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Katharina-von-Bora-Haus: Senioren beweisen Sportsgeist

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Lieselotte Conrad überlegt mit Carlo Vogel von der Diakonie Michaelshoven, wie sie den Ball in die Dosenmauer wirft.  Foto: Esch
Ringewerfen, Kegeln und Boccia - im Katharina-von-Bora-Haus haben die Bewohner Sportsgeist bei einer Olympiade bewiesen. Aufgrund ihrer körperlichen oder geistigen Verfassung fiel es nicht allen Senioren leicht, die Disziplinen zu meistern.  Von
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Loslassen ist manchmal schwer. Die Hand ist halb geöffnet. Der Arm schwingt wie eine Schaufel nach oben. Doch der Ball will einfach nicht in Richtung der neun Dosen fliegen, die etwa anderthalb Meter von Günther Schramms Rollstuhl entfernt auf einem Tisch aufgebaut sind. Klaus Paffendorf leitet des Katharina-von-Bora-Haus, ein Seniorenheim der Diakonie Michaelshoven am Stadtwaldgürtel. Er zählt laut: „Eins, zwei, drei.“ Dann endlich löst sich der Tennisball aus der Hand des 76-jährigen Heimbewohners – und landet in der Dosenmauer. Drei Dosen fallen, Schramm und Paffendorf jubeln.

Für einige Teilnehmer der zweitägigen Senioren-Olympiade ist es nicht einfach, die Verbindung zwischen Geist und Körper herzustellen. Sportsgeist beweisen aber alle Olympia-Teilnehmer: Geschlagene zehn Minuten hatte vorher ein anderer Senior vergeblich versucht, auf die Dosen zu werfen. Klaus Paffendorf wusste Rat. Er fragt den alten Mann, was er früher gerne gemacht hat. Schwimmen sei die Antwort gewesen, erzählt der Leiter. Besonders gern sei er vom Zehn-Meter-Brett gesprungen.

„Wir haben ihn dann gesagt, er solle sich vorstellen, der Ball sei der Springer – und der müsse ins Wasser. Dann konnte er werfen“, sagt Paffendorf.

Christa Dressel lässt eine Teilnehmerin der Seniorenolympiade, Sibylla Hansmann, an einem Schälchen Essig schnuppern. Foto: Esch

Bei der Bewertung wird berücksichtigt, dass sich die Teilnehmer in unterschiedlichen körperlichen Verfassungen befinden. „Wer sich nicht mehr so gut bewegen kann, bekommt bei den Motorikspielen für Treffer etwas mehr Punkte“, erklärt Paffendorf.Das Motto „Dabeisein ist alles“ gilt hier viel mehr als sonst. Später wird auf den Urkunden stehen, dass der jeweilige Teilnehmer „den Spaßfaktor“ erreicht hat.

Spielerisch Erinnerungen wecken

Auf dem Weg zu dem Ziel versucht Sibylla Hansmann angestrengt, sich zu erinnern. Sie hat ein Küchentuch um die Augen gebunden. Die Flüssigkeit, an der sie schnuppert, kommt ihr bekannt vor. Was war das noch? „Denken sie an Salat. Sie brauchen Öl und...?“, hilft ihr Christa Dressel, Sozialarbeiterin der Diakonie Michaelshoven, auf die Sprünge. Der Groschen will nicht fallen. Die Mitarbeiterin lüftet das Tuch. „Das ist Essig“, sagt sie. „Ja, aber eine andere Sorte als ich früher immer benutzt habe“, antwortet Hansmann.

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Erinnerungen zu wecken spielt eine große Rolle im Katharina-von-Bora-Haus – beim alltäglichen Kampf gegen das Vergessen. Es werden fleißig Körper und Geist trainiert, unter anderem in einem wöchentlichen Gymnastikkurs, Spielrunden und einer Hundegruppe, zu der eine Therapeutin mit einem Hund kommt. Der Kontakt mit dem Tier weckt bei vielen alten Menschen neue Lebenslust. „Und dann gibt es noch unser Trainingslager“, sagt Carlo Vogel, ein Mitarbeiter des Seniorenheims. Er deutet in einen großen Raum, wo ein riesiger Flachbildschirm steht, auf dem Regal darunter eine X-Box-Konsole. „Sie funktioniert über die Kinect-Steuerung. Die Spieler müssen sich nur so bewegen, wie beim Bowlen oder beim Golfen. Sie können sich gar nicht vorstellen, was für einen Ehrgeiz hier manche der alten Menschen entwickeln – und wie viel Spaß die Senioren haben“, sagt Vogel.

Den größten Erfolg habe er aber mit seinem wöchentlichen Musikrätsel namens „Erkennen Sie die Melodie“. „Es gibt an Demenz erkrankte Senioren, die sich kaum noch mitteilen können – aber die dritte und vierte Strophe des Liedes Am Brunnen vor dem Tore auswendig singen.“

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