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Sülzer Carréefest: Wie viel Veedel braucht das Fest?

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Das Sülzer Straßenfest ist das zweitgrößte seiner Art in Köln. Trotzdem sind viele Anwohner und Geschäftsleute unzufrieden mit dem Ablauf. Foto: Roesgen/Haaser
Die Sülzer diskutieren, wie sie künftig in ihrem Stadtteil feiern wollen: Einige haben Unterschriften gegen das Sülzer Carréefest in seiner aktuellen Form gesammelt. Bei einer Gesprächsrunde meldeten sich trotzdem kaum Gegner zu Wort.  Von
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Kirmescharakter, Ballermannmusik, Höllenlärm – die Kritik am Sülzer Carréefest war zuletzt immer lauter geworden. 818 Unterschriften hatte die Sülzerin Julia Bönninghaus gegen das Straßenfest in aktueller Ausprägung gesammelt. In diesem Jahr soll es am 31. August und 1. September stattfinden.

Kaum Gegner bei der Gesprächsrunde

Um der Kritik zu begegnen, lud die Interessengemeinschaft Sülz-Klettenberg (ISK) zu einer öffentlichen Gesprächsrunde in die Räume des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB). Kritiker und Gegner des Fests ließen sich erstaunlicherweise nur wenige blicken: Kaum eine Handvoll der mehr als 800 „Straßenfest-Gegner“ kam, Bönninghaus war es vorbehalten, ihre bereits öffentlich bekundete Kritik zu wiederholen: Nicht nur die Mehrzahl der Anwohner, sondern auch viele Händler wollten das Fest so nicht, 54 von ihnen hätten ihre Unterschriftenliste unterschrieben, es könne nicht sein, dass am frühen Sonntagmorgen die Kehrmaschinen als Wecker fungierten, ein Tag Straßenfest müsse ausreichen, und dieses lasse sich auf einer Straße feiern statt auf mehreren.

Gleichgültigkeit bei den Nachbarunternehmen

Als Unterzeichner der Liste outete sich auch ein Unternehmer aus den Reihen der ISK: Gustav Kuhweide vom gleichnamigen Fotogeschäft auf der Sülzburgstraße. Kuhweide entpuppte sich nicht als glühender Gegner: Er habe die Liste unterschrieben, weil er auch meine, „dass sich an dem Fest etwas verändern muss“. Mit der Veedelsbühne, die im vergangenen Jahr Premiere feierte, stimme freilich die Richtung. „Außerdem ist es gut, das Fest wie beschlossen dieses Jahr nicht mit einem verkaufsoffenen Sonntag zu verbinden. So ist es für die Geschäfte leichter, sich auf einen Stand zu konzentrieren.“ Warum das Carréefest ist wie es ist – kommerziell ausgerichtet von Wilhelm von der Gathen, der elf von zwölf Kölner Straßenfesten organisiert – erläuterte ISK-Vorstand Sebastian Berges. 1999 und 2000 habe die ISK das Straßenfest – damals noch als „Knollenfest“ am Auerbachplatz – selbst organisiert. Es hätten nur elf beziehungsweise zwölf Geschäftsleute mitgemacht. Die ISK habe eine Adventslichteraktion organisiert und eine Maibaumaktion, Ostereiersuchen und vieles mehr. „Wir waren immer wieder erstaunt, wie viel Gleichgültigkeit bei den Nachbarunternehmen besteht.“

„Entwicklung zur Partymeile war da.“

Die ISK habe schließlich gemerkt, dass sie an „Herrn von der Gathen nicht vorbeikomme“, sagte Berges. Also schloss die ISK einen Vertrag mit von der Gathen und übertrug ihm die Organisation. Kurze Pause. „Wir wollten keine Jodelwettbewerbe und Saufbühnen.“ Kurze Pause. „Wir sind nicht unzufrieden mit Herrn von der Gathen, aber die Entwicklung zur Partymeile war da.“

Wilhelm von der Gathen zuckte mit der Braue, um dann seine Version der Dinge vorzutragen: Das Sülzer Straßenfest sei das „zweiterfolgreichste nach der Dürener Straße und noch vor dem Längsten Tisch im Severinsviertel“. Weil es um „Werbung fürs Viertel“, aber auch um „möglichst viele Kundenkontakte“, gehe, sei eine Verkürzung auf einen Tag „schwer vorstellbar“. Rund 80 000 Euro koste die Organisation, die vornehmlich von Sponsoren finanziert würde – und auch für die lohne sich ein zweitägiges Fest mehr als ein eintägiges.

Diskussion um einen dritten Tag

In einigen Vierteln diskutiere man schon, den Freitag als dritten Tag dazuzunehmen, sagte Nicole Dohr, ISK-Vorstandsmitglied. Sie verstehe nicht, warum schon von „Ballermann“ gesprochen werde, wenn Menschen vor einer Bühne am Bierwagen stehen, ein paar Kölsch trinken und lachen. „Zum 1. FC Köln geht jeder vom Arbeiter bis zum Vorstand, zum Straßenfest auch. Insofern ist ein Straßenfest auch Brauchtumspflege“, assistierte Feinkostgeschäft-Betreiber Achim Zimmermann. „Wenn es verwerflich ist, zu Marita Köllner oder Brings zu singen, frage ich mich, wo wir hingekommen sind in Sülz/Klettenberg.“

Ein Sölzer Ringeldüvje – die  Veedelsgruppe ist auch dieses Jahr wieder dabei.
Ein Sölzer Ringeldüvje – die Veedelsgruppe ist auch dieses Jahr wieder dabei.
Foto: Philipp Haaser

Bönninghaus sagte, es gehe um eine Abwägung von Interessen. Wenn ein Großteil der Händler und Anwohner gegen ein zweitägiges Straßenfest sei, „ist es problematisch, einfach so weiterzumachen wie vorher“. Der Vorschlag, statt um 22 Uhr um 21 Uhr die Musik abzuschalten, geht ihr nicht weit genug. Auch die Anregung, ab 22 Uhr in Kiosken und Supermarkt keinen Alkohol mehr zu verkaufen und die Musik irgendwann leiser zu stellen, reiche nicht aus.

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