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Stadtplanung: Autos weg von der Zülpicher Straße

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Die Zülpicher Straße im Bereich dieser Eisenbahnbrücke ist für den Kraftfahrzeugverkehr nicht wichtig – meinen Verkehrsexperten. Foto: Eickler
Experten schlagen vor, das Areal um die Bahnunterführung auf der Zülpicher Straße zum verkehrsberuhigten Uni-Entree umzubauen. Eine kühne Vision, aber nicht komplett unrealistisch. Die Bezirksvertretung will die Pläne prüfen.  Von
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Wer die Stadt attraktiver gestalten will, muss auch einmal ganz neue Wege gehen – finden drei Kölner Verkehrsexperten. Warum also nicht die Bahnunterführung an der Zülpicher Straße in ein würdiges Entree zum Uni-Campus umbauen? Denn Experten meinen, dass sie dort für den städtischen Kraftfahrzeugverkehr eigentlich gar nicht so wichtig ist – und Politik und Verwaltung halten die Vorschläge zumindest für prüfenswert.

Und so könnte es an der Stelle künftig aussehen: Kein Autoverkehr mehr. Dafür flanieren die Fußgänger und rollen die Radfahrer unter den Brückenbögen hindurch, die mit bunten Lichtinstallationen in Szene gesetzt werden. Auch die Straßenbahn fährt weiterhin dort. Die Haltestelle aber ist nicht mehr unter der Brücke, sondern einige Meter weiter nach Westen versetzt.

Kleinode historischer Industriekultur

Recht kühn ist die Vision, die Grünen-Bezirksvertreter und Verkehrs-Experte Roland Schüler, Walter Buschmann als Fachmann für Industriedenkmäler und der Verkehrsplaner Peter Gwiasda bei einem Vortrag im Friedensbildungswerk vorstellten. Der hatte die Bedeutung des historischen Kölner Eisenbahnringes zum Gegenstand, speziell an den Brücken Zülpicher und Luxemburger Straße zeigte das Trio, welche Chancen mit einer Verkehrs- und Stadtplanung verbunden wären, die die Brücken als Kleinode historischer Industriekultur dauerhaft erhält, anstatt sie zu erneuern. „Wir fingen an, uns mit diesem Thema zu beschäftigen, als wir aus der Zeitung erfuhren, dass die Deutsche Bahn AG eine Erneuerung des Kölner Eisenbahnrings mit seinen 20 Brücken plant“, erklärte Buschmann und meinte weiter: „Köln hat seine Stadtmauer zum allergrößten Teil geschleift. Der Eisenbahnring ist an diese Stelle getreten und erfüllt daher auch gestalterische Funktion.“

Die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Eisenbahnbrücke wäre endlich als Beispiel herausragender Industriekultur, als echtes Denkmal, in Szene gesetzt, meinte Schüler. „Und sie wäre nicht mehr eine von Taubenkot verdreckte, durch zuviel Verkehr unattraktive und dunkle Unterführung.“

Täglich 8000 Fahrräder

Die Stadt aber hat derzeit noch völlig andere Pläne. Sie will die enge Zülpicher Straße an der Stelle ganz im Gegenteil erweitern lassen. Dazu würde die alte Brücke nicht mehr passen, die Bahn müsste vermutlich neu bauen lassen.

Doch Schüler, Buschmann, und Gwiasda geht es nicht nur um die Aufwertung des Areals für Fußgänger und Radler. Sie wollen eben unbedingt auch das „Kleinod Brücke“ erhalten. Und sie glauben, gute Argumente gegen eine Erweiterung des Straßenraums und für ihren Plan zu haben: Über die Zülpicher Straße zwischen Ring und Universitätsstraße rollen in 24 Stunden 8000 Fahrräder und nur 7000 Autos. Zum Vergleich: Ganz in der Nähe, auf der Bachemer Straße sind es 15 100 und auf der Dürener Straße weit mehr als 20 000 Fahrzeuge.

„Die Zülpicher Straße ist als Radiale für den Autoverkehr in die Stadt schon heute bedeutungslos, da sie nur von Lindenthal bis zum Ring führt. Sie zu sperren, würde mehr Raum für Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV unter dem Brückenbogen bedeuten, den Inneren Grüngürtel in diesem Bereich aufwerten und entspräche überdies den Vorstellungen, die die Universität mit ihrem Masterplan verfolgt“, erläuterte Gwiasda. Der Abteilungsleiter Struktur- und Entwicklungsplanung der Universität zu Köln, Holger Schmieschek, hörte aufmerksam zu und nickte bekräftigend.

Vorstellung bei der Bezirksvertretung

Eine Sperrung des Autoverkehrs kommt allerdings für die Luxemburger Straße nicht in Frage. Dort wünschten sich Buschmann, Schüler und Gwiasda eine bessere Anbindung von KVB und Bahnhof Süd: Auf der Luxemburger Straße in Höhe des Musikclubs Luxor könnte eine weitere Haltestelle der Linie 18 eingerichtet werden. „Verbunden mit dem Bau eines barrierefreien Aufgangs zu den Gleisen an der Moselstraße wäre das eine echte Verbesserung für die Fahrgäste“, so Schüler.

Ihm gegenüber saß der Leiter des Amtes für Brücken- und U-Bahnbau, Gerd Neweling, im Publikum. Er resümierte: „Ich persönlich halte die vorgestellten Konzepte für prüfenswert. Allerdings braucht es entsprechende politische Beschlüsse, damit die Verwaltung in dieser Richtung tätig wird.“ Um diese auf den Weg zu bringen, sprach der Bezirksbürgermeister Innenstadt, Andreas Hupke, schon jetzt seine Einladung aus. Schüler, Buschmann und Gwiasda dürfen ihr Konzept in einer der kommenden Sitzungen der Bezirksvertretung vorstellen.

Denkmalschutz wird beachtet

Auch Gunther Höhn von den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) kann dem Konzept einiges abgewinnen. Besonders begrüßte er die Idee, die Autos von der Zülpicher Straße zu verbannen und meinte: Wir freuen uns immer, wenn eine Verkehrsart weniger auf unserer Trasse unterwegs ist.“ Höhn gab aber zu bedenken, dass die Fahrgäste an der Zülpicher Straße heute trockenen Fußes von der Bahn in den Zug umsteigen könnten und meinte: „Das wäre vorbei, wenn die Haltestelle verlegt wird, und wenig fahrgastfreundlich.“ Abschließend appellierte Buschmann an die Anwesenden: „Seien sie bitte kritisch, wenn in den nächsten Jahren Fachleute der Bahn sagen, die ein oder andere Brücke können nicht erhalten und müsste neu gebaut werden. Es gibt vielfältige Methoden, die alten Brücken denkmalgerecht zu sanieren.“

So schnell wird das aber nicht der Fall sein. Wie Bahn-Sprecherin Andrea Brandt bei der Veranstaltung erklärte, sind für die kommenden Jahre nur drei Brückenbauwerke auf der Sanierungsagenda der DB, die Brücke der Hafen-Bahn in Poll, die Brücke Gereonswall/Hansaring und die an der Inneren Kanalstraße. „Weitere konkrete Pläne gibt es nicht“, sagte die Bahn-Sprecherin. Was die Brücken an der Zülpicher Straße betrifft, meinte sie: „Wir wissen, dass da mal was gemacht werden muss. Aber der Denkmalschutz wird dabei auf jeden Fall beachtet.“

Die Brücke würde also möglicherweise saniert, nicht erneuert. Der Plan einer verkehrsberuhigten Zone auf der Zülpicher Straße wird so gleich schon wieder ein wenig realistischer.

http://www.rheinische-industriekultur.de

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