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Braunsfelder Doppelmord: „Nicht das geringste Mitgefühl“

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Bei einer Schießerei am Melatengürtel sind zwei Menschen tödlich verletzt worden. (Bild: Krasniqi) 
Im Prozess um den Braunsfelder Doppelmord hat die Staatsanwältin die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Der Angeklagte habe den Doppelmord „unerschrocken, rücksichts- und verantwortungslos“ ausgeführt.  Von
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Köln

Im Prozess um den Braunsfelder Doppelmord hat die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer erneut ihre Forderung bekräftigt, den Angeklagten länger als 15 Jahre – wie bei lebenslanger Haft üblich – hinter Gittern zu lassen und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Die Anklägerin stützt sich dabei auf ein psychiatrisches Sachverständigen-Gutachten, das für den Angeklagten geradezu vernichtend ausfiel. Mustafa T. (53) sei „hochgradig egozentrisch“, stelle seine eigenen Interessen „nach wie vor an erste Stelle“ und zeige auch heute, mehr als zwei Jahre nach der Tat, gegenüber seinen Opfern „nicht das geringste Mitgefühl“, heißt es in der Expertise.

Der Angeklagte habe den Doppelmord „unerschrocken, rücksichts- und verantwortungslos“ ausgeführt, sein alleiniges Motiv sei ein „Herrschaftsanspruch gegenüber seiner Ex-Freundin“ gewesen. Keinesfalls habe T. die Tat im November 2010 im Affekt oder in einem psychischen Ausnahmezustand ausgeführt, unterstrich die Gutachterin. T. habe im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gehandelt, er sei „weder schwachsinnig noch vermindert schuldfähig“.

Auch habe eine Auseinandersetzung mit seiner Schuld und Verantwortung für das Geschehen bis heute nicht stattgefunden, kritisierte die Gutachterin. Sie bescheinigte T. „antisoziale Verhaltensweisen“ und bemängelte, dass er trotz erlebter Sanktionen, der Haft und mehrerer Verteidigergespräche keine Einsicht zeige: „Er hat nichts gelernt, da ist nichts, was in Richtung Opfer-Empathie geht.“

Der Angeklagte verfüge über ein „knapp durchschnittliches Leistungsvermögen“, das ihn gleichwohl befähige, soziale Sinnzusammenhänge zu erfassen: „Er hat sehr wohl verstanden, dass man Frauen nicht schlägt.“ Zudem verfüge T. über ein „breites Verhaltensrepertoire“: Er verstehe es, sich anzupassen, da wo man es von ihm erwartet, sagte die Gutachterin und spielte auf einen Vorfall im Gerichtssaal an, der sich am vorletzten Verhandlungstag ereignete. Als die Mutter der getöteten Ex-Freundin als Zeugin vernommen wurde, war T. lauthals in Tränen ausgebrochen. Für die Ärztin war dies ein „sentimentaler Gefühlsausbruch, um gut dazustehen“. Der Verteidiger hatte die Ausführungen der Sachverständigen als „völlig unangemessen und unverschämt“ zurückgewiesen und ihre Abwesenheit während des größten Teils des Prozesses kritisiert.

Die Anklägerin sprach in ihrem Plädoyer die Möglichkeit weiterer Mordmerkmale an. T. sei zwar wegen Mordes aus niederen Beweggründen verurteilt worden, denkbar sei zusätzlich das Kriterium der Heimtücke. Immerhin hatte T. an jenem Novemberabend wortlos innerhalb weniger Sekunden die Ex-Freundin und deren Arbeitskollegen auf offener Straße erschossen.

Mustafa T. war wegen des Doppelmords an seiner Ex-Freundin Laura W. (29) und deren Arbeitskollegen Andres V. (35) vor dem Kölner Landgericht bereits im September 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der BGH hatte auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Urteil teilweise aufgehoben, weil es eine härtere Bestrafung für möglich hielt. Das Urteil der Neuauflage soll am 27. Februar verkündet werden.

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