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Aufforstung: Wie man einen Wald erschafft

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Lothar Feuser (Toyota, von links), Förster Michael Hundt, Rhein-Energie Vorstand Uwe Schöneberg und Oberbürgermeister Roters Foto: Waldschmidt
Bürger und Unternehmen helfen mit beim großen Aufforstungsprojekt "Ein Wald für Köln" in Junkersdorf. Zum Abschluss wurden 1000 Bäumchen gepflanzt, damit daraus ein dichter Wald wird.  Von
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Junkersdorf

Der kleine Casper, ein Baby von zehn Monaten, lag noch in seinem Bett und schlief fest, da war sein Cousin Jonathan schon fleißig für ihn. In der Frühe war der Vierjährige zu Hause in Viersen aufgestanden, hatte seine rot-weiß-blau-karierte Windjacke und die Sneakers angezogen und die Gartenkelle gegriffen. Über die Autobahn ging es nach Köln. Kurze Zeit später stand Jonathan an dem grauen, regnerischen Tag mitten auf dem lehmigen Pflanzacker nahe der KVB-Haltestelle Stüttgenhof - und pflanzte für Baby Casper eine Birke ein. Die Stadt Köln hatte Bürger, die für das Aufforstungsprojekt "Ein Wald für Köln" Geld gespendet hatten, zur öffentlichen Pflanzaktion eingeladen: Wer wollte, durfte seinen Wunschbaum eigenhändig in die Erde setzen.

Zur Geburt eine Birke

Initiatoren der Aktion sind die Forstverwaltung der Stadt und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Der neue Wald gehört zu einem von fünf geplanten Freiraumkorridoren, die den Äußeren Grüngürtel mit der Erftaue und den bewaldeten Höhenrücken der Ville verbinden sollen. Im rechtsrheinischen Kalk wird demnächst ebenfalls aufgeforstet: Auf einer Fläche im Bereich von Gut Mielenforst soll ein Eichen- und Buchenwald wachsen.

Jonathan und Alexander Funck beim Baum pflanzen
Wenn der Vater mit dem Sohne: Jonathan (l.) und Alexander Funck
Foto: Waldschmidt

Jetzt aber war Junkersdorf das Ziel zahlreicher Baumpaten aus nah und fern. Die meisten brachten Spaten mit, einige auch eine Gießkanne. Die Forstverwaltung hatte vorgesorgt: Mehr als 1000 winzige Bäumchen - Douglasien, Küstentannen und Birken - lagen parat. Die Erdlöcher waren bereits ausgehoben.

Jonathan musste also nur noch eine der Birken bis zum Wurzelhals in ein Loch stecken und mit der Kelle die Erde ringsherum anhäufen und ein wenig festklopfen. Er erledigte seine Aufgabe gewissenhaft, sein Vater Alexander Funck half ihm dabei. Christoph Funck aus Junkersdorf, der Onkel von Jonathan, war ebenfalls da. "Wir haben meinem Sohn Casper zu seiner Geburt eine Birke gestiftet", erzählte er. "Und weil er noch zu klein ist, um sie selbst einzupflanzen, macht das eben Jonathan an seiner Stelle."

Die Aufforstung geschieht mit Hilfe von Sponsoren - sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen und Institutionen geben Geld und erhalten als Gegenleistung die Patenschaft für einen oder mehrere Bäume ihrer Wahl. Ein Quadratmeter Wald ist schon für vier Euro zu haben. 25 Quadratmeter Wald kosten 150 Euro, ab dieser Summe werden die Sponsoren auf einer Holzstele, die im Gelände steht, namentlich genannt.

Der "Wald für Köln", ein Mischwald, erstreckt sich über dreieinhalb Hektar und ist Bestandteil des Waldlabors. So nennt sich offiziell das insgesamt 25 Hektar große, für Spaziergänger frei zugängliche Naturgelände an der Bachemer Landstraße zwischen Stüttgenhof und Autobahn 4. Zu Forschungszwecken sind dort mehrere Waldexperimentierfelder angelegt worden.

Ein Wald für Köln

Das Aufforstungs-projekt "Ein Wald für Köln" wurde von der Forstverwaltung der Stadt und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald initiiert. Mehr als 270 Baumpaten haben bislang rund 70 000 Euro aufgebracht. So konnten auf dem Gelände rund 16 000 junge Bäume neu gepflanzt werden. Verstreut über das dreieinhalb Hektar große Waldgebiet stehen zehn Holzstelen, auf denen die Namen der Sponsoren auf Messingschildern verewigt sind. Der "Wald für Köln" ist Teil des "Waldlabors". Auf dem insgesamt 25 Hektar großen Naturgelände an der Bachemer Landstraße sind zu Forschungszwecken verschiedene kleinere Wälder angelegt. So wurde eine Energieholzplantage aus nichtheimischen Baumarten angelegt. Es soll getestet werden, inwieweit diese eventuell besser dem Klimawandel standhalten können als heimische Arten. Eichen etwa leiden besonders stark unter extremen Temperatur-schwankungen. (kaw)

Bei der vierten und letzten Pflanzaktion im Westen wurden jetzt außer den Jungbäumen noch 65 mehrjährige, große Bäume gepflanzt, unter anderem Esskastanien, Wildkirschen und Feldahorn, von denen die Mehrzahl bereits eine stattliche Größe von etwa zwei Metern hat. Auf dem Areal an der Bachemer Landstraße wurde in zweieinhalb Jahren ein neuer Wald angelegt.

Zum Finale war auch Oberbürgermeister Jürgen Roters gekommen. Gemeinsam mit Uwe Schöneberg, Vorstand der Rhein-Energie, und Lothar Feuser, Geschäftsführer der Toyota Deutschland, pflanzte Roters symbolisch eine Wildkirsche. Die Toyota AG und die Rhein-Energie sind die Hauptsponsoren des Junkersdorfer Aufforstungsprojekts, das nun abgeschlossen ist.

"Das Herz der Kölner schlägt für den Wald", konstatierte Roters. "Denn der Wald bindet Kohlenstoff und verbessert so die Luftqualität in unserer Stadt." Er erinnere sich noch gut daran, wie er im Frühjahr 2010 den allerersten Baum des Aufforstungsprojektes gesetzt habe.

Baumpate Thomas Breyer war mit seiner Lebensgefährtin und den fünfjährigen Zwillingen mit der Straßenbahn aus Riehl gekommen. Zum 50. Geburtstag im Mai hatte ihm sein Freundeskreis symbolisch 125 Quadratmeter Wald geschenkt.

Ökologischer Lebensstil

"Das hatte ich mir gewünscht, weil ich von der Sache begeistert bin", sagte Breyer. "Es ist auch für die Kinder schön, wenn sie mal sagen können: Mensch, den Baum haben wir gepflanzt." 15 Jahre habe er sich bei Greenpeace engagiert, derzeit finde er dafür keine Zeit, dennoch sei ihm ein ökologischer Lebensstil weiterhin wichtig.

Die frisch eingepflanzten Birkchen und Tannenbäumchen wiegten sich sacht im Wind. Sind solche zarten Gewächse denn nicht gefährdet? "Doch, wir haben hier Probleme mit Kaninchen", bestätigte Forstwirtschaftsmeister Jörg Balthesen. "Kaninchen mögen Nadelholz besonders gern, das schmeckt ihnen hervorragend, vor allem im Winter gehen sie dran." Noch während die Pflanzaktion lief, wurde daher damit begonnen, die Tannensprösslinge mit Drahtverhau einzuhegen.

"20 Jahre dauert es, dann steht hier ein geschlossener Baumbestand", prophezeite Markus Bouwman, Leiter der städtischen Forstverwaltung.

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