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Asylbewerberheim: Unterkunft für Flüchtlinge in Weiden

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Im Frühjahr kommenden Jahres wird das Asylbewerberheim an der Potsdamer Straße um ein zweites Haus erweitert. Foto: Eickler
Bei einer Informationsveranstaltung zum Ausbau des Asylbewerberheims zeigten sich die Anwohner sehr aufgeschlossen. Viele wollen die neuen Nachbarn aktiv bei der Integration unterstützen - wenn auch ihnen bei Problemen geholfen wird.  Von
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Weiden

Die Menschen in Weiden akzeptieren den Bau eines weiteren Asylbewerberheims in ihrer Nachbarschaft nicht nur. Viele von ihnen wollen die neuen Nachbarn auf Zeit sogar aktiv bei der Integration unterstützen. Dafür verlangen sie bei möglicherweise aufkommenden Problemen – Ärger wegen Ruhestörung oder Streitereien beispielsweise – schnelle und kompetente Unterstützung durch die Behörden. Und das sagten die Verantwortlichen auch zu. So wird die Nachbarschaft in den umliegenden Häusern mit einer Liste von Telefonnummern und Ansprechpartnern versorgt werden. Das war das erfreuliche Ergebnis der Diskussion bei der Informationsveranstaltung zum Bau einer weiteren Flüchtlingsunterkunft an der Potsdamer Straße, zu der die Stadt in die Aula des Schulzentrums eingeladen hatte.

Auf dem Podium saßen die Sozialdezernentin Henriette Reker, der Sprecher des Runden Tischs für Flüchtlingsfragen, Peter Krücker, der Leiter des Wohnungsamtes Stefan Ferber sowie Jürgen Kube und Olaf May vom Wohnungsversorgungsbetrieb der Stadt.

Zahl der Flüchtlinge ist angestiegen

Ergänzend zu der seit Ende der 1980er Jahre bestehenden Gemeinschaftsunterkunft für 70 Menschen auf dem Gelände an der Potsdamer Straße wird im Frühjahr 2014 ein weiteres Haus in Fertigbauweise für noch einmal 70 Personen auf dem Grundstück errichtet. Der Rat hat bereits zugestimmt, der Stadt bleibt ohnehin nichts anderes übrig. Reker stellte noch einmal klar: „Wir sind aufgrund geltender Gesetze verpflichtet, diese Menschen aufzunehmen.“ Und Wohnungsamtschef Krücker erläuterte: „Das zusätzliche Gebäude wird aus einzelnen Wohnungen bestehen. Gemeinschaftsküchen und Gemeinschaftsbäder wird es nicht mehr geben. Denn sie waren oft Grund für Unruhe und Streit.“

Gerade das aber sehen die Weidener als möglichen Grund für zukünftigen Unfrieden. „Die, die schon lange hier sind, wohnen dann in dem heruntergekommenen Gebäude mit Gemeinschaftsräumen. Und die neuen in schönen Wohnungen“, meinte einer der Anwesenden. Das müsse doch Neid und Streit geben. „Baut beide Häuser neu“, forderten mehrere Menschen im Saal. Worauf Kube entgegnete: „Das würden wir gerne. Aber dafür fehlt der Stadt das Geld.“ Der Bau des neuen Fertighauses ist mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Nach Berechnungen des Wohnungsamtes müssen davon bald ohnehin sechs bis sieben weitere Häuser gebaut werden. „Die Zahl der Flüchtlinge ist stark angestiegen und wird voraussichtlich hoch bleiben“, so Krücker.

„Weiden ist bunt, nicht braun“

Eine weitere Frage aus dem Publikum – „Wer kommt denn in das neue Haus?“ – konnten die Fachleute nicht eindeutig beantworten. Dafür sei es noch zu früh. Krücker schilderte, dass zurzeit die meisten Flüchtlinge aus Serbien (13,1 Prozent), Afghanistan (12 Prozent), Syrien (10 Prozent), dem Irak (8,3 Prozent) und Mazedonien (7 Prozent) nach Köln kämen. Aber auch aus dem Iran, Pakistan und der Russischen Föderation. Eine Frau wusste zu berichten, dass erst vor kurzem eine syrische Familie in die Unterkunft an der Potsdamer Straße eingezogen sei.

„Weiden ist bunt, nicht braun“, riefen daraufhin die Jugendlichen aus dem benachbarten Jugendzentrum. Sie waren eigens gekommen, um auf ihre Art ein Statement gegen Fremdenfeindlichkeit abzugeben und ernteten dafür anhaltenden Applaus der Erwachsenen. „Hier ist jeder Mensch willkommen, der aus Not geflohen ist, vorausgesetzt er hält sich an die Regeln“, meinte einer der Zuhörer.

Doch bei aller Aufgeschlossenheit den Asyl suchenden Menschen gegenüber, wurden auch Ressentiments artikuliert. Diese resultierten größtenteils aus negativen Erfahrungen der Vergangenheit, bei denen sich die Weidener von der Stadtverwaltung und der Polizei allein gelassen fühlten – rüdes Benehmen oder Lärm etwa. Einmal hatte es eine Messerstecherei unter den Bewohnern des Heims gegeben.

Konstruktive Vorschläge für gute Nachbarschaft

Was aber Delikte wie Wohnungseinbrüche und Autoaufbrüche in Weiden angeht, stellte Polizeioberkommissarin Susanne Kühr klar: „Das machen nicht die Flüchtlinge, die hier leben.“ Und der Leiter des Bezirksdienstes, Polizeihauptkommissar Matthias Ferring, appellierte an die Bürger: „Wir können nur dann helfen, wenn Sie uns frühzeitig informieren.“ Nachdem die Leute ihrem zurückliegenden Ärger Luft gemacht hatten, ging man im Publikum aber schnell dazu über, konstruktive Vorschläge für eine gute Nachbarschaft mit den Flüchtlingen an der Potsdamer Straße zu machen.Einer davon wird bereits umgesetzt.

So bereitet das Kinder- und Jugendzentrum Juze derzeit mit den Bewohnern des Asylbewerberheims ein Fußballturnier vor, das Ende März stattfinden wird. Während der Veranstaltung hatte ein Besucher die Idee, gemeinsam mit den Flüchtlingen rund um das Heim Gemüsebeete anzulegen. Auch die Idee, für ehrenamtlich begleiteten Deutschunterricht zu sorgen, wurde begrüßt. Schließlich sei eine gemeinsame Sprache das A und O jeder Verständigung über kulturelle Verschiedenheiten hinweg.

Schon lange Asylbewerberheime in Weiden

Die Aussicht, dass wenigstens einige dieser Ideen in die Tat umgesetzt werden, ist begründet. Auf die Frage Krückens „Wer von ihnen kennt denn schon jemanden aus dem Asylbewerberheim?“ hoben einige die Hand. Immerhin blickt Weiden auf eine lange Geschichte mit dem Asylbewerberheim an der Potsdamer Straße zurück. Eröffnet wurde es 1989. Zunächst zogen Spätaussiedler in die Gemeinschaftsunterkunft, die von Anfang an aus zwei Häusern bestand. Davon ist eines in der Zwischenzeit allerdings abgebrochen worden, weil es baufällig war und zwischenzeitlich nicht mehr benötigt wurde. „Damals lebten bis zu 300 Leute dort“, erinnerte sich Roselotte Schulze.

Sie war Mitglied der Bürgerinitiative Spätaussiedlerhilfe Weiden, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Neuankömmlinge zu unterstützen. „So etwas brauchen wir heute wieder. Deutschunterricht und gemeinsame Feste sind da ein guter Anfang“, schlug sie vor.

„Ich weiß, was Menschen durchmachen, die alles zurücklassen müssen“
Huschang Fescharakifard lebt im Weidenpark.
Foto: Eickler

Als Huschang Fescharakifard sich zu Wort meldete und begann, seine persönliche Geschichte zu erzählen, wurde es mucksmäuschenstill in der Aula. An die Besucher der Informationsveranstaltung gerichtet, sagte er: „Ich fühle mich innerlich zerrissen. Ich bin ihr Nachbar, besitze eine Wohnung im Weidenpark, wo ich in Ruhe und Frieden leben möchte und habe einen Sohn, um dessen Sicherheit ich mich sorge. Ich verstehe ihre Argumente und habe deshalb mit den gleichen Vorbehalten wie sie reagiert, als ich erfahren habe, dass wir ein zweites Haus für Asylbewerber an der Potsdamer Straße bekommen sollen. Andererseits – vor 27 Jahren bin ich selbst als politisch verfolgter Student aus dem Iran geflohen und als Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Ich weiß, was Menschen durchmachen, die alles zurücklassen mussten, die keinerlei Perspektive haben, die die Sprache und Gesten der Menschen hier nicht verstehen, und die keine Ahnung haben, wie der deutsche Alltag funktioniert.

Diese Menschen sind verzweifelt. Viele von ihnen haben Schreckliches erlebt. Nicht nur Verfolgung. Armut und Hunger können ebenfalls furchtbar sein. Auch ich war damals verzweifelt und wusste nicht, wie ich mir eine Zukunft in dem mir fremden Land aufbauen sollte. Ich war 25 Jahre alt. Gerettet haben mich damals in der Unterkunft für Asylbewerber in Heppenheim (Hessen) zwei Bücher, mit denen ich begann, Deutsch zu lernen. Und die Tatsache, dass ich Menschen fand, die mir Perspektiven eröffneten. Heute bin ich IT-Fachmann und ihr angesehener Nachbar. Gemeinsam sollten wir die Herausforderung annehmen und den Kontakt zu den Menschen suchen, die mit nicht viel mehr als ihrer Freiheit an der Potsdamer Straße ankommen. Die meisten der Asylbewerber reagieren freundlich und sind heilfroh, wenn sie merken, dass sie akzeptiert sind.“

Aufgezeichnet von Marion Eickler

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