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Denkmal des Monats: Rettungsaktion für den Petershof

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Viele Müngersdorfer waren zur Vorstellung des Denkmals gekommen. Foto: Eickler
Der 1896 erbaute Petershof soll für die Öffentlichkeit erhalten bleiben und wenn es nach den Wünschen der Müngersdorfer Bürger geht kulturell genutzt werden. Die Anlage erinnert an die landwirtschaftlichen Vergangenheit des Viertels.  Von
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Müngersdorf

„Eigentlich handelt es sich bei dem Hauptgebäude um einen Kindergarten, nicht um einen Gutshof“, meinte die Kunsthistorikerin Anja Schmid-Engbrodt bei der Vorstellung des Petershofes als Denkmal des Monats Juni augenzwinkernd. Von Landwirten sei die Anlage nur etwa 30 Jahre genutzt worden. „Kinder werden dort aber schon viel länger betreut.“

Der 1896 errichtete Bauernhof, der sich bereits seit 1926 in städtischem Besitz befindet, war schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zur Betreuung von Kindern genutzt worden. Zunächst als Kindertagesheim, dann als Hort für Schulkinder und bis zum heutigen Tag als Kita mit drei Gruppen.

Ungewisse Zukunft für Petershof

Gleich zwei Arbeitskreise (AK) des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) hatten das imposante Backsteingehöft auserkoren. Nicht ohne Hintergedanken, wie der Leiter des AK Denkmal des Monats im RVDL, Stephan von Wahl, betonte: „Auch hier haben wir wieder ein Bauwerk von historischer Bedeutung gewählt, das in seinem Bestand bedroht ist und dessen Erhalt hohe Investitionen erfordert. Wir hoffen, dadurch Investoren aufmerksam zu machen und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, die etwas zum Erhalt des Denkmals beisteuern können. Seien es Ideen oder Spenden.“

Dieses Anliegen unterstützen unter anderem auch der Bürgerverein Müngersdorf, die Bezirksvertretung und viele Bürger des Stadtteils. Denn der denkmalgeschützte Petershof steht vor einer ungewissen Zukunft. Längst hat die Stadt als Eigentümerin des Anwesens beschlossen, den Hof zu verkaufen. Eine Gnadenfrist ist ihm nur noch solange gewährt, wie die Ersatz-Kindertagesstätte fehlt. Die aber wird in Kürze auf dem Gelände der Grundschule Wendelinstraße errichtet werden.

Rücksicht auf Architektur

Anja Schmid-Engbrodt vom Rheinischen Verein stellte das Denkmal des Monats vor.
Anja Schmid-Engbrodt vom Rheinischen Verein stellte das Denkmal des Monats vor.
Foto: Eickler

Den Hof zum Denkmal des Monats zu küren, ist der zweite Schritt einer Rettungsaktion. Um Fehlentwicklungen vorzubeugen, hatte der Bürgerverein 2012 bereits dafür gesorgt, dass Studierende des Masterstudiengangs Architektur der FH Köln mögliche Nutzungskonzepte erarbeiten. Dabei richteten sich die Studenten nach den Wünschen der Müngersdorfer. Die wollen auf dem Hof kulturelle Angebote und etwas Wohnen. Letzteres vor allem, damit es sich am Ende wirtschaftlich rechnet.

Auf jeden Fall aber soll mit der Architektur behutsam verfahren werden. Das kommentierte Anja Schmid-Engbrodt vom Rheinischen Verein mit den Worten: „Auch der Rheinische Verein für Denkmalpflege wünscht, dass die Stadt mit dem Wissen um die Bedeutung des Petershofs ein glückliches Händchen und Kooperationsgeist mit den betroffenen Bürgern beweist.“ Der Petershof sei identitätsstiftend für die Anwohner und Teil des historischen Vermächtnisses. An dieser Stelle sei öffentlichem Interesse der Vorrang vor privaten Interessen zu geben.

Historisches Relikt der Stadtentwicklung

Schmid-Engbrodt, die den vor gut einem Jahr gegründeten Arbeitskreis „Historische Hofanlagen“ im RVDL leitet, stellte das Denkmal vor. Es besteht aus dem Haupt- und dem Kutscherhaus, einer Schmiede, Stallungen und der Scheune. Das Haupthaus – die heutige Kita – liegt im Bereich des Übergangs der Nieder- zur Mittelterrasse des Rheintals. Das ansteigende Geländerelief hatte der Fluss in der jüngsten Eiszeit in die Landschaft gegraben. Weil der Hof höher liegt als die vorbeiführende Straße ist die Mauer nicht lediglich Einfriedung des Anwesens, sondern stützt darüber hinaus die Böschung ab. Die Wirtschaftsgebäude sind vom angrenzenden Lövenicher Weg zugänglich.

Die historische Bedeutung des Petershofs ist eng mit seinen Vorgängerbauten verknüpft. Einige Meter weiter südlich an der Ecke Dorfplatz/Belvederestraße stand der erste Petershof, der in seinen Anfängen noch Marienhof genannt wurde und ein Fronhof des Stiftes St. Aposteln war. Im Jahr 1799 war dieser mit 263 Morgen Land der zweitgrößte Hof in ganz Müngersdorf, wo es zu der Zeit 18 insgesamt gab. „Mit seiner backsteinernen Umfassungsmauer ist das Gehöft nicht nur Erinnerung an die landwirtschaftliche Vergangenheit des Ortes, sondern prägend für das Erscheinungsbild Müngersdorfs bis zum heutigen Tag“, so Schmid-Engbrodt.

Umso erstaunlicher findet die Kunsthistorikerin, „dass in vielen Publikationen der Stadtteil mit den im 20. Jahrhundert errichteten Künstlervillen assoziiert wird, aber seine landwirtschaftliche Vergangenheit dabei mit keinem Wort Erwähnung findet.“ Dabei sei noch bis in die 1960er Jahre Landwirtschaft in dem Stadtteil betrieben worden.

www.rheinischer-verein.de

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