinhard Putz (l.) und Rektor Axel Freimuth stellten das abschließende Gutachten vor.
Foto: Goyert

Gutachter Putz sagte: „Ich habe ein Gespräch mit ihm geführt, danach war er nicht mehr greifbar.“ Es gibt also niemanden, der zur Verantwortung gezogen werden kann.

Freimuth sagte, es habe bisher keine arbeitsrechtliche Maßnahmen oder Abmahnungen gegeben. Die unübersichtliche Situation in der Anatomie habe sich über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren entwickelt. „Wir können diesen Missstand keiner einzelnen Person zuordnen“, sagte der Rektor. „Die Verantwortlichkeiten sind auf vielen Schultern verteilt.“ Es sei unmöglich nachzuweisen, wer wann was falsch gemacht habe, auch wenn vieles dafür spreche, dass die meisten Mitarbeiter von den Zuständen gewusst hätten.
In Zukunft soll alles ganz geordnet ablaufen. Ein neues System soll von der Einlieferung bis zur Bestattung der Leichen jeden Schritt kontrollieren. „Es wird regelmäßige Vor-Ort-Begehungen geben“, sagte Freimuth. „Wir werden alles dafür tun, dass sich solche Vorgänge nicht wiederholen.“

Neubau geplant

Rund 300 000 Euro investierte die Universität kurzfristig, um die Kühlwannensysteme und die Kräne in den Räumen, in denen Körperspender und Präparate aufbewahrt werden, instand zu setzen.

Langfristig ist geplant, dass die an der Joseph-Stelzmann-Straße gelegene Anatomie in einen Neubau zieht. Es gibt jedoch noch kein Grundstück oder konkrete Pläne. (hsr)

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