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Anwohnerprotest: Widerstand gegen das Bauprojekt

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Die Bachemer Straße ist meist zugeparkt. Foto: Eickler
In Köln fehlt Wohnraum und in Lindenthal fehlen Schulen und Kindertagesstätten. Die Stadt will dem entgegenwirken. Anwohner fürchten ein Verkehrschaos und einen Niveauverlust in ihrem Stadtteil und protestieren.  Von
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Lindenthal

Angst vor zu viel Straßenverkehr. Sorge, durch Sozialen Wohnungsbau könne der Villencharakter der Umgebung leiden. Vorbehalte gegen eine geplante Förderschule. Vielen Anwohnern gefällt ganz und gar nicht, was die Stadt auf dem Gelände der Caritas an der Werthmannstraße vorhat. Heftige Kritik und sogar die Drohung einer Klage gab es, als die Pläne nun in der komplett besetzten Aula der Grundschule Freiligrathstraße vorgestellt wurden.

Köln wächst immer weiter. Die Stadt braucht mehr Wohnraum. Im Bezirk Lindenthal fehlen zudem Schulen und Kindertagesstätten. Grundstücke dafür sind aber Mangelware. All das soll nun aber an der Werthmannstraße entstehen: Mehrfamilienhäuser in Form von öffentlich gefördertem Wohnungsbau, hinzu kommen Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und eine Förderschule und eine Kindertagesstätte. Die Stadt ist eigentlich stolz auf ihr Vorhaben auf dem gut neun Hektar großen Grundstück zwischen Werthmannstraße und Bachemer Straße, Militärring und St.-Elisabeth-Krankenhaus. Doch bei der „frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung zum notwendigen städtebaulichen Planungskonzept“ in der Schulaula war niemand im Publikum, der den Plänen für jenes Lindenthaler Gebiet zustimmte, das nach früheren Landschaftsbezeichnungen auch Deckstein (südlich der Bachemer Straße) und Hohenlind (im Bereich der Werthmannstraße) genannt wird.

Gebiet in drei Bauabschnitte gegliedert

Bauplan des neuen Projekts in Lindenthal
Bauplan des neuen Projekts in Lindenthal

Architekt Oliver Hall hatte zunächst das Bauprojekt im Detail erläutert: Das Gebiet ist in drei Bauabschnitte gegliedert. Südlich angrenzend an das Krankenhausgelände sollen im ersten Bauabschnitt zwölf drei bis viergeschossige Mehrfamilienhäuser plus Staffelgeschoss – in erster Linie für Angestellte des Krankenhauses – gebaut werden. Südlich und westlich davon sind Einfamilienhäuser im zweiten Bauabschnitt geplant. Und wo sich heute noch der Krankenhausparkplatz befindet sowie westlich davon entstehen in einem dritten Bauabschnitt Schule, Kita und weitere Reihenhäuser. Drei Tiefgaragen werden die Pkw aufnehmen. Sie sollen über die Werthmannstraße angefahren werden. Die Einfamilienhäuser würden über die Bachemer Straße erschlossen.

„Wenn das so kommt, bricht hier das reine Chaos aus“, prophezeite Anwohner Konrad Adenauer. Der Notar saß früher auch für die CDU im Stadtrat. Walter Botermann, der ebenfalls dort wohnt, drohte der Stadt schon jetzt, man würde klagen, wenn das alles so käme.„Eine Förderschule brauchen wir hier nicht“, meinte Adenauer. Schließlich setze das Land ja auf Inklusion. Die geplante Schule ist derzeit als Ersatzbau für die Förderschule Redwitzstraße vorgesehen, könnte aber auch als Grundschule mit Inklusion – für das Gemeinsames Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen – kommen, wie Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker erläuterte.

Vom Bau der Schule freikaufen?

Sozialen Wohnungsbau benötige man an dieser Stelle auch nicht, denn darunter leide der Villencharakter, der sich durch „1000 Quadratmeter große Gartengrundstücke auszeichnet“, führte Adenauer weiter aus. „Köln braucht mehr Führungskräfte, die gerne hierher ziehen würden. Bauen sie doch für die“, schlug jemand vor. Ein anderer fragte, ob man sich vom Bau der Schule nicht freikaufen könne, wie bei Stellplätzen. Die Schule könne dann ja woanders gebaut werden.
An dieser Stelle meldete sich Blömer-Frerker zu Wort und stellte klar: „Unser Stadtbezirk hat auch Verantwortung gegenüber der gesamtstädtischen Entwicklung. In Widdersdorf wird gebaut, in Sülz Lövenich und Junkersdorf. Jetzt müssen auch sie in Hohenlind und Deckstein ihren Teil für eine zukunftsfähigen Entwicklung unseres Stadtbezirks beitragen.“

Rund um das St.-Elisabeth-Krankenhaus ist stets reger Betrieb.
Rund um das St.-Elisabeth-Krankenhaus ist stets reger Betrieb.
Foto: Eickler

Schule hin, öffentlich geförderter Wohnungsbau her. Am meisten auf der Seele brennt vielen Gegnern des Projekts nach wie vor die Angst vor einer Zunahme des Autoverkehrs in der Werthmann- und der Bachemer Straße. Axel Küßner vom Büro Dr. Brenner Ingenieurgesellschaft, das mit der Verkehrsplanung für das Neubaugebiet beauftragt ist, rechnete vor: „Auf der Bachemer Straße haben wir zurzeit 405 Autofahrten in 24 Stunden. Nach Fertigstellung des Wohngebietes werden es circa 986 sein. Auf der Werthmannstraße sind es heute 1439. Dort werden sie voraussichtlich auf 2755 ansteigen.“ Absolut gesehen stellt das in beiden Fällen nahezu eine Verdoppelung des Verkehrsaufkommens dar. Über die Dürener Straße aber zum Beispiel fahren heute schon 19 710 Kraftfahrzeuge in 24 Stunden. Und der stellvertretende Leiter des Stadtplanungsamtes, Andreas von Wolff bekräftigte: „Die vorhandenen Straßen sind durchaus in der Lage, den zusätzlichen Verkehr aufzunehmen.

Kleiner Erfolg für Kritiker

Die Anwohner sehen das anders. Die Kinder könnten nicht mehr allein über die Straße gehen, die Müllfahrzeuge müssten schon rückwärts in einige Wohnstraßen rangieren, weil alles zugeparkt sei. „Wir werden von der Stadt doch gar nicht ernst genommen“, wetterte ein Anwohner der Werthmannstraße. Allerdings hatte die Stadt erst vor zweieinhalb Jahren in dem Quartier die Parkplätze geordnet und Anwohnerparken eingeführt, damit mehr Menschen den etwas abgelegenen Parkplatz des Krankenhauses nutzen. In der Werthmannstraße beispielsweise ist das Parken von 9 bis 21 Uhr seitdem gebührenpflichtig.

Immerhin einen kleinen Erfolg dürfen die Kritiker des ehrgeizigen Bauprojekts doch verbuchen: Die Frist für die Eingabe schriftlich formulierter Anregungen wurde bis zum 21. August verlängert. Zu rechnen ist damit, dass bis dahin viele Briefe die Bezirksbürgermeisterin erreichen. Schriftlich formulierte Anregungen und Kritiken zum Bauprojekt Werthmannstraße können die Bürger also noch bis 21. August an die Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker, Aachener Straße 220, 50931 Köln senden.

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