Lindenthal
Braunsfeld, Junkersdorf, Klettenberg, Lindenthal, Lövenich, Müngersdorf, Sülz, Weiden, Widdersdorf

Vorlesen
3 Kommentare

S-Bahn-Jubiläum: Zehn Jahre S12 und S13

Erstellt
Die Linie 13 fährt seit Dezember 2012 – hier hält sie im Hauptbahnhof. 
Zum Jubiläum der S-Bahn-Linien 12 und 13 gab es viel Lob, aber auch Kritik. Gelobt wurde die verbesserte Mobilität im Kölner Westen. Kritik gab es vor allem an den Park-and-Ride-Anlagen, an Zugausfällen und fehlender Kommunikation.  Von
Drucken per Mail
Müngersdorf

Peter Alsbach, regionaler Personalchef der Deutschen Bahn, hatte „Schnittchen und Kölsch“ erwartet zum Zehnjährigen der S-Bahn-Linien 12 und 13. Er bekam aber – wie alle Gäste – von Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker nur ein Stückchen Schokolade. Dabei sei die Geschichte der S-Bahn-Linien „eine riesen Erfolgsgeschichte, die man zünftig feiern könnte“, wunderte sich Alsbach lachend. Der Auftritt des Bahn-Vertreters war nicht nur unterhaltsam. Alsbach stand auch für eine womöglich neue Strategie der Bahn im Umgang mit Kritik. Offensiv statt defensiv, Fehler zugeben statt schweigen. Und ein bisschen was weglachen.

Beim Schienenersatzverkehr im Oktober zwischen Hansaring und Technologiepark Müngersdorf – als Gleise erneuert werden mussten – habe „die Bahn sich nicht mit Ruhm bekleckert, das war richtig schlecht“, sagte Alsbach. Oder: „Ich ärgere mich selbst über fehlende Ansagen, wenn ein Zug zu spät kommt. Es geht um Kommunikation, wir können nicht sagen, wir sind nicht zuständig. Das muss besser werden. Und das wird besser.“

Eine Erfolgsgeschichte

Mit dem Ausbau der Bahnstrecke Köln-Aachen legte die Bahn zwischen Köln Hansaring und Düren auch eine neue S-Bahn-Strecke an. Nach 20 Jahren Planung wurde die Linie S 13 am 15. Dezember 2002 offiziell in Betrieb genommen, zunächst verkehrte sie zwischen Düren und Deutz. Die S 12 kam etwas später dazu.

Grundsätzlich, da waren sich die Gäste der Jubiläumsveranstaltung im Bezirksrathaus Lindenthal einig, sei die Geschichte der zwei S-Bahn-Linien wirklich eine Erfolgsgeschichte. Sie habe die Mobilität der Menschen im Kölner Westen und im Rhein-Erft-Kreis entscheidend erhöht; auch die Fahrgastzahlen sprechen für sich: Waren es im Jahr 2003 noch rund 6000 Nutzer pro Tag, zählte die Bahn in diesem Jahr durchschnittlich 10 000.

Schon lange wünschen sich die Menschen in Weiden, Müngersdorf und Lövenich, aber auch im Rhein-Erft-Kreis, die Linien sollten abends länger im Zehn-Minuten-Takt fahren. Um der Nachfrage gerecht zu werden, müsse auch die S 13 mit zwei Wagen (Doppeltraktion) fahren.

Nur 0,4 Prozent Ausfallquote

„Darüber sind wir seit langem in Gesprächen mit der Deutschen Bahn“, sagte Winfried Wenzel vom Nahverkehr Rheinland, einem Verband, der für Planung, Betrieb und Finanzierung von Bahnstrecken zuständig ist.

Einige der Gäste monierten, dass Züge zu oft ausfielen, die S 12 sehr häufig nur mit einem statt zwei Wagen fahre. „Die Ausfallquote beträgt 0,4 Prozent, ein Ausfall ist also nicht Regel, sondern Ausnahme“, sagte Wenzel. Die Technik sei leider kompliziert und nicht unanfällig, betonte Alsbach. Oft dauere es lange, bis die Wagen nach einem Schaden wieder repariert seien.

Anwohner wütend auf Pendler

„Ich nutze die Linien regelmäßig und habe noch nie eine unpünktliche Bahn oder einen unfreundlichen Schaffner erlebt“, sagte der Lindenthaler Seniorenvertreter Hartmut Stein. So uneingeschränkt zufrieden waren nicht alle – besonders scharfe Kritik kam aus Lövenich. In der Nähe der S-Bahn-Haltestelle seien die Wohngebiete schon am frühen Morgen zugeparkt, sagte ein Anwohnerpaar, „viele parken auch vor unserer Haustür, wenn sie in Urlaub fliegen und mit der Bahn zum Flughafen fahren“. Dass die Autos eigentlich nicht in ihr Wohngebiet fahren dürften, weil es sich um Anliegerstraßen handelt, schere die Pendler nicht – „und offenbar auch nicht das Ordnungsamt“.

Die Anwohner seien wütend, es seien sogar schon Stolperfallen mit Bindfäden aufgestellt worden, für Pendler, die gerade ausgestiegen sind, sagte Martina Kanis von der Bürgerinitiative Lövenich im Brennpunkt – und erntete dafür einige hochgezogene Augenbrauen. Kanis sagte aber auch: „Der S-Bahn-Anschluss ist für viele Lövenicher eine Lebensader. Die Direktanbindung ist nicht zu toppen.“

Park-and-Ride verbessern

Um die Pendler aus Lövenich fernzuhalten, wird seit langem über eine Vergrößerung des Park-and-Ride-Parkplatzes in Weiden diskutiert, die FDP hat schon einen entsprechenden Antrag gestellt, über den die Kölner Politik aber noch nicht entschieden hat. Wenzel schlug vor, den Parkplatz auf die andere Seite der Bahntrasse auszudehnen – das könnte manche Pendler aus Pulheim animieren, nicht in Lövenich zu parken. Christian Schirmer, Leiter des ÖPNV im Rhein-Erft-Kreis, gab zu Bedenken, dass die Ausweitung von Pendlerparkplätzen einigen Buslinien einen wirtschaftlichen Betrieb erschwere.

Bemerkenswert an dem Jubiläum war, dass Bürger, Politiker, ÖPNV- und Bahnvertreter zusammensaßen und jeder im Saal zu Wort kam. Dass es zwar Kritik an der Bahn gab, aber keine wütende. Nicht zuletzt, dass Bahn und Bürger zusammen lachten.

Auch interessant
KVB Fahrplan
Start
Ziel
Datum
Zeit
 
Videos
FACEBOOK
Blog
Digitale Themen
Das Logo von Rheinklick

Mini-Coding-Schulungen, Analysen oder Veranstaltungen, hier geht es um Themen rund um die digitale (Kölner) Szene.

Weitere Serien
Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!