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Trend Nähen: Selbermachen mit Nadel und Faden

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Stefanie Walter (v.l.) gibt ihren Schülerinnen Manuela und Jana Näh-Tipps. Foto: Esch
Nähen ist so beliebt wie lange nicht mehr. Vor allem Frauen schätzen die Möglichkeit, eigene Mode zu entwerfen. An der Volkshochschule in Lindenthal können Anfänger und Fortgeschrittene ihre kreativen Ideen in die Tat umsetzen.  Von
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Lindenthal/Zollstock

Im Nähraum der Volkshochschule in Lindenthal hantiert Vanessa Laumann ungeduldig mit einer Spulenkapsel. Die will sich einfach nicht in das Gewinde der Nähmaschine stecken lassen. Neben Laumann wartet schon ein schimmernder weißer Stoff darauf, zu einer Bluse verarbeitet zu werden. „Ich möchte hier heute noch so viele Tipps wie möglich abgreifen, damit ich zuhause weiter machen kann“, sagt Vanessa Laumann ein wenig nervös. Die junge Frau hat das Nähfieber gepackt – wie viele andere Menschen auch.

Sabine Rappard, Leiterin eines Nähkurses der VHS, berät ihre Schülerinnen gerne bei allen Fragen, die selbstgenähte Klamotten betreffen.
Sabine Rappard, Leiterin eines Nähkurses der VHS, berät ihre Schülerinnen gerne bei allen Fragen, die selbstgenähte Klamotten betreffen.
Foto: Esch

Nähen ist im Trend. Das bestätigt auch Sabine Rappard. Schon sehr lange gibt die Kostümbildnerin an der Volkshochschule Nähunterricht. Vor zehn Jahren wollte die Stadt ihren Nähkursus – damals den einzigen an der VHS – noch aus dem Programm werfen. Es gab nicht genügend Interessenten. „Ich habe wirklich um meinen Kursus gebangt“, erinnert sie sich. Heute ist sie drei Mal in der Woche im VHS-Nähraum von einer großen Schar eifriger Schülerinnen umringt. Die Volkshochschule bietet mittlerweile jeden Abend zwei Nähkurse an, nur Freitag nicht, denn da beginnen oft die Wochenendworkshops in Schnitttechnik, in denen die Kundinnen lernen können, wie sie Schnitte für ihre selbstgenähten Sachen erstellen. Viele Abendkurse sind ausgebucht, bevor das jeweils neue Programm der VHS überhaupt ausliegt. Der Klöppel- und der neue Strickkursus sind ebenso beliebt.

Private Nähschulen

Gemeinsam mit ihrer Schülerin Manuela (rechts) überlegt Stefanie Walter wie diese aus ihren hübschen Stoffe am besten einen Rock fertigen kann.
Gemeinsam mit ihrer Schülerin Manuela (rechts) überlegt Stefanie Walter wie diese aus ihren hübschen Stoffe am besten einen Rock fertigen kann.
Foto: Esch

Und auch private Nähschulen schießen wie die Pilze aus dem Boden. In Sülz öffneten mit dem Atelier von Anke Niemeyer und dem kleinen hübschen Werkstatt-Laden namens „Frau Marzi und der bunte Hund“ mindestens zwei Anbieter von Nähkursen. Neueste Anlaufstelle für nähbegeisterte Menschen im Kölner Südwesten ist der Salon Fadenschein am Gottesweg.

Der gemütliche Werkstatt-Laden hat erst vor einem Jahr seine Tore geöffnet. „Der Andrang war gleich riesig. Das hat mich total überrollt“, erzählt Inhaberin Stefanie Walter, während ihre Schülerinnen mit einem Gläschen Sekt auf ihren Nähkursus anstoßen. Warum moderne Frauen – Männer sind ganz selten dabei – nach getaner Büroarbeit und/oder Kinderbetreuung wieder zu Nadel und Faden greifen? „Der Nähkursus ist wie eine Insel im immer hektischer werdenden Alltag“, sagt Amelie Wangrin, Leiterin des Programmbereichs Kunst, Kultur, Kreativität der Volkshochschule. Eine Nähschülerin von Sabine Rappard, Caroline Hamacher, kennt einen weiteren Grund: „Es ist so schön, etwas selbst zu produzieren. Viele arbeiten den ganzen Tag, halten aber hinterher nichts in den Händen“, so die freiberufliche Werbekauffrau. Sie streicht liebevoll über den Stoff, den sie gerade im Nähraum der VHS ausgebreitet hat.

Wunsch nach Individualität

Wenn andere Menschen abends zuhause die Füße hoch legen, lockt es einige Frauen zu Stefanie Walter in den Salon Fadenschein, wo sie lernen, selbst schöne Dinge zu nähen.
Wenn andere Menschen abends zuhause die Füße hoch legen, lockt es einige Frauen zu Stefanie Walter in den Salon Fadenschein, wo sie lernen, selbst schöne Dinge zu nähen.
Foto: Esch

Währenddessen hilft Sabine Rappard einer anderen Kursteilnehmerin dabei, einen schwarzen Mantel abzustecken. Sie hat ihn von einem Flohmarkt und möchte ihm nun eine ganz persönliche Note verleihen. „Der Wunsch nach Individualität, sich von der Masse abzuheben, ist natürlich auch ein Grund dafür, dass Handarbeit im Trend ist“, kommentiert Amelie Wangrin. In Rappards Nähkurs erntet Gunda Messerschmidt für ihre ausgefallene Hutkreation besonders viel Lob. Ein rotes hochdrappiertes Filzmodell liegt vor ihr. Darauf näht sie einen kleinen Hirsch. Die fortgeschrittene Nähschülerin hat sich auf Hüte spezialisiert. Gerade hat ein Passant auf der Straße Gunda Messerschmidt angesprochen und gefragt, ob er so einen Hut bei ihr bestellen könnte. Sie hat ihren ersten Auftrag.

Wie viele Menschen mittlerweile ihr Hobby zum Beruf oder zumindest zu einer Nebenerwerbsquelle machen, davon kündet die Internetplattform DaWanda. Das Portal quillt über mit Fotos von handgefertigten Dingen, die trotzdem vergleichsweise günstig zu haben sind. Junge Designer versuchen hier, mit ihren Labels auf sich aufmerksam zu machen. Es ist eine sanfte Rebellion gegen das modische Einerlei, die Massenfabrikation großer Konzerne.

Neue berufliche Zukunft

Auch Schnittmuster lesen will gelernt sein. Das stellt Nähschülerin Hanna im Salon Fadenschein fest.
Auch Schnittmuster lesen will gelernt sein. Das stellt Nähschülerin Hanna im Salon Fadenschein fest.
Foto: Esch

Die Rebellen sind Menschen wie Vanessa Laumann. „Das ist kein Spaß hier“, sagt sie mit einem Augenzwinkern, während sie sich auf die ratternde Nähmaschine und den Stoff darunter konzentriert. Die Chemikerin hat gerade keinen Job und möchte nicht mehr zurück ins Labor eines großen Unternehmens. Mit einer Freundin will sie ein eigenes Label gründen und selber Ökoklamotten nähen. Für sie beginnt mit dem Kursus eine neue berufliche Zukunft.

http://frau-marzi-und-der-bunte-hund.blogspot.de/

www.atelierschule.de

www.salon-fadenschein.de

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