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Carrée-Fest: Beschwerden über Straßenfest

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Für etwas Lokalkolorit sorgten beim jüngsten Fest die „Sülzer Ringeldüvjer“ auf der Veedelsbühne nahe der Nikolauskirche. Foto: Philipp Haaser
Im Sülz und Klettenberg regt sich Widerstand gegen das jährliche Straßenfest. Anwohner beschweren sich über Lautstärke und Müll, Geschäftsleute beklagen Umsatzeinbußen. Eine Bürgerinitiative fordert die Umgestaltung des Festes.  Von
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Sülz/Klettenberg

Auf dem Carrée-Fest amüsieren sich viele Menschen. Doch jedermanns Sache ist der jährliche Rummel auf der Berrenrather Straße und der Sülzburgstraße offensichtlich nicht. Wenn die einen feiern, beißen andere die Zähne aufeinander.

Und deren Klagen sind heftig: „Wir wohnen in der Emmastraße und leiden seit vielen Jahren unter dem Carrée-Fest. Zwei Tage lang Dauerbeschallung, die Vorgärten werden als Pissoir missbraucht, der Müll fliegt gleich hinterher. Und wenn abends um 22 Uhr das Bühnenprogramm beendet ist und die Buden zumachen, dann grölen die Betrunkenen hier noch weiter bis morgens um 4 Uhr“, schildert Helmut Zimpel die Belastung, die das Straßenfest für die Anwohner mit sich bringt.

Mehr Bezug zum Veedel

Einige von ihnen, unterstützt von Geschäftsleuten, die sich ebenfalls ein Fest der anderen Art wünschen, haben daher vor kurzem unter Federführung der Sülzerin Julia Bönninghaus eine Unterschriftenaktion gestartet. Die Forderung der Initiative lautet: Nur einen Tag Straßenfest statt zwei und zwar mit Ständen und einem Programm, das größeren Bezug als bisher zum Veedel hat und zu den dort lebenden Menschen.

Julia Bönninghaus (2.v.r.) sammelt mit gleich gesinnten Anwohnern und Geschäftsleuten Unterschriften gegen das Carrée-Fest in seiner jetzigen Form.
Julia Bönninghaus (2.v.r.) sammelt mit gleich gesinnten Anwohnern und Geschäftsleuten Unterschriften gegen das Carrée-Fest in seiner jetzigen Form.
Foto: Eickler

Anfang September war es wieder so weit. Nach Schätzungen der Veranstalter schoben sich gut 150 000 Besucher Samstag und Sonntag, über die Sülzburgstraße, die Berrenrather und angrenzende Straßen. In den Augen der Interessengemeinschaft Sülz-Klettenberg (ISK) und der von ihr beauftragten Werbepraxis von der Gathen wieder mal ein voller Erfolg. In den Augen von Julia Bönninghaus das Grauen. „Wir hatten keinen Moment Ruhe, die Kinder konnten nicht schlafen. Das kommt doch einer Belagerung gleich.“ Sie hofft deshalb, Ende des Jahres so viele Unterschriften gesammelt zu haben, dass deutlich wird, wie groß die Unzufriedenheit in Sülz und Klettenberg ist. „Und dann setzt vielleicht endlich ein Umdenkungsprozess ein“, hofft sie.

Nicht meckern - mitmachen

Aus Sicht des Vorsitzenden der ISK, Sebastian Berges ist der aber bereits im vollen Gang. Er meint: „Möglicherweise wird es im kommenden Jahr gar keinen verkaufsoffenen Sonntag mehr für das Fest geben.“ Und die Veedelsbühne auf der Berrenrather Straße sei für einen Wandel doch der beste Beweis. Ins Werk gesetzt von mehreren Sülzer Initiativen fand dieses Jahr dort zum ersten Mal ein Kulturprogramm aus dem Veedel fürs Veedel statt. „Ich kann den Kritikern des Carrée-Festes nur raten, sich daran ein Beispiel zu nehmen“, so Berges und Hermann-Josef Schulte, der im Arbeitskreis für das Fest ist, meint: „Nicht meckern – mitmachen. Wir sind für viele Vorschläge offen und freuen uns über jeden, der sich einbringt ob Geschäftsinhaber oder Privatperson.“

Anwohner freuen sich über das Programm auf der Veedelsbühne beim Sülzer Carréefest.
Anwohner freuen sich über das Programm auf der Veedelsbühne beim Sülzer Carréefest.
Foto: Philipp Haaser

Denn daran krankt das Carrée-Fest in der Tat. Während das jährliche Fest auf der Dürener Straße von nahezu 100 ortsansässigen Geschäftsleuten, Vereinen und Institutionen getragen wird (das sind nach Aussage von Wilhelm von der Gathen mehr als 80 Prozent aller Händler), haben sich beim Carrée-Fest 2012 nur gut 40 Händler, Vereine und Institutionen beteiligt. „Es gibt aber 190 Geschäfte im Einzugsbereich des Festes“, so Bönninghaus. Zum Beispiel Lothar Müller. Er betreibt einen Teeladen an der Sülzburgstraße und meint: „Früher haben wir uns ja beteiligt, aber wir sind hier so nah an der Hauptbühne, da verstehen Sie ihr eigenes Wort nicht mehr – im Laden. Uns blieben die Leute weg und wir gaben eine Beteiligung am Fest auf.“

Umsatzeinbußen durch das Fest

Esther Giese betreibt schräg gegenüber einen Buchladen und sagt: „Ich habe große Umsatzeinbußen durch das Fest. Die Leute, die dort hingehen, interessieren sich nicht für Bücher.“ Außerdem würden die Geschäftsleute noch durch die Anordnung der Verkaufsbuden in der Straße bestraft. Sie erläutert: „Wir liegen dahinter im Schatten, geknebelt von Versorgungs- und Abwasserleitungen“, und fragt: „Könnte man nicht wenigstens die Buden so drehen, dass die Leute zwischen den Geschäften und den Buden hindurch gehen?“ ISK-Vorsitzender Berges versteht das nicht. „Die Fremdhändler stehen doch nur deshalb dort, weil unsere Geschäfte nicht mitmachen. Wir können uns keine großen Löcher entlang der Festmeile erlauben“, meint er. Weinhändlerin Nicole Dohr ist dagegen vom Fest überzeugt: „Ich bin nun schon seit 16 Jahren dabei und meinen Kunden gefällt es zu bestimmt 70 Prozent. Das ist doch eine ganze Menge. 100 Prozent erreicht man doch sowieso nie.“

Die Sülzerin Gudrun Velten hat in diesem Jahr die Veedelsbühne mit organisiert. „Wir haben dort die Kulturschaffenden aus den Stadtteilen auf die Bühne geholt. Das bringt Menschen aufs Fest, die dort sonst nicht zu sehen sind. Aber es ist doch klar, dass Sie damit nicht das Programm auf der großen Hauptbühne bestreiten können“, sagt sie. Finanzielle Aspekte seien zu bedenken, gerade für die Sülz/Klettenberger Geschäftsleute. „Ohne die Kooperation mit dem Veranstalter können und wollen wir die Kosten nicht stemmen. Und außerdem soll das Fest doch für jeden Geschmack etwas bereithalten“, meint Velten.

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